# taz.de -- Kommentar Grundeinkommens-Bewegung: Zersplitterter Protest ohne Kraft
       
       > Die Forderung nach einem bedingungslosen Einkommen hätte durchaus
       > Potential - wäre die Bewegung nicht derart zersplittert.
       
 (IMG) Bild: Tun was: Demonstranten für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Berlin am 6. November.
       
       Es war kein Aufschrei. Kein Appell und kein Signal, nicht einmal ein
       kleines. 2.000 Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens, die durch
       die Berliner Mitte ziehen - wow, da werden sich die Mächtigen aber
       gefürchtet haben. Die nächste große Bewegung sieht anders aus.
       
       Dabei hätte die Forderung nach einem bedingungslosen Einkommen für alle
       durchaus Potenzial - das zeigt schon ein Blick auf die gesellschaftliche
       Realität. Die Kosten für die Prüfung und Berechnung von Transferleistungen,
       für das Kontrollieren mutmaßlicher Sozialbetrüger, für Beratungen, die
       Zuschüsse für Weiterbildungs- und Wiedereingliederungmaßnahmen und nicht
       zuletzt die Kosten für die gesammelten Rechtsstreitigkeiten und
       Gerichtskosten rund um Hartz IV stehen in keinem Verhältnis zu dem, was
       tatsächlich an die Menschen ausgezahlt wird.
       
       Doch statt sich auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen und die Debatte
       voranzutreiben, verstricken sich Initiativen, Bündnisse und Netzwerke zum
       Thema Grundeinkommen in einen Kleinkrieg über die richtige Höhe, die
       richtige Ideologie dahinter und darüber, wer eigentlich zuerst auf die Idee
       gekommen ist, ein Grundeinkommen zu fordern. Nötig ist das nicht.
       
       Und zielführend auch nicht. Im Gegenteil: So sinnvoll und richtig das
       Anliegen auch sein mag, solange die Bewegung völlig zersplittert auftritt,
       nimmt sie niemand wahr und schon gar nicht ernst. Wenn die Aktivisten also
       nicht warten wollen, bis die Politik irgendwann einmal von selbst den Sinn
       eines bedingungslosen Grundeinkommens erkennt, sollten die Beteiligten mit
       der Arbeit bei sich selbst anfangen.
       
       8 Nov 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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