# taz.de -- Haftstrafe für braune Hetzjagd: Bis die Balken brennen
       
       > Zwei Männer haben in der Nähe von Stuttgart mit Neonazis Jagd auf
       > Migranten gemacht. Sie werden nun zu Haftstrafen von zweieinhalb Jahren
       > verurteilt.
       
 (IMG) Bild: Wer von den Neonazis die Gartenlaube angezündet hat, in die zuvor angegriffene Migranten geflüchtet waren, konnte das Landgericht Stuttgart nicht ermitteln.
       
       BERLIN taz | Weil sie sich an einer Hetzjagd eines rechtsextremen Mobs
       beteiligt haben, hat das Stuttgarter Landgericht am Montag einen 21 und
       einen 22 Jahre alten Mann zu jeweils zwei Jahren und fünf Monaten Haft
       verurteilt. Der Jüngere erhielt eine Jugendstrafe. Nicht nachgewiesen
       werden konnte den beiden allerdings, dass sie die Hütte angezündet hatten,
       in der sich die angegriffenen Migranten aus Angst verschanzten.
       
       Vor knapp einem Jahr wollten zehn junge Männer mit türkischen und
       italienischen Wurzeln auf einem Berg in der baden-württembergischen
       Gemeinde Winterbach im Großraum Stuttgart feiern. Ihr großes Pech: In der
       Nähe ihrer Hütte veranstaltete an diesem Abend auch eine Gruppe von an die
       70 Rechtsextremen ein Fest. Zu später Stunde machten mindestens zehn der
       Neonazis Jagd auf die Migranten, traktierten sie mit Schlägen und Tritten,
       eines der Opfer erlitt einen Milzriss.
       
       Fünf der Angegriffenen suchten in einer Gartenlaube Zuflucht, die von den
       Rechtsextremen kurz danach angezündet wurde. Nur knapp konnten sie sich aus
       den Flammen retten. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den beiden
       nun verurteilten Männern Dominik F. und Dennis K. versuchten Mord
       vorgeworfen, am Ende reichte es nun aber nur für eine Verurteilung wegen
       gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung.
       
       ## „Verschleiert, gemauert und gelogen“
       
       Wer von den Rechtsextremen die Hütte abgefackelt hat, konnte in dem Prozess
       nicht zweifelsfrei geklärt werden – auch weil Zeugen schwiegen oder die
       Wahrheit verdrehten. „Es ist verschleiert, gemauert und gelogen worden, bis
       sich die Balken biegen“, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Holzhausen.
       
       Doch gleich fünf weitere rechtsextreme Männer und Frauen wurden in den
       vergangenen Wochen in Untersuchungshaft gesteckt. Einer von ihnen soll vor
       Gericht falsch ausgesagt haben. Ein anderer ist ein alter Bekannter:
       Christian W., Gastgeber der braunen Feier und vor zwölf Jahren an einem
       brutalen Angriff auf einen Griechen beteiligt.
       
       Der heute 36-Jährige war damals Pressesprecher der NPD im Rems-Murr-Kreis.
       Der Polizei hatte Christian W. zunächst gesagt, während des Angriffs
       geschlafen zu haben. Doch inzwischen wird er durch Zeugenaussagen belastet,
       so dass auch ihm die Staatsanwaltschaft gemeinschaftliche gefährliche
       Körperverletzung vorwirft.
       
       26 Mar 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolf Schmidt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) BGH zu rechtsextremen Banden: Strafe für „Tat-Entschluss“
       
       Im April überfielen Rechtsextreme ein Grillfest türkischer Familien in
       Winterbach. Jetzt wurden die Haftstrafen gegen die Täter vom BGH bestätigt.
       
 (DIR) Streitgespräch über Rechtsextremismus: Wie weit müssen Aussteiger gehen?
       
       Programme sollen Neonazis helfen auszusteigen. Die Anforderungen sind
       umstritten: Reicht der Rückzug aus der Szene oder muss es der "radikale
       Bruch" sein? Ein Streitgespräch.
       
 (DIR) Hausdurchsuchungen bei Berliner Nazis: Laden von NPD-Chef durchsucht
       
       Sebastian Schmidtke, der Berliner NPD-Chef, soll hinter der Hetz-Website
       des „Nationalen Widerstandes Berlin“ stecken. Die Staatsanwaltschaft
       ermittelt.
       
 (DIR) Beweise sammeln für ein NPD-Verbot: In sechs Monaten geht es los
       
       Innenminister Friedrich (CSU) will nun Beweise für ein NPD-Verbot sammeln.
       Das soll sechs Monate dauern und erst dann könnte ein neuer
       NPD-Verbotsversuch beginnen.
       
 (DIR) Prozess gegen Neonaziduo: Hetzjagd mit Brandstiftung
       
       Mehrere junge Männer verstecken sich vor Neonazis in einer Gartenhütte -
       diese wurde dann in Brand gesteckt. Die mutmaßlichen Täter stehen nun vor
       Gericht.