# taz.de -- Erfolgreiche Gegenwehr: Kein guter Tag für Nazis
       
       > In Lübeck blockiert ein gesellschaftliches Bündnis einen
       > Neonazi-Aufmarsch. Nazis wittern "Kumpanei" zwischen "linksradikalen
       > Gewalttätern und Polizei".
       
 (IMG) Bild: Im Straßenkampfdress der 20er Jahre: der Hamburger NPD-Vize und Neonaziführer Thomas Wulff mit Megafon.
       
       LÜBECK taz | Maximal 120 Neonazis treffen in Lübeck auf fast 3.000
       Menschen, die gegen sie protestieren. Nur 200 Meter lang ist ihr Marschweg,
       1.800 Polizisten sind im Einsatz. Der Lautsprecherwagen kommt trotzdem
       nicht durch. Und auch die Ausweich-Veranstaltung in Plön am Nachmittag ist
       ein Flop. Nur 25 „Kameraden“ kommen und werden von 500 Protestierenden
       empfangen. Nach nur 45 Minuten ist auch hier der Spuk vorbei. Der
       gerichtlich durchgesetzte Trauermarsch der rechten Szene zum 70. Jahrestag
       des Bombardements von Lübeck durch die Royal Air Force im 2. Weltkrieg ist
       für die Neonazi-Szene ein trauriger Marsch.
       
       Ursprünglich hatte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) das Spektakel in Lübeck
       verbieten wollen. Doch die Gerichte stoppten seinen Vorstoß, und so war
       klar, dass die Neonazis marschieren. Schon am frühen Morgen folgen 2.500
       AntifaschistInnen dem Aufruf des Bündnisses „Wir können sie stoppen“ und
       setzen sich von der Altstadt in Richtung Bahnhof in Bewegung. In dem
       Bündnis vertreten sind autonome Antifa, Links- und Piratenpartei, Grüne,
       SPD und Gewerkschaften sowie Kirchen, die Jüdische Gemeinde und der Rat der
       muslimischen Moscheen.
       
       Weil Wahlkampf ist, ist viel Politprominenz dabei. CDU-Ministerpräsident
       Peter Harry Carstensen, der eigentlich auf der Kundgebung reden wollte,
       aber nicht reden durfte, und auch CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager lassen
       sich blicken. Die Demonstration geht über den Bahnhof bis zum sogenannten
       Ziegelteller – einem Kreisel hinter dem Bahnhof, der außer einer
       Stichstraße an der St.-Lorenz-Kirche die einzige Verbindung zum
       Kundgebungsplatz der Neonazis am Bahnhof ist. Als ein Bewohner eines
       Hochhauses am Ziegelteller „Heil Hitler“ skandiert, erklimmen Polizisten
       das siebte Stockwerk und nehmen den Mann fest.
       
       Am Bahnhof treffen indes die Neonazis nur spärlich ein und warten
       beharrlich auf den Lautsprecherwagen, der wegen der Blockade nicht
       durchkommt. Als der Fahrer bei der Anfahrt panisch zurücksetzt, rammt er
       ein Zivilfahnder-Auto und verletzt zwei Polizisten.
       
       Ohne Lausprecherwagen setzt sich der Neonazi-Aufmarsch in Richtung
       Ziegelteller in Bewegung. Nach nur 200 Metern ist Schluss. In 100 Metern
       Hörweite stehen sich Neonazis – die auffällig sichtbar ihre Frauen von
       „Jungen Nationaldemokraten“ medial in Position bringen – und Demonstranten
       gegenüber. Der Neonaziführer und Hamburger NPD-Vizechef Thomas „Steiner“
       Wulff preist das Event im Gestapo-Mantel als „propagandistischen Erfolg“
       und prangert das „marode System“ aus einer „Bande von Gaunern“ an.
       
       Auf dem Ziegelteller sprechen währenddessen Vertreter politischen Parteien,
       sie sprechen sich für ein entschiedenes Eintreten gegen Neonazis aus. Der
       SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner und die Bundesvorsitzende der Linken,
       Gesine Lötzsch, fordern ein Verbot der NPD. „Das ist hier ein grandioses
       Zeichen gegen rechts“, sagte die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs. Es
       sei „undenkbar“, dass „eine Stadt wie Lübeck gegen ein Auftreten von rechts
       kein Zeichen setzt“.
       
       Wenig später bricht Wulff die Neonazi-Kundgebung vorzeitig ab, weil
       angeblich die im benachbarten Pansdorf abgestellten Autos der angereisten
       Neonazis „angegriffen“ werden. „Die zur Sicherung eingesetzten Kameraden
       können das allein nicht schaffen“, sagt Wulff. Und dass der
       Lautsprecherwagen wegen Blockaden nicht durchgekommen sei, nennt er eine
       „Kumpanei linksradikaler Gewalttäter und der Polizei“.
       
       Dass sich die Rechten nicht mit dem Bombardement Lübecks befasst haben,
       dokumentiert dann der NPD-Landesvorsitzende Jens Lütke bei der Kundgebung
       in Plön, die vorsorglich als Ersatz für ein Lübecker Demo angemeldet worden
       war, falls deren Verbot doch durchkommen sollte. „Wir gedenken“, sagt er,
       „der Opfer von vor 68, äh 66 Jahren – oder was auch immer.“
       
       1 Apr 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Müller
       
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