# taz.de -- Urteil in Dänemark: Überfall auf Karikaturist war Terrorakt
       
       > Ein Gericht wertet den Überfall auf Mohammed-Karikaturisten Westergaard
       > als Terrorhandlung. Dem verurteilten Somalier drohen mehrere Jahre Haft.
       
 (IMG) Bild: Mit seinen Mohammed-Karikaturen, die den Propheten mit einer Bombe als Turban zeigt, hatte Kurt Westergaard Weltberühmtheit erlangt.
       
       STOCKHOLM taz | Eine versuchte Terrorhandlung und ein Mordversuch waren es,
       als ein 29-jähriger Somalier am Neujahrsabend 2010 mit einer Axt in das
       Haus des dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard eindrang. Das
       entschied am Donnerstag ein Gericht in Århus. Nach dem dänischen
       Antiterrorgesetz von 2002 droht dem Täter eine mehrjährige Haftstrafe. Das
       Strafmaß will das Gericht am Freitag bekannt geben.
       
       Damit folgten die RichterInnen nicht der Einlassung des Angeklagten, er
       habe Westergaard nur "erschrecken" und ihn "überzeugen wollen, er solle
       aufhören mit seinen Zeichnungen zu prahlen". Auch die rechtliche Bewertung
       des Verteidigers des Angeklagten wurde verworfen. Dieser hatte
       argumentiert, Ziel des Angriffs seines Mandanten sei nur die Person
       Westergaard gewesen. Dies könne nicht als Terror bewertet werden, weil eine
       solche Handlung nicht dazu geeignet gewesen wäre, die Gesellschaftsstruktur
       eines Landes zu destabilisieren.
       
       Wie die Staatsanwaltschaft bejaht auch das Gericht, ein solcher
       Anschlagsversuch, wie er dem 29-Jährigen unterstellt wird, hätte über den
       unmittelbar betroffenen Westergaard hinaus die Bevölkerung einschüchtern,
       Unruhe und Chaos auslösen und so die gesamte Gesellschaftsordnung treffen
       können.
       
       Juristisch wird mit dieser Auslegung Neuland betreten. Die bisherigen
       Verurteilungen nach dem dänischen Antiterrorgesetz bezogen sich auf
       Anschlagsversuche, bei denen der Täter zufällige Opfer in Kauf genommen und
       nicht nur eine konkrete Person im Auge gehabt hatte. Der 75-jährige Kurt
       Westergaard zeigte sich mit dem Urteil zufrieden: "Ich habe ihn von Anfang
       an als einen Terroristen gesehen, der mich ermorden wollte. Er wollte ein
       heiliger Krieger sein."
       
       Wie sich im Gerichtsverfahren herausstellte, hatte der Verurteilte schon
       einige Monate vor der Tat die Aufmerksamkeit des dänischen
       Verfassungsschutzes auf sich gezogen. Dieser überwachte daraufhin dessen
       Telefon und Internetaktivitäten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, auf
       extremistischen Seiten gesurft zu haben.
       
       Auch eine Reise nach Somalia und Kenia wenige Monate vor dem
       Westergaard-Anschlag wurde als Indiz dafür gewertet, dass er andere
       Absichten hatte, als nur mit dem Karikaturisten zu reden. Bereits in Kenia
       war er im Rahmen einer Fahndung nach Mitgliedern der Terrorgruppe
       al-Shabaab zeitweise verhaftet worden.
       
       Kurt Westergaard ist nur einer der elf Zeichner, deren umstrittene
       Mohammed-Karikaturen die Zeitung Jyllands-Posten im September 2005
       veröffentlicht hatte. Bereits 2008 war ein angeblicher Attentatsplan gegen
       ihn in letzter Minute gestoppt worden. "Solange ich lebe, hört das wohl
       nicht mehr auf", erklärte Westergaard kürzlich in einem Interview.
       
       3 Feb 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reinhard Wolff
       
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