# taz.de -- Geiselnahme in der Türkei: Staatsanwalt kommt zu Tode
       
       > Bei dem Überfall auf ein Justizgebäude in Istanbul erlag der
       > festgehaltene Staatsanwalt seinen Verletzungen. Eine linksextreme Gruppe
       > hatte zuvor seinen Tod angedroht.
       
 (IMG) Bild: Sicherheitskräfte vor dem Gerichtsgebäude in der türkischen Metropole.
       
       ISTANBUL dpa | Die Polizei in Istanbul hat die Geiselnahme eines
       Staatsanwalts durch Linksextremisten nach neun Stunden gewaltsam beendet.
       Die beiden Geiselnehmer seien bei dem Einsatz im zentralen Justizgebäude
       der türkischen Metropole am Dienstagabend getötet worden, sagte Istanbuls
       Polizeichef Selami Altinok. Der Staatsanwalt erlag am späten Dienstagabend
       in einem Istanbuler Krankenhaus seinen Verletzungen, wie der türkische
       Ministerpräsident Ahmet Davutoglu erklärte. Er sprach der Familie des
       Opfers sein Beileid aus. Der Staatsanwalt war Ankläger in dem politisch
       bedeutenden Fall Berkin Elvan.
       
       Der Jugendliche Berkin Elvan war bei den Gezi-Protesten im Sommer 2013 von
       einer Tränengaskartusche der Polizei am Kopf getroffen und tödlich verletzt
       worden. Die verbotene DHKP-C bekannte sich zu der Geiselnahme vom Dienstag.
       Altinok sagte, die Polizei habe sechs Stunden verhandelt. Die
       Sicherheitskräfte seien eingeschritten, als aus dem Büro des Staatsanwaltes
       Schüsse ertönt seien. Wie der Staatsanwalt lebensbedrohlich verletzt wurde,
       blieb zunächst unklar.
       
       Davutoglu sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu weiter, für die
       Regierung sei die Geiselnahme auch ein Angriff auf die türkische Justiz und
       Demokratie. Die Täter seien inzwischen identifiziert worden. Sie seien 24
       und 28 Jahre alt gewesen.
       
       Die DHKP-C hatte mit der Ermordung des Staatsanwaltes gedroht. Sie forderte
       ultimativ, die Polizisten, die für den Tod Berkin Elvans verantwortlich
       seien, müssten ein öffentliches Geständnis ablegen. Ermittlungen gegen
       Demonstranten, die wegen des Todes Berkin Elvans protestiert hatten,
       müssten eingestellt werden.
       
       ## Sperre für Berichterstattung
       
       Der Vater Berkin Elvans, Sami Elvan, teilte während der Geiselnahme über
       Twitter mit, er wolle nicht, dass jemand zu Schaden komme. „Ich will nur
       einen gerechten Prozess“, schrieb er. Auf der Facebook-Seite der DHKP-C war
       zu sehen, wie dem geknebelten Staatsanwalt eine Pistole an den Kopf
       gehalten wurde. Unklar blieb, wie die bewaffneten Geiselnehmer in das
       gesicherte Justizgebäude eindringen konnten.
       
       Berkin Elvan war im Sommer 2013 ins Koma gefallen und im März vergangenen
       Jahres im Alter von 15 Jahren gestorben, ohne das Bewusstsein wieder
       erlangt zu haben. Die Ermittlungen in dem Fall haben bisher keine
       Fortschritte gemacht.
       
       Die Rundfunkbehörde RTÜK verhängte am Dienstag auf Veranlassung der
       Regierung eine Sperre für die Fernsehberichterstattung über die
       Geiselnahme. Als Grund wurde die nationale Sicherheit genannt.
       
       Die DHKP-C hatte im Januar die Verantwortung für einen Anschlag in Istanbul
       übernommen, mit dem angeblich der Tod von Berkin Elvan gerächt werden
       sollte. Die DHKP-C steht in der Türkei, in der EU und in den USA auf der
       Terrorliste. Die Gruppe hatte sich im Februar 2013 zu einem
       Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Ankara bekannt. Damals riss der
       Attentäter einen Wachmann mit in den Tod.
       
       1 Apr 2015
       
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