# taz.de -- Mediendebatte über Schulgewalt: Ein überflüssiges Outing
       
       > Trends und Analysen sind wichtig, ein öffentliches Ranking aber nicht. Es
       > ist bitter, dass jetzt eine Liste veröffentlicht wird, die nach Warnung
       > der Experten kontraproduktiv wirkt.
       
 (IMG) Bild: Gewalt an Schulen: Im Hamburg gab es von Januar 2013 bis April 2014 rund 44 gemeldete Vorfälle.
       
       Eine Mediendebatte über Jugendgewalt ist ganz leicht entfacht, oft braucht
       man noch nicht mal einen Anlass, wie Anfang Mai die Polit-Talkshow „Günther
       Jauch“ im Anschluss an eine fiktive Tatort-Story zeigte.
       
       Dabei geht Jugendgewalt zurück, auch Gewalt an Schulen. Und die These, dass
       die Taten zwar weniger, aber grausamer werden, ist durch die Statistik
       nicht belegt. Klar ist aber auch: Dort, wo Kinder- und Jugendliche den Tag
       über zusammen sind, kommt es zu Gewalt. Prävention und Aufklärung sind das
       Gebot der Stunde. Es ist schon bitter, dass jetzt eine Liste veröffentlicht
       wird, die nach Warnung der Experten eine kontraproduktive Wirkung entfalten
       kann.
       
       Und die Zahlen passen wie die Faust auf Auge zur aktuellen Schuldebatte.
       Wenn nur die Gymnasien die gewaltfreien Inseln sind, müssen die besorgten
       Eltern ihre Sprösslinge ja dort anmelden und können ihnen ein neunjähriges
       Abitur an der Stadtteilschule nicht zumuten.
       
       So ganz zieht das nicht. Schließlich sind die Gymnasien ja vielleicht
       einfach nur nicht ehrlich. Und an der großen Mehrheit der Stadtteilschulen,
       über 70 Prozent, ist dieser Kelch vorübergezogen. Das ist eine gute
       Nachricht.
       
       Das Ganze ist ein Spiel mit dem Feuer. Trends und Analysen sind wichtig,
       ein öffentliches Ranking aber nicht. Passiert an einer Schule ein übler
       Vorfall, muss diese damit offen umgehen, auch gegenüber den Eltern, denn
       solche Dinge tun sonst auch auf der Ebene von Gerüchten ihre Wirkung. Ein
       stadtweites Outing dieser Schulen jedoch ist Unsinn. Doch offensichtlich
       müssen wir uns jetzt daran gewöhnen. Der Schulsenator stellt sich darauf
       ein und will die Erfassung verbessern.
       
       Dabei ist zu bedenken, wie es wirkt, wenn jetzt der Transparenz zuliebe die
       Polizei verstärkt in die Grundschulen gucken soll, um zu entscheiden, was
       Rangelei und was Gewalttat ist. Kinder sind nicht ohne Grund strafunmündig.
       
       Sollte es mit diesen Rankings weitergehen, könnte dies auch eine positive
       Wirkung entfalten. Es könnte deutlich werden, dass ein Schulsystem, dass
       die ärmeren Kinder auf die eine und die wohlhabendere auf die andere Sorte
       Schule schickt, auf Dauer nicht funktioniert. Nichts anderes sagen die
       erhobenen Kess-Sozialdaten. Die Rowdys müssen dann halt auch aufs Gymnasium
       gehen.
       
       25 May 2014
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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