# taz.de -- Ex-Bildungsministerin über Besoldung: "4 Milliarden mehr pro Jahr"
       
       > Nachdem das Verfassungsgericht die Professoren-Besoldung kippte,
       > verteidigt Exbildungsministerin Bulmahn (SPD) die Regelung und geht von
       > Mehrkosten in Milliardenhöhe aus.
       
 (IMG) Bild: Verfassungsrichter Andreas Voßkuhle und Kollegen bei der Urteilsverkündung.
       
       taz: Frau Bulmahn, Professoren bekommen zu wenig Geld - haben Sie versagt,
       als Sie 2005 die Bezahlung von Hochschullehrern neu geregelt haben? 
       
       Edelgard Bulmahn: Umgekehrt gefragt, halten Sie es für richtig, dass
       Professoren alle zwei Jahre ein höheres Gehalt erhalten, weil sie älter
       werden? Im alten System gab es Alterszuschläge und keine leistungsbezogene
       Besoldung. Das Prinzip der leistungsbezogenen Besoldung habe ich eingeführt
       und genau das hat das Bundesverfassungsgericht auch für verfassungskonform
       erklärt.
       
       Sie fühlen sich nicht für die W-Besoldung insgesamt verantwortlich - wer
       ist schuld, dass das W nicht für Wissenschaft, sondern für wenig steht? 
       
       Die Beamtenbesoldung liegt in der Zuständigkeit der Länder. Das
       Professorengehalt W2 - Ausgangsgehalt plus Leistungszuschläge - hat im Land
       Hessen nicht die Höhe erreicht, die das Bundesverfassungsgericht für
       adäquat erachtet.
       
       Das Urteil betrifft nicht nur Hessen - in Berlin bekommen Professoren noch
       weniger. 
       
       Das Problem ist doch ein anderes: Die Hochschulen müssen in allen
       Bundesländern eine höhere Grundfinanzierung bekommen. Dann haben sie die
       Möglichkeit, ausreichend hohe Leistungsbezüge zu bestimmen. Die Idee war:
       Nicht nur der Professor, der lange im Amt ist, bekommt ein hohes Gehalt,
       sondern auch der gute junge Professor.
       
       Belohnt wurden so Professoren, die viele Drittmittel einwerben können -
       aber nicht die Geisteswissenschaftler. Woher soll jetzt mehr Geld kommen? 
       
       Erstens: Geisteswissenschaftler werben auch Drittmittel ein, und nicht zu
       knapp. Zweitens: Es sollte nicht nur Forschung, sondern auch gute Lehre und
       Nachwuchswissenschaftlerförderung belohnt werden. Und Drittens muss der
       Bund schnell die Möglichkeit haben, sich an der Grundfinanzierung der
       Hochschulen zu beteiligen. Deshalb muss das Kooperationsverbot fallen und
       die Mitfinanzierung ermöglicht werden.
       
       Um wie viel Geld geht es? 
       
       Wir müssen pro Jahr mindestens 4 Milliarden Euro mehr für die
       Grundfinanzierung der Hochschulen bereitstellen. Die Projektförderung der
       Hochschulen ist im letzten Jahrzehnt um 20 Prozent gestiegen - die
       Grundfinanzierung aber nur um 6 Prozent.
       
       Das liegt auch daran, weil Sie Eliteunis gefördert haben. Wird Ihre
       Nachfolgerin Schavan die Finanzierung neu aufstellen? 
       
       Ich habe auch die Juniorprofessur und Nachwuchswissenschaftlerprogramme ins
       Leben gerufen. Frau Schavan muss sich nun zunächst in ihrer eigenen Partei
       durchsetzen, das ist ihr bisher nicht gelungen. Nichtsdestotrotz: Die
       Finanznot der Länder wird bald so groß sein, dass sie bereit sein werden,
       den Bund mehr mitmischen zu lassen.
       
       15 Feb 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanna Gersmann
       
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