# taz.de -- Sommelier über Wasser: Gute Tropfen, schlechte Tropfen
       
       > In der Top-Hotelerie, wie im schweizer Grandresort Bad Ragaz, gibt es
       > längst Wassersommeliers. Hier gibt eine von ihnen einige Tipps.
       
 (IMG) Bild: Die elegante Art Wasser zu servieren.
       
       taz: Frau Strohmayer, was ist an Wasser prickelnd? 
       
       Jessica Strohmayer: Mich fasziniert, wie unterschiedlich Wässer schmecken
       können.
       
       Verkosten Sie Wasser wie Wein? 
       
       Es ist natürlich nicht ganz einfach bei einem geruch- und farblosen
       Getränk. Wir betrachten Mineralstoffe, Gesteinsformationen und
       Reinheitsgehalt. Wichtig: Wasser sollte Zimmertemperatur haben. Da schmeckt
       man Unterschiede deutlicher. Sie müssen das Wasser über die gesamte Zunge
       laufen lassen - um den Salzgehalt zu beurteilen. Bitter schmecken Sie
       hinten auf der Zunge, salzig vorne. Dann beschreiben wir das
       Geschmacksgefühl: trocken, samtig oder eher metallisch.
       
       Trockenes Wasser? 
       
       Kennen Sie das nicht, wenn Sie ein Glas Wasser trinken, und danach haben
       Sie das Gefühl, Sie müssen noch mehr trinken, weil Sie gar nicht das Gefühl
       haben, getrunken zu haben. Das meint "trocken". Es sind Mineralwässer mit
       hohem Kalziumanteil - da haben Sie hinterher mehr Durst als vorher.
       
       Wasser kalt oder warm trinken? 
       
       Zimmertemperatur ist optimal. Gerade im Sommer ist es für die Organe
       besser.
       
       "Still oder Sprudel?", so lautet die Standardfrage des Kellners. Was raten
       Sie? 
       
       Reine Geschmacksfrage. Es gibt kein besser oder schlechter. Morgens und
       vorm Schlafengehen rate ich eher zu still, morgens muss sich der Magen noch
       auf die Säure einstellen, und Kohlensäure belebt den Geist - das will man
       nicht unbedingt vorm Zubettgehen. Beim Sport sage ich immer: Währenddessen
       still, davor und danach prickelnd.
       
       Worauf ist beim Wasserkauf zu achten? 
       
       Auf den Mineralanteil, auf den Kohlensäuregehalt und selbstverständlich auf
       den eigenen Geschmack. Ich rate zu einem Markenwasser aus der Region.
       
       Was halten Sie von Hydrogencarbonat-reichem Wasser? 
       
       Es hilft nachweislich bei übersäuertem Magen, Sodbrennen und
       Verdauungsstörungen, denn es wirkt im Körper basisch und bindet die Säure
       im Magen. Auch wer einen Kater hat, tut gut daran, welches zu trinken.
       
       Wasser als Medizin? 
       
       Ich will nicht behaupten: Mineralwasser kann Krankheiten heilen, aber es
       tut sicher dem Körper gut. Zum Beispiel bei Menschen, die an Osteoporose
       leiden. Calcium ist die beste Vorbeugung. Wenn sie keine Milch vertragen,
       können Mineralwässer vorbeugend helfen, die besonders calciumhaltig sind.
       
       Wie viele Wässer gibt es weltweit? 
       
       Oh Gott, viele! Das Angebot ist riesig. Allein in Deutschland gibt es rund
       500 Mineralwässer aus etwa 250 Brunnen.
       
       Brauchen Lokale eine eigene Wasserkarte? 
       
       Inzwischen bieten etliche Spitzenhotels auch eine eigene Wasserkarte an,
       passend zu Wein und Speisen. Die regionalen Unterschiede sind groß - wie
       beim Wein schmeckt man die Böden und Gesteinsschichten.
       
       Können Sie bitte ein wenig Klarheit in all die Begriffe bringen:
       Tafelwasser ist … 
       
       … ich rate davon ab. Tafelwasser entspricht der Trinkwasserverordnung, darf
       aber aus Meerwasser gewonnen werden und kann auch Spuren von Chlor und
       andere Rückstände enthalten. Es dürfen verschiedene Quellen gemischt und
       Mineralstoffe zugesetzt werden.
       
       Mineralwasser? 
       
       Das ist mein Favorit. Natürliches Mineralwasser ist hochwertiger, enthält
       von Natur aus Mineralien und muss amtlich anerkannt werden. Mineralwasser
       muss am Quellort abgefüllt werden. Die Mineralien tun dem Körper gut.
       
       Heilwasser? 
       
       Heilwasser gilt als Arznei, ihm wird medizinische Wirkung nachgesagt. Sehr
       viele Heilwässer enthalten hohe Mineralienanteile. Das ist es, was diese
       Wässer sehr intensiv und streng schmecken lässt.
       
       Und Thermalwasser? 
       
       Ist extrem weich. Es ist schwierig zu Weinen, enthält viel Fluor, was gut
       ist für den Zahnschmelz, aber auch Chlor.
       
       Trinken Sie Leitungswasser? 
       
       Nein. In Deutschland ist es geprüft und sicherlich nicht
       gesundheitsschädlich. Aber man weiß nie, aus welchen alten Leitungsrohren
       es kommt. Man prüft die Quelle, aber wer die Leitung? In den USA: igitt!
       Dort kommt chlorhaltiges Wasser aus der Leitung. Und in München: nun ja,
       für meinen Geschmack brutal kalkhaltig. Was Rohre verstopft, kann für den
       Menschen nicht wirklich gut sein.
       
       Discounter-Wasser schmeckt … 
       
       … mir nicht. Wie kann es sein, dass Mineralwasser dort nur 30 Cent die
       Flasche kostet?
       
       Wasser als Lifestyle-Lebensmittel. Siehe "Bling"… 
       
       Oh ja. Die 0,75-Liter-Flasche des US-Edelwässerchens ist mit echten
       Swarovski-Steinen besetzt und mit einem Naturkorken verschlossen - Bling
       ist ein reines Prestigeprojekt. Das braucht es echt nicht.
       
       10 Aug 2013
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudia Schuh
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Sommelier
       
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