# taz.de -- Kommentar Winternotprogramm: Eine Frage der Humanität
> Mehr als 1.000 Obdachlose gibt es in Hamburg. Der Bedarf ist deutlich
> höher. Und deshalb muss auch in diesem Winter wieder mit Erfrorenen
> gerechnet werden. muss.
(IMG) Bild: Anstehen für ein Dach überm Kopf: Schlange an der Spaldingstraße bei einer Unterkunft des Hamburger Winternotprogramms.
Alle Jahre wieder kommt die Beteuerungsformel aus der Chefetage der
Hamburger Sozialbehörde. Niemand müsse im Winter auf der Straße schlafen,
der das nicht möchte, verkünden immer im November die jeweils regierenden
SozialsenatorInnen, ganz gleich welcher Partei. Auch dieses Jahr, und auch
dieses Mal stimmt es wieder nicht.
Mehr als 1.000 Obdachlose gibt es in Hamburg, etwa nur für jeden vierten
steht ein Schlafplatz in einer städtischen Unterkunft zur Verfügung. Schon
rein rechnerisch kann das nicht gut gehen, und auch menschlich wird es das
nicht. Der Bedarf ist deutlich höher, und alle wissen das. Und alle wissen
auch, dass folglich auch in diesem Winter wieder mit Erfrorenen gerechnet
werden muss.
Wenn die Unterkünfte aber jetzt schon voll sind, ist es notwendig, weitere
Plätze einzurichten. Dass das passiert, ist so recht nicht erkennbar. Und
es ist auch nicht ersichtlich, dass die seit Jahren von den Sozialverbänden
geforderten kleineren Unterkünfte mit Rückzugsräumen eingerichtet werden,
in denen sich die Betroffenen vor Diebstahl und Schlimmerem halbwegs sicher
fühlen können.
Sicherlich ist das Problem nicht so einfach zu lösen. Und sicherlich ist
die Klientel auch nicht allzu pflegeleicht. Doch gerade die braucht Hilfe.
Dabei es geht nicht um Luxusunterkünfte, und es geht nicht um Unsummen an
Geld. Es geht um eine Frage der Humanität.
3 Dec 2012
## AUTOREN
(DIR) Sven-Michael Veit
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Das Winternotprogramm für Obdachlose in Hamburg ist hoffnungslos
überlaufen. In der Schlange stehen vor allem Arbeitssuchende aus Osteuropa.