# taz.de -- Gutes aus der Provinz: Werkeln, basteln, buddeln
> Vom Underdog zum Massenheft: "Landlust" ist die erstaunlichste
> Zeitschriftengründung der letzten Jahre. Ab Sonntag (20.15 Uhr, NDR)
> gibts das Heile-Welt-Magazin im TV.
(IMG) Bild: Harmoniepaket in Konkurrenz zum ARD-"Tatort" - Landlust TV
BERLIN taz | Mit Liebe zum Detail wird schöner Baumschmuck aus einfachem
Körnerfutter gezaubert. So spricht eine tiefe, klangvolle Stimme, während
man zusieht, wie mit Liebe zum Detail schöner Baumschmuck gezaubert wird.
Es ist ein echter Landlust-Satz. Und damit ist klar, dass die Macher von
"Landlust TV" genau analysiert haben, was den phänomenalen Erfolg dieses
Printmagazins über die "schönen Seiten des Landlebens" ausmacht.
Jeden ersten Sonntag im Monat laufen künftig im NDR 90 Minuten "Landlust
TV". Und zwar um 20.15 Uhr, also zur "Tatort"-Zeit. Es sei "der perfekte
Kontrast" für jene, sagt der verantwortliche NDR-Redakteur Jürgen
Meier-Beer, die keine Spannung wollten und auch nicht die heile
Pilcher-Welt im ZDF.
Auch bei "Landlust TV" gibt es jene heile Welt. Es geht um Menschen, die in
Norddeutschland auf dem Land leben, am besten drei Generationen unter einem
schön restaurierten Dach. Dort werkeln und basteln und buddeln sie; der Opa
mit einem gütigen Lächeln, die Kinder mit glockenhellem Lachen. Im
Hintergrund perlt plauschig ein Piano. In der Auftaktsendung an diesem
Sonntag kochen die Beekers in der vorweihnachtlichen Zeit Kompott aus der
Winterbirne "Mollebusch" und der Großvater behängt die Bäume mit einem
"formschönen Fruchttastbeschwerer".
Produziert wird "Landlust TV" im Auftrag des NDR von Theo Baltz
Medienkontor. Der Landwirtschaftsverlag Münster, der Landlust herausgibt,
fungiert als "Berater". Es geht darum, den Kern des Erfolgs in ein anderes
Medium zu transformieren. "Wir versuchen das Aroma des Landlust-Heftes zu
treffen, aber fernsehspezifisch zu arbeiten", sagt NDR-Redakteur
Meier-Beer. Klar gehe es um schöne Gefühle, aber eben auch darum, "in den
Fakten extrem präzise" zu sein. Dafür brauche es Autoren, die eigene
Beziehungen zu den Themen hätten und in der Lage seien, weder kitschig noch
zynisch damit umzugehen.
## Keine abgefuckten Zielgruppenjunkies
Der Erfolg der 2005 gegründeten Landlust folgt sicher zum einen daraus,
dass in komplizierten Zeiten die einen auf die Straße gehen und die anderen
sich in mentale Idyllen zurückziehen und ab und an Natursehnsucht
romantisieren möchten.
Zum Zweiten aber daraus, dass das Heft eben nicht von abgefuckten
Zielgruppenjunkies entworfen wurde, sondern von der Frau eines Bauern in
einem ländlichen Vorort Münsters. Im Herbstquartal ist die verkaufte und
eisenhart-echte Auflage allerdings zum ersten Mal leicht zurückgegangen im
Vergleich zum Vorquartal - von 829.000 auf 810.000.
Der zuständige Geschäftsführer Karl-Heinz Bonny sieht das aber nicht als
Zäsur, sondern "saisonal bedingt". Das Fernsehformat ist für ihn "die
Öffnung eines neuen Medienkanals in einer Welt großer medialer Umbrüche".
Reich wird man durch die neue Verbindung nicht, sondern erhalte "eine
kleine, fast symbolische Lizenzgebühr".
Mittelfristig erwartet er aber eine Erhöhung des Bekanntheitsgrades und
dadurch eine Chance, "dass sich ein möglicher Sättigungspunkt im Markt
zeitlich nach hinten verschieben und das Auflagenpotenzial im Idealfall
größer wird". Es ist schon viel gehöhnt worden über Landlust, dieses
"ausschließliche Wohlfühlprodukt" (SZ) und seine realitätsfremdelnden
Leser.
Aber Jürgen Meier-Beer war schon immer jenseits einer selbstgefälligen
Abgrenzung zwischen Gut- und Böse-Welt. "Es gibt harmonische, emotionale
Bedürfnisse", sagt er, "und ich versuche, damit respektvoll umzugehen." Im
Übrigen ist davon auszugehen, dass der "Tatort" auf eine vordergründig
unheile Weise auch Heile-Welt-Bedürfnisse befriedigt. Und wenn er das mal
ausnahmsweise nicht tut, wird er vom Sonntagabend verbannt.
2 Dec 2011
## AUTOREN
(DIR) Peter Unfried
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Leben auf dem Land: Schlachten und aufessen
Hühner schlachten in der x-ten Generation: Anja Baum und André Meier
beschreiben in ihrer Doku "Hollerbusch statt Hindukusch", wie vertrackt
sich das Leben auf dem Land anfühlt.
(DIR) Neues Jagdmagazin "Halali": Von Jagdnerds für Jagdnerds
Pünktlich zu Beginn der Jagdsaison erscheint ein neues Jagdmagazin:
"Halali" bietet Einblicke in eine moosgrüne Parallelwelt.