# taz.de -- Reisefreiheit für alle: Nach Vorbild der Nachbarländer
> Hamburgs Grüne fordern die Abschaffung der Residenzpflicht für
> Asylbewerber in der Hansestadt. Das Ziel: Bewegungsfreiheit im ganzen
> Norden.
(IMG) Bild: Noch weit entfernt von Bewegungsfreiheit: Flüchtling im Flüchtlingslager Horst
Die Residenzpflicht für Asylbewerbern und geduldete Flüchtlinge ist in
Hamburg bei Teilen der Opposition erneut ins Visier geraten. Am Donnerstag
bringen die Grünen einen Antrag in die Hamburger Bürgerschaft ein, mit den
Nachbarländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern
Vereinbarungen zu schließen, die Flüchtlingen in diesen Regionen
Freizügigkeit gewährt. Zudem sollen die Nordländer eine
Bundesratsinitiative zur Abschaffung der Residenzpflicht starten.
„Es muss ein Ende haben, dass eine Kita, die auch Flüchtlingskinder
betreut, bei einem Ausflug nach Wedel erst einmal einen Antrag bei der
Ausländerbehörde stellen muss“, sagt die innenpolitische Sprecherin der
Grünen, Antje Möller. Es gebe kein sachliches Argument für eine Weigerung
Hamburgs, sich mit den Nordländern zu verständigen. Der SPD-Senat solle
seine Blockade aufgeben und sich im Bundesrat für die Aufhebung einsetzen,
sagt Möller. „Mit der neuen rot-grünen Mehrheit in Niedersachsen kann diese
diskriminierende Regelung endlich Vergangenheit werden.“
Die Residenzpflicht ist seit ihrer Einführung umstritten. Sie erlaubt
Asylbewerbern und Geduldeten, sich nur in einem festgelegten Bereich zu
bewegen. Dadurch soll es den Ausländerbehörden ermöglicht werden,
Flüchtlinge besser kontrollieren zu können. Die Residenzpflicht ist
humanitären Institutionen und Politikern ein Dorn im Auge. 2012 scheiterte
ein Vorstoß von Grünen, SPD und Linkspartei, die Residenzpflicht auf
Bundesebene abzuschaffen, an der CDU-FDP-Regierungsmehrheit.
Schon zuvor hatten Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und selbst
das CDU-FDP-regierte Niedersachsen unter dem Hardliner Uwe Schünemann (CDU)
die Residenzpflicht gelockert: Flüchtlinge dürfen sich dort innerhalb des
Bundeslandes frei bewegen und ihre Landkreise verlassen. Damit wollte
Schünemann nicht nur Humanität zeigen, sondern den Ausländerämtern die
aufwändigen Prüfungen der Anträge ersparen.
Wenig später kam eine Vereinbarung zwischen Niedersachen und Bremen hinzu,
die eine Überschreitung der Landesgrenzen erlaubt. Schünemann hatte
Hamburgs Innensenator Michael Neumann eingeladen, dem Pakt beizutreten.
Doch Neumann lehnte ab und die SPD-Fraktion schmetterte im März 2012
Anträge von FDP und der Linken mit Pauken und Trompeten in der Bürgerschaft
ab. Es sei eine „Sogwirkung“ von den Flächenländer in die Metropole Hamburg
zu befürchten, hieß es.
Dem widerspricht die Grüne Möller: Die Länder Berlin und Brandenburg,
zwischen denen es seit 2010 einen Kontrakt gibt, hätten die Erfahrung
gemacht, dass es zu keiner verstärken Einwanderung nach Berlin gekommen
ist.
Die SPD wird nun wohl taktisch agieren: „Wir plädieren für eine Überweisung
an den Innenausschuss“, sagt Fraktionsvize Martin Schäfer. Die
Linkspartei-Innenpolitikerin Christiane Schneider ahnt Böses: „Wir
befürchten, die Sozis wollen den Antrag im Innenausschuss versenken und
damit das Thema loswerden.“
26 Feb 2013
## AUTOREN
(DIR) Kai von Appen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Residenzpflicht: Wegezoll ohne Rechtsgrundlage
Zum ersten Mal hat ein Flüchtling protestiert, das Innenministerium gab ihm
nun Recht. Dass Niedersachsens Ausländerbehörden Gebühren für
"Reiseerlaubnisse" verlangen, war demnach nicht zulässig.