# taz.de -- 30 Jahre und kein bisschen gleicher?: Ostdeutsche und die Deutsche Einheit
       
       > In dieser Ausgabe von „DeZIM meets taz“ sprechen wir mit Jeannette Gusko,
       > Patrice G. Poutrus, Kathleen Heft und Julia Boek. 
       
       Seit 30 Jahren ist [1][Deutschland wieder vereint], es gibt nur noch ein
       Deutschland. Aber ist dieses Land seitdem eins geworden? Die Unterschiede
       zwischen dem [2][Osten] und dem Westen Deutschlands sind nach wie vor groß.
       Aber hat sich deshalb schon so etwas wie eine spezifische Ost-Identität
       herausgebildet? 
       
       Ist „ostdeutsch" nur eine Zuschreibung - oder gibt es darüber hinaus etwas,
       dass Menschen mit ostdeutscher Biografie verbindet? Warum bezeichnen sich
       heute sogar [3][junge Menschen als „ostdeutsch"], die nach der Wende
       geboren wurden oder die [4][DDR] gar nicht bewusst miterlebt haben? Hat
       erst die Wendezeit dazu geführt, dass sich Menschen als Ostdeutsche
       verstehen? 
       
       30 Jahre nach der [5][Wiedervereinigung] wollen wir fragen: welche
       Erinnerungen stehen zum Jubiläum im Vordergrund? Und welche Erinnerungen
       werden ausgeblendet? Der Prozess der „Wiedervereinigung" wurde von Manchen
       als „Kolonialisierung“ beschrieben und vielfach auch so empfunden. 
       
       ## „Ossis“ integrieren?
       
       Manche Ostdeutsche fühlen sich bis heute als „Bürger zweiter Klasse“.
       Dieses Gefühl haben sie mit anderen Gruppen gemein – etwa mit Menschen mit
       [6][Migrationshintergrund] oder [7][People of Color]. Aber kann man die
       Erfahrungen von Ostdeutschen und von Menschen mit Migrationshintergrund
       oder POC wirklich vergleichen? 
       
       Und was ist mit den Erfahrungen der Ostdeutschen mit Migrationshintergrund
       oder POC? Schließlich gibt es im Bundestag keine Partei, die gegen
       Ostdeutsche hetzt. Ostdeutsche erfahren auch keinen – nicht selten
       tödlichen – [8][Rassismus]. 
       
       [9][„Integriert doch erst mal uns"], nannte die sächsische
       Integrationsministerin [10][Petra Köpping] ihre „Streitschrift für den
       Osten", die sie 2017 veröffentlichte. Damit hat Köpping die
       „Integrationsdebatte", die hauptsächlich um Einwander*innen und deren
       Nachkommen kreist, um die Ostdeutschen erweitert. 
       
       Doch inwiefern müssen benachteiligte Gruppen überhaupt „integriert" werden,
       um gleichberechtigt an dieser Gesellschaft teilzuhaben? Wie lässt es sich
       außerdem vermeiden, dass benachteiligte Gruppen gegeneinander ausgespielt
       werden – oder sich gegeneinander ausspielen lassen? Und lassen sich
       stattdessen sogar Allianzen schmieden? 
       
       • Darüber sprechen wir mit unseren Gästen: 
       
       [11][ Jeannette Gusko] ist Sprecherin beim Netzwerk "Dritte Generation
       Ostdeutschland". Die Gründerin vom Campaign Boostcamp, einem
       Trainingsprogramm für eine neue Generation von Campaignern*innen, arbeitete
       zuvor als Leiterin der Kommunikation bei Change.org, der weltgrößten
       Plattform für gesellschaftliche Kampagnen. Jeannette ist für ihre Arbeit
       mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. ist sie Raisina Young Fellow 2021. 
       
       [12][Dr. Patrice G. Poutrus] ist Historiker und - als ehemaliger Bürger der
       DDR - „Zeitgenosse eines Zusammenbruchs", wie er selbst sagt. Seit 2016 ist
       er Mitglied im DFG-Netzwerk „Grundlagen der Flüchtlingsforschung". Seit
       2019 arbeitet er am Lehrstuhl für Neuere und Zeitgeschichte und
       Geschichtsdidaktik der Universität Erfurt im Projekt "Diktaturerfahrung und
       Transformation - Partizipative Erinnerungsforschung". 
       
       [13][Dr. Kathleen Heft] ist Kulturwissenschaftlerin. Sie forscht zu
       ostdeutschen Identitätskonstruktionen und Prozessen des Othering
       ("Ossifizierung") in der postmigrantischen Gesellschaft. Sie arbeitet in
       der Abteilung „Konsens und Konflikt" am DeZIM-Institut. 
       
       Moderation: [14][Julia Boek] (Jahrgang 1980) ist Redakteurin und
       stellvertretende Ressortleiterin bei taz eins, das die ersten fünf Seiten
       der taz verantwortet. Zuvor arbeitete sie für verschiedene Zeitungen und
       Zeitschriften und war Chefredakteurin des Magazins für Alltagskultur „Der
       Wedding“. Sie schreibt über Ostdeutschland, Postkolonialismus und
       Alltagskultur. 
       
       Bei DeZIM meets taz diskutieren Wissenschaftler*innen und Gäste zu
       gesellschaftspolitischen Aspekten der aktuellen Covid19-Krise. Die Reihe
       ist eine Kooperation zwischen dem [15][Deutschen Zentrum für Integrations-
       und Migrationsforschung (DeZIM)] und der Tageszeitung taz. 
       
       Anregungen und Fragen zum neuen Format taz Talk nehmen wir gerne entgegen
       unter [16][taztalk@taz.de].
       
       30 Sep 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Debatte-30-Jahre-deutsche-Einheit/!5714410/
 (DIR) [2] /Schwerpunkt-Ostdeutschland/!t5024378/
 (DIR) [3] /Soziologe-ueber-ostdeutsche-Identitaet/!5516855/
 (DIR) [4] /DDR/!t5008124/
 (DIR) [5] /Wiedervereinigung/!t5021942/
 (DIR) [6] /Schwerpunkt-Ostdeutsche-und-Migranten/!t5516941/
 (DIR) [7] /Antirassistische-Sprache/!5702930/
 (DIR) [8] /Schwerpunkt-Rassismus/!t5357160/
 (DIR) [9] /Streitschrift-zur-Ost-Integration/!5532002/
 (DIR) [10] /Kandidatin-fuer-den-SPD-Vorsitz/!5616292/
 (DIR) [11] http://wirsindderosten.de/menschen/jeannette-gusko/
 (DIR) [12] https://www.uni-erfurt.de/philosophische-fakultaet/seminare-professuren/historisches-seminar/neuere-und-zeitgeschichte-und-geschichtsdidaktik/profil-und-team/projektmitarbeiterinnen/dr-patrice-poutrus
 (DIR) [13] https://www.dezim-institut.de/das-dezim-institut/dr-kathleen-heft/
 (DIR) [14] /Julia-Boek/!a24179/
 (DIR) [15] http://dezim-institut.de/
 (DIR) [16] /taztalk@taz.de
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA