# taz.de -- Kommentar S-Bahn-Chaos: Da fällt einem nichts mehr ein
> Misstrauen gegen die Bahnchefs wird wegen der S-Bahnpleite immer größer.
(IMG) Bild: So schnell kennt man sie schon lange nicht mehr: die Berliner S-Bahn.
Vertuschung, Betrug, Lügen, Mauschelei, Verschleierung - die Suche nach
Synonymen für das Geschäftsgebaren der Deutschen Bahn ist schwer geworden.
Wöchentlich trudeln neue Hiobsbotschaften ein, die Abründe sind kaum mehr
in Worte zu fassen. Da scheint ein Staatskonzern über Jahre seine ganz
eigene Politik gefahren zu haben: Personal und Kosten runter, Geld raus,
Warnungen ignorieren und hoffen, dass es keiner draußen merkt.
Es hat schon seinen Grund, warum die Bahn dem Staat gehört: Öffentlicher
Nahverkehr zählt zur Daseinsvorsorge, genauso wie Strom- und
Wasserversorgung. Aufgabe des Bahnvorstands ist es nicht, Gewinne zu
erzielen. Aufgabe ist es, sicheren, pünktlichen und ausreichenden Verkehr
sicherzustellen. Vielleicht hätte jemand die Konzernspitze ab und zu daran
erinnern sollen. Wenn also schon Beschäftigte die Unternehmensführung
darauf hinweisen, dass mit dem Material etwas nicht stimmt - wie jetzt
bekannt wurde -, dann wäre die einzig richtige Reaktion gewesen: Offensiv
reagieren, Probleme thematisieren und angehen. Für so eine Erkenntnis
braucht es kein Manager-Studium, da reicht der gesunde Menschenverstand.
Angeblich wollen die neuen Vorstände ja alles besser machen. Doch das
Misstrauen ist gesät, und es wird genährt von jüngsten Vorwürfen des
Betriebsrats: Entgegen öffentlicher Ankündigungen werde weiter nicht
ausreichend in Wartung und Reparatur investiert. Für Journalisten kann das
nur heißen: Schon mal präventiv nach Synonymen suchen. Sonst sind wir am
Ende noch sprachlos.
26 Jan 2011
## AUTOREN
(DIR) Kristina Pezzei
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Jahre, bevor das erste Rad brach, wusste die Deutsche Bahn von den massiven
Missständen bei ihrer Tochter S-Bahn. Der Vorstand täuschte den
Verkehrsausschuss.