# taz.de -- Gerichtsurteil zu Klimaprotesten: Schubsen ist Gewalt
       
       > Ein dänisches Gericht hat zwei Aktivistinnen verurteilt, die beim
       > Klimagipfel in Kopenhagen dabei waren. Und das nur, weil sie "Push"
       > gerufen haben.
       
 (IMG) Bild: 250 DemonstrantInnen wurden in Kopenhagen festgenommen - und zwei angeklagt.
       
       STOCKHOLM taz | Vier Monate Haft auf Bewährung wegen "Push"-Rufens. Dieses
       Urteil fällte das Amtsgericht Kopenhagen am Donnerstag gegen zwei
       Sprecherinnen eines Klimanetzwerks. Es ist der erste Schuldspruch der
       dänischen Justiz im Zusammenhang mit den Demonstrationen beim
       Weltklimagipfel im Dezember vergangenen Jahres.
       
       "Push!" hatten Stine Gry Jonassen und Tannie Nyboe von der Climate Justice
       Action am 16. Dezember ins Mikrofon gerufen. Allerdings riefen damals
       gleichzeitig Tausende vor dem Konferenzzentrum "Push!", nach dem
       Protestmotto: "Reclaim Power - Push for Climate Justice" ("Gewinnt Macht
       zurück - drängt auf Klimagerechtigkeit".)
       
       Die Staatsanwaltschaft und nun auch das Gericht werten dieses "Push!" aber
       als eine Anstiftung zu gewaltsamem Vorgehen gegen die Polizeibeamten, die
       das Konferenzzentrum abschirmten. Und tatsächlich habe sich nach dieser
       Aufforderung auch eine größere Menschenmenge in Bewegung gesetzt und die
       Beamten bedrängt und geschubst. Zu irgendwelchen gewaltsamen Vorfällen kam
       es zwar auch ausweislich der Anklage nicht, aber, so das Gericht: "Schubsen
       ist Gewalt."
       
       Jonassen und Nyboe hatten sich für unschuldig erklärt und im Prozess gegen
       die Logik der Staatsanwaltschaft gewehrt, die sie als Mitglieder der
       "Mediengruppe" des Klimanetzwerks nun plötzlich zu Verantwortlichen einer
       ganzen Protestbewegung machen wollte. Man habe von vornherein einen
       friedlichen Versuch angekündigt, ins Konferenzzentrum einzudringen.
       
       Diese Pläne waren durch ein massives Polizeiaufgebot vereitelt und 250
       DemonstrantInnen festgenommen worden. Gegen niemanden wurde Anklage
       erhoben, nur gegen Jonassen und Nyboe.
       
       25 Nov 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reinhard Wolff
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Nach Protest beim UN-Klimagipfel 2009: Aktivisten freigesprochen
       
       Während des Klimagipfels 2009 verhaftet, aber keine Beweise für Straftaten:
       Zwei Umweltschützer wurden nun von einem Gericht in Kopenhagen
       freigesprochen.
       
 (DIR) Prozesse nach dem Klimagipfel: Die gefährliche Pappwaffe
       
       In Dänemark gehen die Prozesse rund um den Kopenhagener Klimagipfel 2009
       weiter. Auf der Anklagebank sitzen Umweltaktivisten, aber auch der dänische
       Staat.