i# taz.de -- Panter Preisträger von 2021: Scheinbare Spinner als wahre Realisten taz.de 70 i taz.de 70 i> Wasserstraße statt Autobahn: Der Nürnberg-Fürther Stadtkanal e.V., Panter taz.de 70 i> Preisträger im Vorjahr, hält einen Kongress ab und freut über viele neue taz.de 70 i> Impulse taz.de 70 i taz.de 70 IBild: Hartnäckiger Träumer: Theobald Fuchs bei einer Begehung am Frankenschnellweg /picture/5881540/948/Stadtkanal-Kongress_-_10-2022_-_Jo_Seuss__98_.JPG taz.de 70 i taz.de 70 iVON JO SEUSS taz.de 70 i taz.de 70 i[1][taz Panter Preis], 31.10.22 | Der mannshohe rot-weiße Leuchtturm mit taz.de 70 ieiner kleinen Diskokugel oben drauf steht symbolträchtig im Foyer des taz.de 70 iStadtteilzentrums Villa Leon, als wolle er alle neuen Bootsmänner begrüßen. taz.de 70 i taz.de 70 iDer Verein Nürnberg-Fürther Stadtkanal hat zum ersten Kongress geladen, taz.de 70 iwomit er ein Versprechen einlöst, das er bei der Bewerbung um den Panter taz.de 70 iPreis der taz Panter Stiftung im vergangenen Herbst gegeben hat. Die taz.de 70 iLeser:innen kürten das Konzept zum [2][Sieger] – und mit dem Preisgeld von taz.de 70 i5.000 Euro haben die Aktiven um den Vereinsvorsitzenden Theobald Fuchs ein taz.de 70 ispannendes, achtstündiges Vortrags- und Diskussionsprogramm auf die Beine taz.de 70 igestellt. taz.de 70 i taz.de 70 iDie Villa Leon ist ein passender Ort, gehörte das Gebäude doch zum taz.de 70 istillgelegten Nürnberger Schlachthof, vor dem sich lange ein Hafen des taz.de 70 ialten Ludwig-Kanals aus dem 19. Jahrhundert befand. Die Wasserstraße musste taz.de 70 iin den 1960er Jahren einer Art Stadtautobahn mitten durch Nürnberg weichen, taz.de 70 ials landauf, landab die autogerechte Stadt das Maß aller Dinge war. Der taz.de 70 isogenannte Frankenschnellweg hat sich allerdings als Problemkind entpuppt, taz.de 70 iweil er stauträchtig, lärmend und abgasintensiv ist. taz.de 70 i taz.de 70 i## Wider die Schnellstraße taz.de 70 i taz.de 70 iDies hat dazu geführt, dass seit Jahrzehnten über einen Umbau mit taz.de 70 iUntertunnelung und grüner Kosmetik an der Oberfläche nachgedacht wird. taz.de 70 iGegen die beschlossenen Pläne klagt seit 2015 allen voran der Bund taz.de 70 iNaturschutz (BUND), und das durchaus erfolgreich. Die Stadt musste taz.de 70 inachbessern, eine aufwändige Umweltverträglichkeitsprüfung nachreichen und taz.de 70 izusehen, wie die Kosten von zuerst 200 auf fast 700 Millionen Euro taz.de 70 ihochschnellten. taz.de 70 i taz.de 70 iAngesichts dessen lehnen Kritiker:innen das „Dinosaurierprojekt“, wie Tom taz.de 70 iKonopka vom BUND nicht müde wird zu betonen, entschieden ab und plädieren taz.de 70 ifür alternative Konzepte. Auch Ernesto Buholzer, Stadtrat der alternativen taz.de 70 iPolitbande, hält einen Neuansatz für notwendig. Zuerst habe er die 2018 taz.de 70 ivorgestellte Idee einer Stadtkanal-Renaissance für Spinnerei gehalten. Wie taz.de 70 iviele, die sich intensiver damit auseinandergesetzt haben, findet er heute: taz.de 70 i„Der Frankenschnellweg-Ausbau ist verrückter als der Stadtkanal.“ taz.de 70 i taz.de 70 iDie Vision, die Theobald Fuchs und Mistreiterin Michaela Schneider auf dem taz.de 70 iKongress vorstellen, hat drei Eckpunkte: Innovation, Tourismus, taz.de 70 iGewerbeansiedlung und Personentransport auf dem Wasser gehören zum Aspekt taz.de 70 iWirtschaft; unter Umwelt stehen neue Kleingärten, die Frischluftschneise im taz.de 70 iWesten der Stadt, der grüne Gürtel durch die Entsiegelung der taz.de 70 iAsphaltpisten, die kühlenden Wasserflächen, die Verbindung ökologischer taz.de 70 iFlächen und die Reduktion von Abgasen und Abrieb; und unter Soziales fallen taz.de 70 iFreizeit, genossenschaftlicher Bau und Betrieb sowie der soziale taz.de 70 iWohnungsbau, der auf 40 Hektar auf freiwerdender Auffahrten entstehen taz.de 70 ikönnte. taz.de 70 i taz.de 70 i## Verkehr ist kein Naturgesetz taz.de 70 i taz.de 70 iAuf die Frage, wo die werktäglich über 50.000 Fahrzeuge auf dem taz.de 70 iFrankenschnellweg hinsollen, gibt es folgende Antworten: Ausbau von Nah- taz.de 70 iund Radverkehr, Transport mit Booten auf dem Wasser und eine Verkehrswende, taz.de 70 idie bei den Autos zum Umfahren der Stadt und zum Umsteigen auf andere taz.de 70 iVerkehrsmittel führt. taz.de 70 i taz.de 70 iHier hakt auch Hochschulprofessor Harald Kipke ein, der über intelligente taz.de 70 iVerkehrsplanung forscht. „Ist der Verkehr als Naturgesetz gottgegeben?“, taz.de 70 ifragt er provokant und hält es für himmelschreiend, „wie hier eine Stadt taz.de 70 izerstört wird“. Die Menschen im Raum Nürnberg müssten „erst mal taz.de 70 isensibilisiert werden“, um die Chancen für eine echte Verkehrswende zu taz.de 70 isehen. Gerade mit Blick auf die Klimakrise und notwendige CO²-Einsparungen taz.de 70 isei es notwendig, vieles neu zu denken – vom Gebot der „15-Minuten-Stadt taz.de 70 iper Fahrrad und zu Fuß“ über den „offensiven ÖPNV-Ausbau“ bis zum Aus für taz.de 70 iPrivat-Autos. Sein Fazit lautet: „Es ist mehr möglich, als man denkt.“ taz.de 70 i taz.de 70 iDass Bilder noch mehr sagen als tausend Worte beweisen Aufnahmen aus taz.de 70 iGrenoble, wo 2004 am Grand Boulevard eine Fahrspur gekappt wurde. Auch Anne taz.de 70 iKlein-Hitpaß vom Deutschen Institut für Mobilität sorgt mit Fotos von der taz.de 70 iabgebauten „Siegener Platte“ für Aufsehen. Da jede Stadt anders sei, gibt taz.de 70 ies ihrer Ansicht nach keine Patentlösung. Trotzdem müsse die Bundespolitik taz.de 70 i„an Stellschrauben gegen umweltschädliche Förderung drehen“, damit die taz.de 70 iVerkehrswende schneller und mutiger geschehe. taz.de 70 i taz.de 70 i## Utrecht als Vorbild taz.de 70 i taz.de 70 iAm eindrucksvollsten ist beim Kongress der Auftritt von Eelco Eerenberg, taz.de 70 idem Mobilität-Stadtrat von Utrecht, der sich per Zoom einklinkt. Die taz.de 70 iholländische 350.000-Einwohner-Stadt hat genau das gemacht, was der taz.de 70 iNürnberg-Fürther Stadtkanal erreichen möchte: Eine Stadtautobahn aus den taz.de 70 i1960er Jahren wurde zu einem Kanal verwandelt. Nach einem Bürgerentscheid taz.de 70 ianno 2002 dauerte es zwar bis zum Sommer 2011, bis die Arbeiten für das taz.de 70 iknapp ein Kilometer lange Stück begannen. Im Herbst 2021 war die neue taz.de 70 iWasserverbindung zwischen Bahnhof, Einkaufszentrum und der historischen taz.de 70 iAltstadt aber vollendet. taz.de 70 i taz.de 70 iIn Utrecht stößt die ebenso innovative wie ökologische Form der taz.de 70 iStadtreparatur auf viel Begeisterung, was auch damit zu tun hat, dass taz.de 70 iPartizipation angesagt war und viel Wert auf Kultur, Grün, Freizeit und taz.de 70 iFahrradförderung gelegt wurde. „Wir sind stolz auf das Projekt in Utrecht“, taz.de 70 isagt Eerenberg. Vorrangig wurde es von der Stadt, aber auch mit Hilfe von taz.de 70 iInvestoren finanziert. taz.de 70 i taz.de 70 iUnd es hat sich herumgesprochen: Utrecht ist die am stärksten wachsende taz.de 70 iStadt in den Niederlanden und besitzt am Hauptbahnhof das größte taz.de 70 iFahrradparkhaus der Welt mit 12.500 Stellplätzen. Kein Wunder, dass etliche taz.de 70 iKongress-Gäste planen, das Vorbild nächstes Frühjahr zu besuchen. taz.de 70 i taz.de 70 i## Alternativen auf dem Prüfstand taz.de 70 i taz.de 70 iBei einem einstündigen Spaziergang rund um den Frankenschnellweg fällt beim taz.de 70 inäheren Hinsehen auf, dass die Stadtautobahn, ursprünglich als ein Interim taz.de 70 iwährend des U-Bahnbaus gedacht, vielfach provisorisch wirkt und als taz.de 70 idringend sanierungsbedürftig gilt. Kostenpunkt: gut 100 Millionen Euro. Wie taz.de 70 ihoch im Vergleich die Kosten einer Stadtkanal-Realisierung sind, lässt sich taz.de 70 ibisher nicht belastbar beziffern. Notwendig dafür ist eine professionelle taz.de 70 iUntersuchung. taz.de 70 i taz.de 70 iBei der abschließenden Diskussionsrunde mit zwei Stadträt:innen verständigt taz.de 70 iman sich am Ende auf einen Antrag, bei dem alle Alternativen zum taz.de 70 ikreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs auf den Prüfstand kommen. taz.de 70 iLaut dem Grünen-Verkehrsexperten Mike Bock, der den Stadtkanal als „ein taz.de 70 ischönes Projekt“ und „eine Utopie, die wir brauchen“ bezeichnet, wird sein taz.de 70 iPolitbande-Kollege Ernesto Buholzer nun die Initiative ergreifen, die von taz.de 70 ider Grünen-Fraktion unterstützt wird. taz.de 70 i taz.de 70 iAuch SPD-Stadträtin Christine Kayser signalisiert Zustimmung, obwohl sie taz.de 70 ider Stadtkanal-Idee als „sehr utopisches Projekt“ wenig Chancen einräumt taz.de 70 iund sich selbst um die Pegnitz kümmern will. Anders sieht das Christoph taz.de 70 iWallnhöfer vom Verkehrsclub Deutschland, der mit einem kleinen Prototyp für taz.de 70 iein VAG-Linien-Stadtkanal-Boot für viel Vorfreude gesorgt hat. „Die Leute taz.de 70 isind schon weiter“, sagt er an die Adresse der Kommunalpolitiker:innen. taz.de 70 i taz.de 70 i## Wende mit Vernunft taz.de 70 i taz.de 70 iModeratorin Kathi Mock warnt selbige davor, die Aktiven des taz.de 70 iNürnberg-Fürther Stadtkanals zu belächeln. Sie erinnert an Professor Rolf taz.de 70 iKuhn, dem Ex-IBA-Geschäftsführer in der Lausitz, wo eine Braunkohleregion taz.de 70 ikulturell und architektonisch beispielhaft aufgewertet wurde. Seine taz.de 70 iErklärung, wie es geklappt hat, ist eine zentrale Botschaft des taz.de 70 iStadtkanal-Kongresses geworden: „Die scheinbaren Spinner sind manchmal die taz.de 70 iwahren Realisten.“ taz.de 70 i taz.de 70 iFür Vereinschef Theobald Fuchs ist der Satz einer von vielen „wunderbaren taz.de 70 iImpulsen“, die er mitgenommen hat: „Man hatte den ganzen Tag das Gefühl, taz.de 70 iunter Gleichgesinnten mit Logik und Vernunft über die reale Möglichkeit taz.de 70 ieiner echten Wende der Nürnberger Verkehrspolitik zu sprechen.“ Von zwei taz.de 70 iEcovillage-Aktiven aus Hannover gab es den Tipp, frühzeitig die Ehren- taz.de 70 idurch Hauptamtliche zu ergänzen. taz.de 70 i taz.de 70 iAnsonsten ist Fuchs „beseelt“, dass der Prüfantrag für alternative Konzepte taz.de 70 i„in greifbare Nähe gerückt scheint“. Und er freut sich, dass die Zahl der taz.de 70 iMitglieder von 56 auf 71 Mitglieder gestiegen ist. Alle Neuen bekommen aus taz.de 70 idem rot-weißen Leuchtturm ein Begrüßungsset mit drei Ahoj-Brause-Tütchen taz.de 70 iund einer kleinen Schaufel. taz.de 70 i taz.de 70 iWeitere Infos und Videos vom Kongress gibt es online unter [3][www.nfsk.de] taz.de 70 i taz.de 70 i31 Oct 2022 taz.de 70 i taz.de 70 i## LINKS taz.de 70 i taz.de 70 1[1] /Panter-Preis/!p4207/ /Panter-Preis/!p4207/ taz.de 70 1[2] /Panter-Preis-Nominierte/!vn5799024 /Panter-Preis-Nominierte/!vn5799024 taz.de 70 1[3] https://nfsk.de/ https://nfsk.de/ taz.de 70 i taz.de 70 i## AUTOREN taz.de 70 i taz.de 70 1Jo Seuß /!a66139 taz.de 70 i taz.de 70 i## ARTIKEL ZUM THEMA taz.de 70 .