# taz.de -- Was kommt nach Moria?: Europa und das Grundrecht auf Asyl
       
       > Pushbacks, Moria und Co. – Ist das Asylrecht in Europa noch zu retten?
       > DeZIM und taz laden ein zum Gespräch über Politik und Gewissen.
       
       Ein Feuer zerstörte im Spätsommer 2020 das Flüchtlingslager [1][Moria] auf
       der griechischen Insel Lesbos. Zuletzt lebten dort mehr als 15.000
       [2][Geflüchtete] in und um das Lager, welches jedoch nur für 2.800 Personen
       angelegt worden war. Moria wurde daher vielfach als „Schande Europas“
       bezeichnet. 
       
       Nach dem [3][Brand] wurden einige der Geflüchteten, vor allem Kinder ohne
       Begleitung, auf das griechische Festland und von dort in andere europäische
       Länder gebracht. Deutschland hat zugesagt, mehr als 1.500 asylberechtigte
       Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen, bisher kamen 101 Menschen hier
       an. 
       
       Im neuen Lager Kara Tepe auf Lesbos leben nun nach offiziellen Angaben etwa
       9.200 Menschen. Trinkwasser, Essen, Medikamente, Duschen und Toiletten sind
       dort noch immer knapp. Auch auf anderen griechischen Inseln gibt es
       überfüllte Lager mit ähnlich schlechten Bedingungen. 
       
       ## Europäische Uneinigkeit
       
       Eine gemeinsame [4][europäische Flüchtlingspolitik] ist weiterhin nicht in
       Sicht. Ende September stellte die EU-Kommission ihre lang erwarteten Pläne
       für einen neuen [5][„Pakt für Migration und Asyl“] vor. Er sieht in der
       Asylpolitik eine neue Arbeitsteilung vor: Länder, die Geflüchtete aus
       anderen Mitgliedstaaten aufnehmen, sollen dafür finanziell unterstützt
       werden, um insbesondere Mittelmeeranrainer dadurch zu entlasten. 
       
       Länder, die keine Geflüchteten aufnehmen wollen, sollen mit sogenannten
       „Abschiebe-Patenschaften“ helfen, abgelehnte Asylbewerber*innen
       abzuschieben. Die Zusammenarbeit mit Staaten außerhalb der EU soll
       verstärkt werden. Mehrere EU-Regierungen lehnen aber auch diese Vorschläge
       ab. Ob sich die EU einigen kann, ist vollkommen offen. 
       
       Derzeit kommen in Europa kaum neue Geflüchtete an. Die libysche und die
       türkische Küstenwache fangen sie oft schon vor ihren Küsten ab. Griechische
       [6][Grenzschützer*innen] schieben Geflüchtete aber auch immer wieder auf
       das offene Meer zurück. Die kroatischen Behörden halten sie mit Gewalt vom
       EU-Territorium fern. Nach internationalem Recht sind solche „Pushbacks“
       verboten, doch die EU lässt sie zu, berichten Medien und NGOs. 
       
       Wie ist die Situation in Griechenland und auf Lesbos heute? Wie ist man
       dort auf den Winter und die [7][Corona-Pandemie ]vorbereitet? Was passiert,
       wenn wieder mehr Menschen in Europa Schutz suchen sollten? Wie lässt sich
       das Asylrecht in Europa noch retten? Und was kann Deutschland, das in der
       europäischen Union noch bis Ende des Jahres die EU-Ratspräsidentschaft
       übernommen hat, dafür tun? 
       
       ## Darüber sprechen wir mit unseren Gästen: 
       
       [8][Franziska Grillmeier] ist freie Journalistin und schreibt über Grenzen,
       Gesundheitsversorgung in Konfliktregionen und die Folgen von Vertreibung,
       u.a. für den Spiegel, die Zeit und die taz. Sie hat die Reportageschule
       „Zeitenspiegel“ besucht und Politik, Konfliktstudien und internationales
       Recht in Wien und London studiert. Sie lebt auf Lesbos und in Jerusalem. 
       
       [9][Dr. Marcus Engler] ist Sozialwissenschaftler und arbeitet seit 2020 in
       der Abteilung „Migration“ am DeZIM-Institut. Er forscht seit langem zu
       Flucht- und Migrationsbewegungen sowie zu deutscher, europäischer und
       globaler Flüchtlings- und Migrationspolitik. Er hat Sozialwissenschaften
       und Volkswirtschaftslehre in Berlin und in Paris studiert und war zuvor in
       unterschiedlichen Funktionen in der Migrationsforschung und Politikberatung
       tätig. 
       
       [10][Beate Gminde]r ist stellvertretende geschäftsführende
       Generaldirektorin und Leiterin der „Task Force Migration Management“ in der
       EU-Kommission in Brüssel. Nach ihrer Ausbildung an der Deutschen
       Journalistenschule in München bewarb sie sich bei der EU, für die sie seit
       25 Jahren arbeitet. Ihre Karriere führte sie von der EU-Außenstelle in Bonn
       über die Leitung einer IT- und Personalabteilung in Brüssel und die
       Generaldirektion für Meeres- und Fischereifragen zur Generaldirektion für
       Migration und Inneres in der EU-Kommission. 
       
       Moderation: [11][Christian Jakob] arbeitet bei der taz im Ressort Reportage
       und Recherche. Er schreibt vor allem zu den Themen Flucht und Asyl und hat
       dazu mehrere Bücher verfasst, darunter „Die Bleibenden“, „Eine Geschichte
       der Flüchtlingsbewegung“ und „Diktatoren als Türsteher Europas“ (mit Simone
       Schlindwein). Derzeit ist er Stipendiat am Max Planck Institut für
       Völkerrecht in Heidelberg. 
       
       Beteiligen Sie sich: Fragen zum Thema können Sie gern während des Streams
       über die Chatfunktion stellen oder per E-Mail an
       [12][veranstaltungen@dezim-institut.de] senden. 
       
       Bei DeZIM meets taz diskutieren Wissenschaftler*innen und Gäste zu
       gesellschaftspolitischen Aspekten der aktuellen Covid19-Krise. Die Reihe
       ist eine Kooperation zwischen dem [13][Deutschen Zentrum für Integrations-
       und Migrationsforschung (DeZIM)] und der Tageszeitung taz. 
       
       Anregungen und Fragen nehmen wir mit Freuden entgegen über
       [14][taztalk@taz.de].
       
       28 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Moria/!t5713411/
 (DIR) [2] /Schwerpunkt-Flucht/!t5201005/
 (DIR) [3] /Situation-auf-den-griechischen-Inseln/!5719116/
 (DIR) [4] /EU-Fluechtlingspolitik-und-Moria/!5710039/
 (DIR) [5] /Neues-Asyl--und-Migrationspaket-der-EU/!5716652/
 (DIR) [6] /Vorwuerfe-gegen-EU-Grenzschutzagentur/!5720908/
 (DIR) [7] /Schwerpunkt-Coronavirus/!t5660746/
 (DIR) [8] /Franziska-Grillmeier/!a46354/
 (DIR) [9] http://www.dezim-institut.de/das-dezim-institut/dr-marcus-engler/
 (DIR) [10] http://op.europa.eu/de/web/who-is-who/person/-/person/HOME/COM-CRF_243308-0000303440-000000222C--
 (DIR) [11] /Christian-Jakob/!a113/
 (DIR) [12] /veranstaltungen@dezim-institut.de
 (DIR) [13] http://dezim-institut.de/
 (DIR) [14] /taztalk@taz.de
       
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