# taz.de -- Kolumne Die Frauenfußballversteher: Die schaffen das
       
       > Zusammen mit grünem Fanvolk schaut sich Jürgen Trittin in Kreuzberg das
       > deutsche Spiel an. Nur selten verlässt ihn dabei die hanseatische
       > Gelassenheit.
       
 (IMG) Bild: WM-Botschafter von Augsburg: Karl-Heinz Riedle
       
       Es ist voll im Brauhaus Südstern. Rappelvoll. Das entscheidende
       Gruppenspiel der Deutschen zieht auch das Kreuzberger Politikpublikum in
       den Fußballbann. Die Grünen hatten zu einem Fußballabend mit dem Experten
       Jürgen Trittin geladen.
       
       Doch wo bleibt der Experte? Schon knistert es vor der Leinwand: Einmarsch,
       Hymne, es kann losgehen. Erst kurz nach dem Anpfiff huscht der Polithüne im
       feinen Zwirn aus dem Nichts doch noch hinein in den Saal. Trittin winkt ein
       kurzes Hallo in die Runde, bestellt sich ein Bier, dann geht er in die
       Expertenhaltung: verschränkte Arme, konzentrierter Blick, starre Haltung.
       
       Der erste richtige Torschuss löst die Anspannung erstmals im Brauhaus, auch
       Trittin klatscht. Nun gestikuliert er häufiger, mal ein zustimmendes
       Nicken, mal ein verärgertes Kopfschütteln, mehr Emotionen gibt es aber
       nicht. Typisch norddeutsch. Seit Geburt an sei er Fußballfan, bisher habe
       er jede Partie der Frauen verfolgt, so der Bremer. Glauben wir es ihm.
       Anzusehen war ihm der Fußballfan wahrlich nicht. Immerhin ein französischer
       Fehlschuss wird hämisch beklatscht – geht doch, Herr Trittin! Dann hält
       sich die Kommunikation wieder in Grenzen – der Experte schaut gebannt auf
       die Leinwand. Fast Kommentarlos. „Die Abwehr der Deutschen ist stärker
       heute, das System passt.“ Soso.
       
       Das Führungstor von Garefrekes löst Jubel, Beifall, Leidenschaft aus, die
       zweite Bude von Grings verwandelt das Brauhaus endlich in ein
       Fußballstadion. Dann ist Pause. Die Halbzeitanalyse des grünen
       Rasenspielexperten: „Besser als erwartet.“ Wiederanpfiff. „Und jetzt noch
       mal so!“, gibt eine Frau lautstark die Marschroute vor. Der
       Anschlusstreffer versetzt das Publikum in eine Schockstarre, die erst mit
       dem verwandelten Elfmeter wieder aufgelöst wird.
       
       Trittin klatscht lässig grinsend mit im Takt. Und gönnt sich das einzige
       Telefonat des Abends. Hier passiert nichts mehr. Oh doch. Kaum aufgelegt,
       haut sich der Experte auf die Stirn, das kann doch wohl nicht wahr sein –
       erneut der Anschlusstreffer. Niemand spricht, die Uhr tickt und die
       Kellnerinnen huschen leise durch die Tischreihen. Trittin hat keinen Kopf
       für Bier. Okoyino da Mbabi erlöst alle mit einem herrlichen Treffer. Aus,
       vorbei, Gruppensieg. Werden die Mädels nun Weltmeister, Herr Exminister?
       „Japan schlagen sie, und wenn sie im Finale sind, dann schaffen sie es!“
       
       6 Jul 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lennart Wehking
       
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