# taz.de -- Friedensaktivist über Folter: "Man hätte davon wissen können"
> Dass britische Soldaten im Irak folterten, ist bekannt. Die Behörden
> haben es nur ignoriert, sagt der Friedensaktivist Michael Randle.
(IMG) Bild: "Die Soldaten haben sich nur an Anweisungen gehalten." - Britischer Soldat bewacht einen Iraker während einer nächtlichen Razzia in Basra
taz: Herr Randle, die von britischen Soldaten aufgenommenen Videos zeigen,
dass britische Truppen an der Folter von Gefangenen im Irak beteiligt
waren. Sind Sie überrascht?
Michael Randle: Nein, nicht wirklich. Im Irak sagen die Menschen, das sei
keine Enthüllung. Man wusste das seit langem. Für die westlichen Medien mag
das eine Enthüllung sein. Die Behörden in den USA und in Großbritannien,
aber auch die westlichen Medien haben die Tatsachen bisher weitgehend
ignoriert. Andererseits sagte George Bush vor Jahren, dass Waterboarding
keine Folter sei. Man hätte also wissen können, was im Irak vor sich ging.
Bisher lautete der Vorwurf, dass die Briten Gefangene an die irakischen
Institutionen ausgehändigt haben, obwohl sie wussten, was mit ihnen
geschehen würde.
Das allein war ein Verstoß gegen die Genfer Konvention. Der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte hat vor Kurzem entschieden, dass man
Gefangene nicht an ein Regime ausliefern darf, wenn die Gefahr besteht,
dass sie gefoltert würden. Darüber hinaus wäre Großbritannien gesetzlich
verpflichtet gewesen, die Foltervorwürfe zu prüfen und gegebenenfalls eine
Strafverfolgung einzuleiten. Das ist bis heute nicht geschehen.
Aber jetzt geht es um aktive Beteiligung britischer Soldaten an den
Folterungen.
Auch das ist ja keine neue Erkenntnis. Die Morde an Zivilisten, der
Totschlag an einem Iraker in einem britischen Hubschrauber, das Ertränken
eines 19-Jährigen nach einem Verkehrsunfall - all das war eigentlich
bekannt, wenn man sich dafür interessierte. Die Videos bewirken, dass es
ein größeres Bewusstsein in der britischen Öffentlichkeit für die
Ereignisse im Irak und die zivilen Opfer gibt. Die US-Regierung hat stets
behauptet, dass man zivile Opfer nicht zähle. Das hat sich als Lüge
herausgestellt - man hat die Zahlen lediglich geheim gehalten.
Bisher sollen möglicherweise drei hochrangige Soldaten wegen Folter
angeklagt werden. Sind sie die Sündenböcke?
Natürlich. Der wahre Skandal ist, dass die Soldaten im Irak zur Folter
ausgebildet wurden. Die Videos und Bücher, die zur Ausbildung der Rekruten
für den Einsatz im Irak benutzt wurden, enthalten detaillierte Anweisungen
über Techniken, die von der Genfer Konvention als Folter bezeichnet werden.
Die Soldaten haben sich nur an Anweisungen gehalten. Wenn es zum Prozess
kommt, steht das Verteidigungsministerium mit vor Gericht.
Das Verteidigungsministerium behauptet, die Veröffentlichungen würden die
Moral der Soldaten untergraben.
Nichts würde die Moral der Soldaten mehr untergraben als das Ignorieren der
Foltervorwürfe. Es gibt einen einfachen Weg, um die Moral der Truppe zu
heben: Zieht sie aus Afghanistan zurück.
Es gibt 1.253 Video- und Tonaufnahmen, die britische Soldaten selbst von
den Folterungen gemacht haben. Warum haben sie ihre Taten auch noch
dokumentiert?
Das ist mir ein Rätsel. Vielleicht waren sie von den neuen Technologien so
eingenommen, dass sie nicht an mögliche Konsequenzen dachten? Wer weiß?
Warum hat Richard Nixon damals die Watergate-Geschichte so minutiös in
seinen Akten festgehalten? Ich weiß darauf keine Antwort.
INTERVIEW: RALF SOTSCHECK
20 Dec 2010
## AUTOREN
(DIR) Ralf Sotscheck
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