# taz.de -- Monika Lüke: Zur Begrüßung ein Boykott
       
       > Weil sich Migranten bei der Auswahl der neuen Integrationsbeauftragten
       > übergangen fühlen, sagen sie Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) den
       > Kampf an.
       
 (IMG) Bild: Wird boykottiert: Dilek Kolat
       
       Noch bevor sie dem Senat zur offiziellen Ernennung vorgeschlagen wurde,
       gibt es Ärger um die designierte neue Integrationsbeauftragte Berlins. Am
       Mittwoch Abend wollte Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) ihre
       Kandidatin Monika Lüke, Exgeneralsekretärin von Amnesty International
       Deutschland, dem Landesbeirat für Integration offiziell vorstellen. Doch 13
       der 14 gewählten MigrantenvertreterInnen des Gremiums blieben dem Termin
       aus Protest fern.
       
       Die Anhörung bei einer Neubesetzung der Stelle ist im
       Landesintegrationsgesetz vorgeschrieben. Kolat habe sie aber zu „einer
       formellen Farce“ und einer „reinen Alibiveranstaltung“ gemacht, indem sie
       den Namen ihrer Wunschkandidatin zeitgleich mit der Anhörung veröffentlicht
       habe, heißt es zur Begründung des Boykotts.
       
       In einem Brief der dreizehn Beiratsmitglieder an die Senatorin kritisieren
       diese auch Kolats Umgang mit dem 2003 gegründeten Gremium, das den Senat in
       integrationspolitischen Fragen berät und dem auch Staatssekretäre aller
       Senatsverwaltungen angehören. Sie habe seit der Neuwahl der migrantischen
       Mitglieder im Mai außer zu einer konstituierenden Sitzung im Juni keine
       weiteren Sitzungen des Gremiums einberufen und auch keine weiteren Termine
       festgelegt.
       
       Weiter wurde kritisiert, dass Kolat das Gespräch mit den
       Migrantenvertretern im Landesbeirat nicht suche. So habe sie sich etwa
       „konsequent geweigert“, Fragen zur „Degradierung“ des
       Integrationsbeauftragten zu beantworten. Dieser Umgang mit den von
       Migrantenorganisationen gewählten Mitgliedern sei „respektlos“. Gleich zu
       Beginn ihrer Amtszeit hatte Kolat die Position des Integrationsbeauftragten
       im Range eines Staatssekretärs auf Abteilungsleiterebene herabgestuft.
       
       Kolat degradiere den Beirat zu einem „Nickverein“ und habe die Stelle des
       Integrationsbeauftragten mit der Abstufung „30 Jahre nach ihrer Einführung
       faktisch abgeschafft“, sagte Yonas Endrias, einer der 13
       Migrantenvertreter, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz der
       Boykotteure. Ein Beauftragter müsse die Arbeit des Senats kontrollieren,
       ein Abteilungsleiter könne das nicht, so Endrias. Auch deshalb habe man die
       Teilnahme an der Anhörung verweigert: „Warum sollen wir über eine fiktive
       Stelle diskutieren?“, so Endrias.
       
       Auch die Opposition sieht das so. Berlin habe mit der Abstufung „keine
       hauptamtliche Integrationsbeauftragte mehr“, sagt etwa Susanne Kahlefeld,
       partizipationspolitische Sprecherin der Grünen. Fabio Reinhardt,
       integrationspolitischer Sprecher der Piratenfraktion, wirft Kolat
       „Partizipationssimulation“ vor. Sowohl die Politiker wie auch die
       Beiratsmitglieder wollen ihre Einwände dabei ausdrücklich nicht als Kritik
       an der Person Lüke verstanden sehen.
       
       Dilek Kolat ficht die Kritik nicht an: Die Anhörung des Beirats habe trotz
       des Boykotts aller sieben ordentlichen Migrantenmitglieder und sechs ihrer
       Vertreter „formal stattgefunden“, verkündete sie am Donnerstag im
       Integrationsausschuss des Abgeordnetenhauses. Sie werde ihren
       Personalvorschlag nun am Dienstag dem Senat unterbreiten.
       
       Die Migrantenvertreter wollen das Vorgehen der Senatorin juristisch prüfen
       lassen, sagt Beiratsmitglied Mustafa Özdemir, selbst Jurist. An den
       kompletten Rückzug aus dem Gremium denke man bislang nicht.
       
       6 Sep 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alke Wierth
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Migration: "Suboptimaler Start"
       
       Die neue Integrationsbeauftragte Monika Lüke will Fürsprecherin von
       EinwanderInnen sein. Differenzen mit der CDU erwartet sie dabei nicht.