# taz.de -- Billigmodekette Primark in Bangladesch: Trendy und billig. Zu billig?
       
       > Die Bekleidungskette Primark ist extrem günstig. Doch der Einsturz einer
       > Textilfabrik in Bangladesch kratzt an ihrem Image.
       
 (IMG) Bild: Hunderte Shoppingwütige warteten vor den Türen als der Billigdiscounter 2012 eine Filiale in Berlin eröffnete.
       
       BERLIN/DUBLIN taz | Egal, wo die irische [1][Billigmodekette Primark] eine
       neue Filiale eröffnet: Scharen modebegeisterter, meist junger Kundinnen
       sind ihr sicher. Doch seit am vergangenen Mittwoch in Savar,
       [2][Bangladesch ein Fabrikgebäude einstürzte], muss Primark um sein gutes
       Image fürchten. Der Discounter hat eingeräumt, dass auch er in der Fabrik
       Kleidung produzieren ließ. Bei dem Einsturz kamen mindestes 373 Menschen
       ums Leben; deutlich mehr als 1.000 wurden – teils schwer – verletzt. Eine
       am Vortag ergangene behördliche Warnung war ignoriert worden.
       
       Man sei schockiert und zutiefst traurig über diesen Zwischenfall in Savar
       und spreche allen Betroffenen sein Beileid aus, heißt es in einer
       Mitteilung auf der Website von Primark. Man habe aber seit Jahren mit
       verschiedenen NGOs zusammengearbeitet, um die Standards der Fabriken in
       Bangladesch zu überprüfen. Das Primark-Team für ethischen Handel sei nun
       dabei, Informationen zu sammeln.
       
       In London demonstrierten am Samstag Mitglieder von „War on Want“ vor
       Primarks Vorzeigeladen in der Oxford Street. Murray Worthy, Sprecher der
       Organisation, sagte, man rufe nicht zu einem Boykott des
       Klamottendiscounters auf, weil in asiatischen Ländern dadurch
       möglicherweise viele Jobs verloren gehen würden. Aber man verlange von
       Primark, die Familien der Opfer zu entschädigen.
       
       „Die Todesfälle in Bangladesch waren kein Zufall“, sagte Worthy. „Sie
       hätten verhindert werden können. Wenn Primark seine Verantwortung gegenüber
       diesen Arbeiterinnen ernst genommen hätte, wäre niemand gestorben.“ Primark
       legt großen Wert auf sein Image als Saubermann der Branche.
       
       ## Miese Arbeitsbedingungen
       
       Das Unternehmen unterstützt [3][die Initiative „Her Project“], die Frauen
       in Bangladesch über Gesundheit und Ernährung aufklären will. 2006 ist
       Primark der „Ethical Trading Initiative“ beigetreten, in der Unternehmen,
       Gewerkschaften und NGOs zusammenkommen, um bessere Arbeitsbedingungen und
       Rechte für Arbeitnehmer in Dritte-Welt-Ländern durchzusetzen.
       
       Im Dezember 2008 stellte die Wohltätigkeitsorganisation [4][„War on Want“]
       allerdings fest, dass sich in dieser Hinsicht bei den Primark-Zulieferern
       in Bangladesch seit einer Untersuchung von zwei Jahren zuvor nichts getan
       hatte. Im selben Jahr strahlte [5][die BBC] einen mit versteckter Kamera
       aufgenommenen Bericht über die miserablen Arbeitsbedingungen bei indischen
       Primark-Zulieferfirmen aus.
       
       Primark ist ein Tochterunternehmen des britischen Lebensmittelkonzerns
       Associated British Foods. Der erste Laden in der Mary Street, Dublins
       billiger Einkaufszeile, öffnete 1969. Vier Jahre später expandierte der
       Discounter nach England. Heute hat das Unternehmen weltweit 43.000
       Angestellte und macht einen Jahresumsatz von rund 4 Milliarden Euro. Mehr
       als ein Zehntel davon ist Profit. Es hat 257 Filialen in acht europäischen
       Ländern, darunter 10 in Deutschland.
       
       Der Erfolg basiert darauf, dass Primark es geschafft hat, trotz seiner
       Billigmode als trendig zu gelten, vor allem bei Teenagern. Als im
       vergangenen Juli die erste Filiale in Berlin eröffnete, spielten sich
       Szenen ab wie bei einem Justin-Bieber-Konzert. Stunden vor der Eröffnung
       warteten Hunderte Shoppingwütige vor den Türen. Als diese sich endlich
       öffneten, hieß es: rennen, kreischen, schnappen, eintüten. Jüngst war die
       Enttäuschung in Internetforen und Modeblogs groß, als Primark Anfang April
       die Eröffnung einer zweiten Filiale in der deutschen Hauptstadt auf Winter
       2013 verschob.
       
       29 Apr 2013
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.primark.de/
 (DIR) [2] /Gebaeude-Einsturz-in-Bangladesch/!115311/
 (DIR) [3] http://www.primark-ethicaltrading.co.uk/
 (DIR) [4] http://www.waronwant.org/
 (DIR) [5] http://www.bbc.co.uk/news/entertainment-arts-13794227
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Miriam Hauft
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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