# 20260818-01
       # 2026-08-18
       # Drei Jahre GaOP
       
       michaela@molthagen.de
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       Drei Jahre GaOP
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       Gestern habe ich es aus gesundheitlichen Gruenden leider verpasst: mein
       dreijaehriges Jubilaeum der GaOP, der genitalangleichenden OP.
       
       Es war schmerzhaft, es war koerperlich und psychisch herausfordernd - und es
       war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
       
       Es blieb nicht ohne Komplikationen, die bis heute anhalten - dennoch bereue
       ich die OP nicht im Geringsten.
       
       Manchmal bereue ich, dass ich mich aus medizinischen Gruenden (wegen einer
       schwerwiegenden Hauterkrankung) fuer eine kleine Loesung entschieden habe,
       eine Neovulva ohne Neovagina. So habe ich zwar Vulvalippen und Klitoris,
       aber eben keine Vagina. Ware ich juenger gewesen und nicht 55 Jahre alt,
       waere es kein Problem gewesen, aber so war mir das Risiko zu gross, dass
       es zu Schwierigkeiten kommt.
       
       Zu meiner Ueberraschung hatte weder die Krankenkasse noch der Medizinische
       Dienst irgenwelche Versuche unternommen, mir Steine in den Weg zu legen.
       Letzten Endes wurden mir sowohl Neovulva als auch Neovagina genehmigt,
       obwohl ich nur die Neovulva beantragt hatte und im Indikationsschreiben
       der Psychotherapeutin auch nur von der Neovulva-OP die Rede war.
       
       Seit drei Jahren lebe ich nun mit der Neovulva und der Neoklitoris und
       bin sehr gluecklich damit. Ich habe grosse Angst vor OPs, aber diese OP
       war fuer mich unverzichtbar. Es gaebe weitere feminisierende OPs, aber da
       ueberwiegt die Angst der OP dann doch (und auch da gilt, dass es zu viele
       Risiken aufgrund meiner Vorerkrankung gaebe).
       
       Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle: Ist der Wunsch, eine Vulva
       (und Vagina) zu haben, bei Frauen angeboren - oder ist es nicht eher
       etwas, das man uns beibringt: Frauen haben Vulva und Vagina, Brueste,
       eine weibliche Stimme, weibliche Gesichtszuege. Misogyne Geschlechter-
       klischees, die wir internalisieren, die wir uns zu eigen machen, obwohl
       wir damit patriarchale Vorstellungen reproduzieren, wie Frauen auszusehen,
       wie Frauen zu klingen haben.
       
       Ich glaube, dass es anerzogen ist, sozial konstruiert, wie Frauen auszusehen
       haben, wie sie zu klingen haben, wie sie sich zu bewegen haben. Und das
       Fundament ist das Patriarchat.
       
       Fuer uns trans Frauen gilt immer beides: sehen wir nicht feminin genug aus,
       klingt unsere Stimme nicht weiblich genug, schminken wir uns nicht, tragen
       wir keine hohen Absaetze, entsprechen wir also den Geschlechterklischees nicht,
       dann sind wir angeblich nicht weiblich genug, aber wenn wir all das tun,
       um moeglichst feminin zu wirken, um ein gutes Passing als Frauen zu haben,
       dann verraten wir angeblich den Feminismus, weil wir Geschlechterklischees
       reproduzieren. Wir koennen es eigentlich nur falsch machen.
       
       Das gehoert zu dem, was so vielen trans Frauen (bei trans Maennern und
       nichtbinaeren Personen ist es im Prinzip nicht anders) das Leben so
       schwer macht, was Depressionen ausloesen kann, was zu Detransitionen und
       manchmal sogar zu Suiziden fuehrt.
       
       Manche haben mich gefragt, ob meine OP denn bedeute, dass Gott einen Fehler
       gemacht habe, den ich mit der OP haette korrigieren lassen.
       
       Ich bin ueberzeugt, dass Gott keine Fehler macht. Und gaebe es nicht diese
       Geschlechterklischees, die uns aufgezwungen werden, waere ich wohl auch
       mit Penis gluecklich gewesen.
       
       Der Fehler liegt also bei uns Menschen und unseren patriarchalen
       Geschlechterklischees, bei mir, der ich nicht damit leben konnte, Penis
       und Hoden zu haben - vor allem auch wegen der anderen Menschen, fuer die
       es keine Frau mit Penis geben kann.
       
       Gott hat keinen Fehler gemacht, als er mich als Frau mit Penis schuf. Dass
       ich damit nicht leben wollte, liegt an mir.
       
       Es gibt Frauen mit Penis. Sie sind echt. Keine trans Frau braucht die GaOP,
       um eine "richtige Frau" zu sein.
       
       Die GaOP erleichtert uns trans Frauen in dieser Gesellschaft das Leben,
       darum bin ich dankbar, dass ich diese Moeglichkeit hatte und wahrgenommen
       habe.
       
       Ich bin deswegen nicht besser als die trans Frauen, die keine hatten - ich
       bin nicht mehr eine "echte Frau" als sie. Aber wir leben in einer
       Gesellschaft, in der trans Frauen mit gutem Passing besser dran sind als
       die ohne. Das gilt nicht nur fuer die Genitalien, aber eben auch.
       
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