# taz.de -- Berliner Szenen: Rede an die Katze
       
       > Es ist Vorfrühling, die Welt ist schön. Nur eine Katze stört die Ordnung.
       > Kann sie im Debattierwettbewerb mit einem Dreijährigen obsiegen?
       
 (IMG) Bild: Katze auf Sattel (nachgestelltes Foto)
       
       Die Sonne scheint, ein erster Hauch von Vorfrühling durchweht die noch
       blattlosen Straßen von Prenzlauer Berg. Wir, mein kleiner dreijähriger Sohn
       und ich, sind auf dem Weg zum Spielplatz.
       
       Am Straßenrand steht ein Motorrad. Aus unerfindlichen Gründen liebt mein
       kleiner Sohn Motorräder. Aber diesmal gibt es ein Problem: Auf dem Sattel
       des Motorrads sitzt eine Katze. Mein kleiner Sohn ist entrüstet. Er sagt:
       „Papa, die Katze, die darf das nicht. Das ist nicht erlaubt.“
       
       Ich versuche ihn zu beruhigen, erkläre ihm, dass die Katze dort nur eine
       kleine Pause einlegt und sie bald wieder weiterziehen wird. „Nein“, sagt
       mein kleiner Sohn. „Die Katze muss da weg. Die Katze darf da nicht sitzen.“
       
       Nach einer kurzen Diskussion beschließt er, mich nicht mehr zu beachten. Er
       spricht jetzt lieber direkt zur Katze: „Weißt du, Katze, du musst da weg,
       sonst kommt der Wolf und der Tiger, und die fressen dich auf. Katzen dürfen
       da nicht drauf, nur Erwachsene.“ Die Katze ist nicht beeindruckt; divenhaft
       ignoriert sie die Ermahnungen meines kleinen Sohnes. Ich möchte weiter, tue
       so, als ob ich gehen würde.
       
       Bedauerlicherweise interessiert ihn das nicht. Er ist jetzt wütend, redet
       pausenlos auf die Katze ein, spricht jetzt über hinterhältige Butzemänner,
       gemeine Hexen und böse Drachen. Seine Rede an die Katze will und will keine
       Ende nehmen. Nach einer kleinen Ewigkeit schaut die Katze meinen kleinen
       Sohn genervt an, springt vom Sattel und zieht von dannen.
       
       Mein kleiner Sohn ist überglücklich. Minutiös erläutert er mir seinen Sieg.
       Er ist felsenfest davon überzeugt, dass er allein durch die Macht des
       besseren Arguments die Katze davon überzeugen konnte, ihr fehlerhaftes
       Verhalten einzusehen. Er redet und redet, und ich denke: Ach wäre ich doch
       nur eine Katze.
       
       20 Mar 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alem Grabovac
       
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