# taz.de -- Kommentar Sprachkurs-Verweigerer: Zwangsmittel für den Stammtisch
       
       > Bußgelder für Eltern, die ihre Kinder nicht zum Pflicht-Sprachkurs
       > schicken - da schlägt der Obrigkeitsstaat gegen jene los, die noch nicht
       > einmal seine Untertanen sind, sondern es erst irgendwann werden könnten.
       
 (IMG) Bild: Eltern aufgepasst: Niedersachsen sagt Integrationsverweigerern den Kampf an
       
       Bußgelder für Eltern, die ihre Kinder nicht zum Pflicht-Sprachkurs schicken
       - da schlägt der Obrigkeitsstaat gegen jene los, die noch nicht einmal
       seine Untertanen sind, sondern es erst irgendwann werden könnten. Aber Lust
       macht man auf diese Weise niemand, in diesem Land heimisch zu werden.
       
       Im Bildungswesen ist Zwang nichts, gute Angebote alles. Das belegt nicht
       zuletzt der enorme Erfolg der Sprachförderkurse in Niedersachsen: Über 91
       Prozent der SchülerInnen mit Förderbedarf nehmen regelmäßig teil. Um auch
       jenen Einwanderern, die womöglich selbst nicht genug Deutsch sprechen, nahe
       zu bringen, welche Chance in einer frühen Förderung für ihre Kinder liegt,
       braucht es Kreativität, Biss - und Geld. Aber offenbar strickt die
       Integrationspolitik in Niedersachsen der Finanzminister - der nimmt
       natürlich lieber Bußgelder ein, als Mittel für eine Werbekampagne
       auszugeben.
       
       Als zweiter geistiger Vater der Daumenschrauben bei der Sprachförderung
       kommt eigentlich nur Innenminister Uwe Schünemann (CDU) in Betracht:
       Wortidentisch könnte der Gesetzespassus aus dessen integrationspolitischen
       Traktaten stammen.
       
       Das Gesetz zielt darum auch gar nicht auf die verschwindende Minderheit,
       die Sprachkurse schwänzt, sondern auf die Stammtische - wo der
       "Integrationsverweigerer" längst den "Kanaken" abgelöst hat.
       
       14 Mar 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Kahlcke
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Zwangssprachkurse an Niedersachsens Schulen: Sarrazin macht Schule
       
       Niedersachsen will Sprachkurse für Vorschulkinder mit Nachholbedarf als zur
       Schulpflicht gehörig deklarieren. Damit droht renitenten Eltern in Zukunft
       ein Bußgeld. Grüne sprechen von "billigem Populismus".