# taz.de -- Kommentar Rechtsanspruch auf Familienhilfe: Riskante Pläne
       
       > Es gibt die Fälle, wo Eltern schon in dritter Generation ohne Perspektive
       > sind und nicht gelernt haben, ihre Kinder zu versorgen. Hier ist
       > Familienhilfe unabdingbar und eine Investition in die Zukunft.
       
 (IMG) Bild: Mehr solcher Fälle drohen, fürchten die Grünen: Hinter dieser Tür verhungerte die siebenjährige Jessica.
       
       Man kann über den Sinn jeder einzelnen Familienhilfe streiten. Hilfe zur
       Selbsthilfe mag vielen Eltern und Kindern mehr helfen, als die Betreuung
       durch studierte Sozialarbeiter, die ihre Lebensführung beaufsichtigen.
       
       Aber es gibt eben auch die Fälle, wo Familienhilfe unabdingbar ist, wo
       Eltern schon in zweiter oder dritter Generation ohne Halt und Perspektive
       sind und nicht gelernt haben, ihre Kinder angemessen zu versorgen. Und es
       gibt auch weniger drastische Fälle, in denen der Einzelkontakt genau das
       Richtige ist.
       
       Hamburg braucht neue Wege, Beratungsstellen und Treffpunkte für Kinder und
       Familien in belasteten Gebieten. Die Idee der niedrigschwelligen
       sozialräumlichen Angebote ist eine gute, die konsequent weiter verfolgt
       werden muss. Aber es ist hoch riskant, den individuellen Rechtsanspruch auf
       Einzelfallhilfe zur Disposition zu stellen. Hier kann kein Geld gespart
       werden. Und 232 Millionen Euro Erziehungshilfe sind für eine Stadt, in der
       jedes vierte Kind unter sieben Jahren in Armut lebt, nicht zu viel. Dieses
       Geld ist eine Zukunftsinvestition.
       
       Ohne Rechtsanspruch würde es schwer, den Jugendhilfeetat gegenüber anderen
       Begehrlichkeiten zu verteidigen. Das zeigt die Geschichte des Kita-Etats,
       der vor der Einführung eines Rechtsanspruchs jahrelang gedeckelt wurde,
       weil es angeblich nicht anders ging.
       
       11 Aug 2011
       
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