# taz.de -- Kommentar Guttenberg: Es kommen härtere Zeiten
       
       > Der Minister ist nicht nur innerhalb der Koalition angreifbar geworden.
       > Weil er auf Zuruf der Boulevardmedien regiert, ist sein Strahle-Image
       > auch öffentlich beschädigt.
       
       Der Tag der Entscheidung fing nicht gut an für Verteidigungsminister
       Karl-Theodor zu Guttenberg. Denn neben den Affären bei der Bundeswehr gab
       es eine weitere schlechte Nachricht: Obwohl er lange hoffte, als einziger
       Minister aus dem Sparzwang der Koalition entlassen zu sein, musste er am
       Mittwoch in der Zeitung lesen, dass seine eigene Fraktion von ihm fordert
       mitzusparen.
       
       Was so aussieht wie eine finanzpolitische Maßnahme, ist für den Minister
       hochgefährlich. Es ist der erste Kollateralschaden, den die
       Bundeswehraffären beim Kabinettsstar hinterlassen haben.
       
       Der Minister ist aber nicht nur in seiner Politik innerhalb der Koalition
       angreifbar geworden. Spätestens seit dieser Woche ist er auch öffentlich
       beschädigt. Ein Minister, der auf Zuruf der Boulevardmedien regiert - der
       Satz gehört nun als Facette zu Guttenbergs strahlendem Image.
       
       Das wird seinen künftigen Regierungsstil mehr prägen, als ihm lieb sein
       kann. Mit einem Kamerateam zur Bundeswehr nach Afghanistan, seine Frau im
       Fernsehen posierend, schöne Bilder vom Hindukusch - über alldem wird in
       Zukunft ein Fragezeichen stehen: das, ob der Minister wieder einen
       unsauberen Pakt mit den Medien eingegangen ist; das, ob er steuert oder
       sich steuern lässt.
       
       Guttenberg wird über die aktuellen Affären nicht stürzen, falls nicht noch
       neues, brisantes Material auftaucht. Aber er wird es zu spüren bekommen,
       wenn wieder einmal etwas in seinem Haus nicht läuft.
       
       Dann werden sich die Parlamentarier, auch aus den eigenen Reihen, an die
       schlechte Informationspolitik erinnern. Dann werden die aktuellen Fälle
       wieder hervorgeholt, so wie es in diesen Tagen mit Guttenbergs Verfehlungen
       in der Kundus-Affäre aus dem Jahr 2009 geschieht.
       
       27 Jan 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gordon Repinski
       
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