# taz.de -- Kommentar zur Touristen-Diskussion: Eine zutiefst konservative Haltung
       
       > Kreuzberger stöhnen über zu viele Touristen in ihrem Kiez und zu viel
       > Spanisch in ihren Kneipen. Spießiger geht's gar nicht.
       
 (IMG) Bild: Achtung hier kommt ein Hotel hin: Aktuelles Plakat des Clubs Maria am Ostbahnhof, der Ende Mai einem Hotelneubau weichen muss
       
       Kreuzberg ist ein piefiger Vorort von Osnabrück. Das könnte man jedenfalls
       meinen, wenn man die Debatte über Touristen im Wrangelkiez verfolgt, die
       kommende Woche in die nächste Runde geht. Eben jene, die sich sonst so
       gerne als weltoffenen und tolerant gerieren, beschweren sich jetzt über zu
       viel Englisch und Spanisch in den Cafés. Sie wollen sich nicht
       fotografieren lassen. Und sie haben große Angst davor, dass die Besucher
       den Kiez verändern könnten. Das ist eine zutiefst konservative Haltung. Und
       letztlich ganz furchtbar spießig.
       
       Sicher, man kann verstehen, dass niemand in einem Haus mit lauter
       Ferienwohnungen leben will, mit ständig wechselnden Nachbarn und Lärm.
       Tatsächlich sind diese Ferienwohnungen eine von vielen Ursachen der
       steigenden Mieten, die auch zur Verdrängung Alteingesessener führen können.
       Insofern ist es richtig, über ein neues Verbot von zweckentfremdeten
       Wohnraum nachzudenken.
       
       Doch der Protest richtet sich längst nicht nur gegen diese
       Kurzzeit-Unterkünfte, sondern gegen die Touristen selbst. Sie sind nicht
       erwünscht. Dabei macht auch ihre Anwesenheit Berlin erst hip. Und dabei
       reisen all jene, die sich jetzt über die Gäste aufregen, in anderen Städten
       genau so wie die Kreuzberg-Touris: Sie suchen nach alternativen
       Stadtteilen, um sich dort unter die Leute zu mischen.
       
       Die Grünen haben sich mit einer Veranstaltung an die Spitze der Bewegung
       gesetzt. Sie haben die Ressentiments aufgegriffen und öffentlich gemacht.
       Einen Gefallen tun sie sich damit nicht. Denn ihr Engagement bestätigt nur
       das Bild, das manch einer inzwischen von den Ex-Alternativen hat: Die
       Grünen selbst sind konservativ geworden.
       
       15 Mar 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Antje Lang-Lendorff
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neues Hostel für den Reuterkiez: Touristen campen in Neukölln
       
       Die Debatte um Touristenströme erreicht den Reuterkiez. Anwohner reagieren
       gelassener als ihre Kreuzberger Nachbarn. Weitere Kiezgespräche geplant.