# taz.de -- Kommentar Krieg in Mali: Noch lange nicht befreit
       
       > Es ist völlig verfrüht, den Norden als befreit zu bezeichnen. Der Krieg
       > gegen die Islamisten wird nur eine neue Gestalt annehmen.
       
 (IMG) Bild: Der Norden bleibt schwer zu kontrollieren: Malische Soldaten auf der Suche nach islamistischen Mujao-Rebellen in Gao
       
       Jetzt also auch noch Kidal. Mit der Stadt im äußersten Nordosten Malis soll
       nun das dritte Zentrum des Nordens von Terroristen und Islamisten befreit
       sein. In Mali wird darüber gejubelt, in Frankreich erst recht. Doch was
       nach einem militärischen Erfolg auf ganzer Linie klingt, könnte die Armeen
       in absehbarer Zeit vor ganz andere Probleme stellen.
       
       Denn bei all der Begeisterung über die enorm schnelle Rückeroberung – viele
       Menschen hatten sich auf einen zermürbenden Kampf eingestellt – wird eines
       völlig ausgeblendet: Die Rebellen des Nordens haben zwar offenbar die drei
       großen Städte verlassen; vermutlich ist ihnen schon kurz nach Beginn der
       Militärintervention klar geworden, dass sie im Moment keine Möglichkeit
       haben, einen offenen Kampf gegen das französische Militär zu gewinnen. Das
       heißt jedoch nicht, dass sie plötzlich dem Extremismus abschwören oder es
       sie einfach nicht mehr gibt – im Gegenteil.
       
       Es gilt als wahrscheinlich, dass sich die Kämpfer von Ansar Dine, der
       Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika, und von al-Qaida im
       islamischen Maghreb nun weiter in die Wüste zurückziehen. Dort kennen sie
       sich aus und können neue Strategien planen – möglicherweise in Form eines
       Guerillakrieges. Denn einen Staat oder eine ganze Region kann man nicht nur
       durch Besetzung schwächen, sondern auch durch kleine Anschläge. Wie gut das
       funktioniert, hat Nigerias islamistische Terrorgruppe Boko Haram in den
       vergangenen zwei Jahren hinreichend demonstriert.
       
       Mali könnte es nun ähnlich ergehen. Gezielte Angriffe, etwa auf
       internationale Einrichtungen, die völlig unvorhersehbar sind, schüren
       ebenso Angst und Schrecken wie ein offener Kampf. Daher ist es völlig
       verfrüht, den Norden als befreit zu bezeichnen. Der Krieg gegen die
       Islamisten wird nun nur eine neue Gestalt annehmen.
       
       30 Jan 2013
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katrin Gänsler
       
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