# taz.de -- Nach Terroranschlag auf Universität: Kenia will Flüchtlingslager schließen
       
       > Dadaab ist das größte Flüchtlingslager der Welt. Kenias Regierung will es
       > nun nach Somalia verlegen lassen. Italiens Küstenwache rettete fast 1000
       > Bootsflüchtlinge.
       
 (IMG) Bild: Nur ein kleiner Ausschnitt: Flüchtlingscamp in Dadaab, im Nord-Osten von Kenia (Archivbild, 2011).
       
       NAIROBI dpa/afp | Rund eine Woche nach dem Terroranschlag mit mehr als 150
       Toten im Norden Kenias will das ostafrikanische Land das weltgrößte
       Flüchtlingslager Dadaab nahe der somalischen Grenze schließen. Das
       UN-Flüchtlingshilfswerk müsse das Lager mit 350.000 Bewohnern binnen drei
       Monaten schließen und nach Somalia verlegen, sagte Vizepräsident William
       Ruto am Samstag. Sollte das UNHCR der Aufforderung nicht nachkommen, würde
       Kenia die Flüchtlinge selbst umsiedeln, drohte er.
       
       Kenia werde sich nach dem jüngsten Anschlag so drastisch verändern „wie
       Amerika nach 9/11“, sagte Ruto laut einer Pressemitteilung in Anspielung
       auf die Anschläge vom 11. September 2001 in New York. Zudem habe nun der
       Bau eines 700 Kilometer langen Grenzwalls begonnen, um somalische
       Terroristen nicht ins Land kommen zu lassen.
       
       Die Dadaab-Flüchtlingscamps beherbergen seit über 20 Jahren vor allem
       Somalis, die vor Bürgerkriegswirren und islamistischem Terrorismus in ihrem
       Heimatland am Horn von Afrika geflohen sind. Die Sicherheitslage in Somalia
       ist weiter kritisch, so dass eine Verlagerung von Dadaab über die Grenze
       nur schwer vorstellbar erscheint. Ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks
       in Kenia sagte, bislang sei man über den Beschluss der Regierung nicht
       offiziell unterrichtet worden.
       
       Die somalische Terrororganisation Al-Shabaab hat sich zu dem [1][Anschlag
       auf die Universität in Garissa vom Gründonnerstag] mit mehr als 150 Toten
       bekannt. Die Islamisten verüben immer wieder Anschläge in Kenia, wie etwa
       im September 2013 auf das Einkaufszentrum Westgate in Nairobi. Dabei kamen
       67 Menschen ums Leben. Die kenianische Tourismusindustrie, ein wichtiger
       Wirtschaftszweig, muss seither schwere Einbußen hinnehmen.
       
       Um die Islamisten zu stoppen, hat Kenia rund 5000 Soldaten nach Somalia
       entsandt. Nach dem Anschlag in Garissa hat die Regierung zudem die
       Einstellung 10.000 neuer Polizisten versprochen. Zudem wurden diese Woche
       viele somalische Konten eingefroren und Geldtransfers verboten.
       Hilfsorganisation kritisierten allerdings, dass die Unterbindung von
       Geldtransfers vor allem arme Somalis treffe, die zum Überleben Geld von
       Familienmitgliedern im Ausland erhielten.
       
       Unterdessen hat die italienische Küstenwache erneut fast tausend
       Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Die Menschen seien bei drei
       verschiedenen Einsätzen am Vortag in Sicherheit gebracht worden, teilte ein
       Sprecher der Küstenwache am Samstag mit. Wegen des guten Wetters versuchen
       derzeit wieder mehr Menschen, von Nordafrika aus per Boot in die
       Europäische Union zu gelangen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks
       UNHCR starben von den 218.000 Flüchtlingen, die vergangenes Jahr über das
       Mittelmeer kamen, mindestens 3500 Menschen.
       
       11 Apr 2015
       
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