# taz.de -- Kommentar Räumung der Liebig 14: Zeiten ändern Träume
       
       > Vor der Räumung der Liebig 14 zeigen ehemalige Hausbesetzer wenig
       > Verständnis für die Jungen.
       
 (IMG) Bild: Wer früher Häuser besetzt hat, hat deshalb noch lange keine Lust, sich heute zwischen die Barrikaden zu stellen.
       
       Wütend sind die Proteste gegen die Räumung der Liebig 14, laut, etwas
       verzweifelt, aber vor allem eines: jung. Wer - nicht nur, aber auch in den
       vergangenen Tagen - auf Demonstrationen für den Erhalt des Hausprojekts
       vorbeischaute, fand sich unter Menschen, die die Altersverteilung der
       Gesellschaft so gar nicht abbildeten. Viele Jugendliche, eine Menge
       Menschen zwischen 20 und vielleicht noch Mitte 30, und danach galt: Je
       älter, desto seltener. Wo sind sie also, die Hausbesetzer der 80er Jahre,
       die Wegbereiter von Projekten wie der Liebig 14, die erfahrenen Älteren?
       
       Nein, sie sind nicht schon mal vorgegangen, um Barrikaden zu bauen. Sie
       sitzen mit ihrer Familie am Frühstückstisch, sind mit Arbeitskollegen in
       der Raucherpause oder diskutieren beim monatlichen Hausplenum über eine
       neue Heizungsanlage. Mit den jetzigen Bewohnern der Liebig 14 haben viele
       wenig gemein.
       
       Das ist nicht ungewöhnlich: Bewegungen lassen sich eben nicht auf kleiner
       Flamme warm halten. Sie kochen nur so lange, wie ihre Anhänger es wollen.
       Mit der Zeit, mit anderen Prioritäten ändert sich die Welt, und plötzlich
       ist der Kampf gegen die Räumung nicht mehr der eigene, sondern derer, die
       die eigenen Kindern sein könnten.
       
       Natürlich ist es schade, wenn eine gute Idee Anhänger verliert. Doch
       genauso schade wäre es, wenn alle ihr Leben lang die gleichen Ziele und
       Ideen hätten, sich nicht verändern würden. Wichtig ist daher vor allem
       eines: dass es nicht aufhört, junge - oder alte - Menschen zu geben, die an
       ihre Vorstellung eines alternativen Lebensentwurfs glauben.
       
       30 Jan 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Altbesetzer und die Liebig 14: Häuserkampf? War einmal!
       
       Auch sie waren jung, haben Häuser besetzt, bekamen Unterstützung. Das ist
       jetzt 30 Jahre her. Mit der bedrohten Liebigstraße 14 haben die Altbesetzer
       nichts zu tun.
       
 (DIR) Demo gegen Räumung der Liebig 14: Ein Hauch von Häuserkampf
       
       Die Spannung steigt: Vor der geplanten Räumung der Liebigstraße 14 am
       Mittwoch demonstrieren am Samstag 3.000 Sympathisanten - und liefern der
       Polizei Scharmützel.
       
 (DIR) Bevorstehende Räumung der Liebigstraße: Last-Minute-Aufregung um die Liebig 14
       
       Protest gegen Räumung des Hausprojekts nimmt Fahrt auf. In Kreuzberg und
       Friedrichshain wird heute demonstriert. Politiker fordern
       Wohnungsbaugesellschaft auf, ein Ersatzquartier zu finden.
       
 (DIR) Räumung Liebig 14 in Berlin: Alles muss raus
       
       Die Bewohner des einst besetzten Berliner Hauses in der Liebigstraße 14
       prozessierten jahrelang. Nun kommt doch die Polizei.
       
 (DIR) Die Ruhe vor dem Sturm: Im Liebig-Kiez wirds ungemütlich
       
       Die geplante Räumung der Liebigstraße 14 bereitet vielen Nachbarn Sorgen.
       Die Polizei empfiehlt Kneipen und Läden, am Mittwoch gar nicht erst zu
       öffnen. Auch eine Kita ist betroffen.
       
 (DIR) Drohende Räumung: "Mehr Infos gabs nicht"
       
       Am 2. Februar soll die Liebigstraße 14 geräumt werden. Die Kommunikation
       der Polizei mit den Nachbarn ist "katastrophal", sagt ein Kita-Vater.