# taz.de -- Wirtschaft setzt auf Selbstverpflichtung: Extrawurst für die Kammer
> Warum Unternehmen, die von der Handelskammer zertifiziert wurden, von der
> regelhaften Anfrage an das Korruptionsregister befreit sein sollen,
> leuchtet nicht ein.
(IMG) Bild: Auch Schwarzarbeit kann zu einem Eintrag ins Register führen
Das ist mal wieder typisch Handelskammer Hamburg. Die mächtige, auf
gesetzlich vorgeschriebenen Mitgliedschaften basierende Vertretung der
örtlichen Wirtschaft hat ein Element der Selbstregulation im Gesetzentwurf
Hamburgs und Schleswig-Holsteins für ein Korruptionsregister untergebracht.
Das entspricht ganz dem Generalbass, der die Politik der
Wirtschaftsvertreter grundiert: Wir machen das besser selbst – bloß keine
staatliche Regulierung!
Dabei hört sich das Compliance-Verfahren, das die Handelskammer gerade
entwickelt, bemerkenswert bürokratisch an: wie eine Art Iso-Zertifizierung
zur anständigen Unternehmensführung. Richtig gemacht, könnte ein solches
Verfahren aber tatsächlich die Abläufe und die Kultur in Unternehmen
verbessern. Und es wäre, nicht zuletzt, im Sinne der Allgemeinheit,
Korruption an der sprichwörtlichen Wurzel zu bekämpfen, statt sie im
Nachhinein zu sanktionieren.
Dennoch: Warum Unternehmen, die auf Grund dieses Verfahrens zertifiziert
wurden, von der regelhaften Anfrage an das Korruptionsregister befreit sein
sollen, leuchtet nicht ein. Unternehmen, die sich dem Kammer-Verfahren
unterziehen, sollen belohnt werden, sagt der Hamburger Finanzstaatsrat Jens
Lattmann (SPD). Ob diese Belohnung wirklich im Wegfall von zwei, drei
Mausklicks bestehen soll, bleibt sein Geheimnis.
12 Mar 2013
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
## TAGS
(DIR) Unternehmen
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