# taz.de -- Kritik von Amnesty International: China bringt Anwälte zum Schweigen
       
       > Systemkritische Anwälte werden gefoltert oder verschwinden. Die
       > chinesische Regierung geht mit aller Härte gegen Anwälte vor, die sich
       > mit Religions- und Meinungsfreiheit befassen.
       
 (IMG) Bild: Der chinesische Menschenrechts-Rechtsanwalt Gao Zhisheng wurde in Haft gefoltert und wird zurzeit vermisst.
       
       PEKING dpa | Bürgerrechtsanwälte in China werden nach einem Bericht der
       Menschenrechtsorganisation Amnesty International mit einer "kompromisslosen
       Abfolge von Maßnahmen" zum Schweigen gebracht. Diese reichten von der
       Suspendierung oder dem Entzug der Zulassung über Schikanen, erzwungenem
       Verschwinden bis hin zu Folter, sagte am Donnerstag die Leiterin der
       Asien-Pazifik-Abteilung von Amnesty, Catherine Baber.
       
       Die chinesischen Behörden gingen gezielt gegen Anwälte vor, die mit Fällen
       von Religions- und Meinungsfreiheit oder Bodenrecht befasst seien. Aufgrund
       der Einschüchterung würden nur wenige hundert Anwälte politisch heikle
       Mandaten wie Mitglieder der tibetischen oder uigurischen Minderheit in
       China oder Anhänger der verbotenen religiösen Bewegung Falun Gong
       vertreten, heißt es in dem Bericht.
       
       Als prominente Anwälte, die auf diese Weise zum Schweigen gebracht wurden,
       listet Amnesty den seit einem Jahr verschwundenen Juristen Gao Zhisheng
       auf. Er zählte einst zu den zehn Spitzenanwälten Chinas, entwickelte sich
       zum Kritiker des Systems und nahm politisch heikle Fälle an. Zuletzt
       berichtete der 47-Jährige, wie er in Haft gefoltert worden sei. Seither
       wurde er nicht mehr gesehen. Es ist schon das zweite Mal, dass er wie vom
       Erdboden verschwunden ist.
       
       Mehrere andere Bürgerrechtsanwälte wurden wochenlang in Polizeigewahrsam
       gesteckt, seit in diesem Frühjahr die Aufrufe zu "Jasmin-Protesten" nach
       arabischem Vorbild in China laut wurden. So sei der Menschenrechtsanwalt
       Liu Shihui "von einer Gruppe unbekannter Täter brutal zusammengeschlagen"
       worden, als er am 20. Februar in der Stadt Guangzhou dem Aufruf zu
       "Jasmin-Spaziergängen" folgen wollte. Wenige Tage später sei er
       festgenommen und "zum Verschwinden gezwungen" worden, bis er schließlich am
       12. Juni in seine Heimatstadt geschickt und dort unter Hausarrest gestellt
       worden sei.
       
       30 Jun 2011
       
       ## TAGS
       
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