i# taz.de -- Globales Ernährungssystem: Von Malmö und São Paulo lernen taz.de 70 i taz.de 70 i> Unsere Ernährung ist klima- und umweltschädlich und schadet der taz.de 70 i> Gesundheit. Nötig sind ein radikaler Umbau und mehr demokratische taz.de 70 i> Beteiligung. taz.de 70 i taz.de 70 IBild: Kann gelernt werden: gesunde Ernährung /picture/5236062/948/28903846-1.jpeg taz.de 70 i taz.de 70 iDie heutige Art der Ernährung führt in den Abgrund. Was wir essen und taz.de 70 itrinken, ist für 21 bis 37 Prozent [1][der klimaschädlichen Gase taz.de 70 iverantwortlich]. Das beginnt bei abgeholzten Regenwäldern für Tierfutter, taz.de 70 igeht über klimaschädlichen Kunstdünger bis hin zu hohem Fleischkonsum und taz.de 70 iimmenser Lebensmittelverschwendung. Hinzu kommen aufwendige taz.de 70 iTransportketten: Wer heute eine Tiefkühlpizza in den Einkaufswagen legt, taz.de 70 ientscheidet sich für ein Produkt, dessen Zutaten mit hoher taz.de 70 iWahrscheinlichkeit aus mehreren Kontinenten stammen. taz.de 70 i taz.de 70 iDabei ist die Klimakatastrophe längst nicht das einzige Umweltproblem, das taz.de 70 idas heutige Ernährungssystem mitverursacht. Hinzu kommen Artensterben und taz.de 70 ider gestörte Stickstoff-Phosphor-Kreislauf – beides ist bedrohlich für die taz.de 70 iZukunft der Menschheit. Zwar findet vieles davon nicht unmittelbar in den taz.de 70 iStädten statt – aber ohne die dortige Nachfrage gäbe es einen Großteil der taz.de 70 iProbleme nicht. Fast 100 Städte aus aller Welt haben sich deshalb mit der taz.de 70 i[2][Glasgow-Erklärung „Ernährung und Klima“] selbst verpflichtet, eine taz.de 70 ineue, ganzheitliche Ernährungspolitik zu entwickeln. taz.de 70 i taz.de 70 iZu den Unterzeichnenden gehören unterschiedliche Kommunen wie São Paulo und taz.de 70 iMalmö, Darebin in Australien und Okene in Nigeria. Deutsche Städte fehlen taz.de 70 ibisher. Klimaschutz wird hier vor allem als Energie- und Mobilitätsproblem taz.de 70 iwahrgenommen – und oft steht im Land der Ingenieure und Maschinenbauer taz.de 70 iTechnik im Zentrum. taz.de 70 i taz.de 70 iErnährung ist aber auch ein Gerechtigkeits-, Wirtschafts-, Kultur- und taz.de 70 iBildungsthema. Über 800 Millionen Menschen hungern weltweit, vor allem taz.de 70 isolche in ländlichen Regionen. [3][Der Klimawandel], aber auch der Anbau taz.de 70 ivon Energiepflanzen und Futtermitteln für den Weltmarkt rauben ihnen die taz.de 70 iLebensgrundlage. Zugleich nehmen Übergewicht, Adipositas und Allergien taz.de 70 iweltweit zu. taz.de 70 i taz.de 70 iZentrale Ursache dafür sind hochverarbeitete Lebensmittel, die viel Zucker taz.de 70 ials Füllstoff enthalten und die Bakterien im Dickdarm verhungern lassen. taz.de 70 iWer im Kindesalter überschüssige Kilo ansammelt, wird dieses Problem taz.de 70 ioftmals nicht mehr los. Für diese Menschen bedeutet das oft Scham – und für taz.de 70 idie Krankenkassen hohe Kosten wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. taz.de 70 i taz.de 70 i„Entlang der gesamten Nahrungsmittelkette [haben sich] nicht nachhaltige taz.de 70 iDynamiken verfestigt …, die in erster Linie von industriellen Nahrungs- und taz.de 70 iLandwirtschaftssystemen herrühren“, analysiert die Glasgow-Erklärung. Nötig taz.de 70 iseien integrierte und ganzheitliche Ansätze. Dafür müssten vielfältige taz.de 70 iGruppen einbezogen werden – von den Arbeiter*innen in der Land- und taz.de 70 iLebensmittelwirtschaft über zivilgesellschaftliche Gruppen und Forschende taz.de 70 ibis hin zu Indigenen und Jugendlichen. taz.de 70 i taz.de 70 iIn weiten Teilen der deutschen Politik ist allerdings noch nicht taz.de 70 iangekommen, dass ein radikaler Umbau des Ernährungssystems nötig ist. taz.de 70 iBisher bewegt sich die Debatte auf eher niedrigem Niveau. Da geht es darum, taz.de 70 iob die Politik das Recht hat, Grillfreunden ihr Nackensteak madig zu machen taz.de 70 ioder ein Veggie-Tag in Kantinen einen zu starken Eingriff in die taz.de 70 iindividuelle Freiheit darstellt. Der politische Umgang erinnert an die taz.de 70 iAufforderung an das Titanic-Orchester, weiterzuspielen, um die Passagiere taz.de 70 inicht zu beunruhigen. taz.de 70 i taz.de 70 iWeil Regierungen in Deutschland auf allen Ebenen das Problem nicht in taz.de 70 iangemessener Weise angehen, müssen die nötigen Anstöße von woanders kommen. taz.de 70 iSinnvoll wäre es, auf Bundesebene einen Bürger*innenrat einzurichten, taz.de 70 ider durch Zufallsauswahl per Los zusammengesetzt ist. Internationale taz.de 70 iErfahrungen zeigen, dass Bürger*innenräte zu klugen und durchaus taz.de 70 iradikalen Vorschlägen in der Lage sind – auch weil Lobbyisten dort keinen taz.de 70 iEinfluss haben. Stattdessen können sie Expert*innen einladen und taz.de 70 ibefragen. taz.de 70 i taz.de 70 iAn Expertise mangelt es nicht. So hat der Leiter [4][des Potsdam-Instituts taz.de 70 ifür Klimafolgenforschung (PIK)], Johan Rockström, zusammen mit anderen taz.de 70 iWissenschaftler*innen einen Speiseplan entwickelt, mit dem sowohl der taz.de 70 iPlanet Erde gesund bleiben als auch die gesamte Erdbevölkerung gut ernährt taz.de 70 iwerden könnte. Pro Kopf und Tag bedeutet das im Durchschnitt: 550 Gramm taz.de 70 iObst und Gemüse, 230 Gramm Vollkorngetreide, 75 Gramm Hülsenfrüchte, 50 taz.de 70 iGramm Nüsse, 250 Gramm Milchprodukte, 13 Gramm rotes Fleisch, 29 Gramm taz.de 70 iGeflügel und 28 Gramm Fisch. Wie so etwas umzusetzen ist, ist allerdings taz.de 70 inoch eine ungelöste Frage. taz.de 70 i taz.de 70 i## Bevölkerung muss den Wandel mittragen taz.de 70 i taz.de 70 iKlar ist: Die notwendigen Veränderungen kann es nur geben, wenn sie die taz.de 70 iBevölkerung breit mitträgt. Der Berliner Ernährungsrat schlägt deshalb vor, taz.de 70 ieinen ernährungsdemokratischen Campus für die Region Brandenburg-Berlin taz.de 70 ieinzurichten. Dort soll echte Partizipation stattfinden. Menschen mit taz.de 70 ivielfältigen Erfahrungen und Hintergründen würden nach Wegen für die große, taz.de 70 idrängende Frage suchen: Wie können Produktion und Konsum aller in der taz.de 70 iRegion benötigten Lebensmittel die planetaren Grenzen wahren und zugleich taz.de 70 isozial fair sein? taz.de 70 i taz.de 70 iHier soll diskutiert, experimentiert und gemeinsam an Lösungen gearbeitet taz.de 70 iwerden. Expert*innen sind eingeladen, um Informationen und Hintergründe taz.de 70 izu liefern. In Berlin-Brandenburg gibt es bereits viel Forschung zu taz.de 70 iunterschiedlichsten Aspekten eines zukunftsfähigen Ernährungssystems. taz.de 70 iGleichzeitig arbeiten mehrere Initiativen, Projekte und Unternehmen an taz.de 70 ikonkreten Mosaiksteinen. Was noch fehlt, ist eine große, gemeinsame Vision taz.de 70 i– und der Weg dorthin. taz.de 70 i taz.de 70 iDas alles kann nur funktionieren, wenn das Zukunftsbild attraktiv taz.de 70 ierscheint. Doch was spricht dagegen? Wie kaum ein anderes Thema kann Essen taz.de 70 iGenuss bedeuten. Etwas Leckeres genießen, dabei Zeit haben zu quatschen, taz.de 70 iGemeinschaft zu erleben – ist das keine gute Perspektive in einer Welt, in taz.de 70 ider viele Menschen irgendetwas Kalorienhaltiges zwischendurch taz.de 70 irunterschlingen, nur damit es gleich weitergehen kann mit der Arbeit und taz.de 70 isonst was? taz.de 70 i taz.de 70 iAnnette Jensen ist freie Journalistin und Buchautorin und eine der taz.de 70 iSprecher*innen des Berliner Ernährungsrats. Sie hat die Redaktion taz.de 70 igeleitet für das soeben erschienene Buch: „Berlin isst anders. Ein taz.de 70 iZukunftsmenü für Berlin und Brandenburg“. Gratis-Download unter: taz.de 70 ihttps://ernaehrungsrat-berlin.de/berlin-isst-anders/ taz.de 70 i taz.de 70 i23 Nov 2021 taz.de 70 i taz.de 70 i## LINKS taz.de 70 i taz.de 70 1[1] /CO2-Kennzeichnung-von-Lebensmitteln/!5709576 /CO2-Kennzeichnung-von-Lebensmitteln/!5709576 taz.de 70 1[2] https://de.glasgowdeclaration.org/ https://de.glasgowdeclaration.org/ taz.de 70 1[3] /Aktueller-Welthungerindex/!5808035 /Aktueller-Welthungerindex/!5808035 taz.de 70 1[4] https://www.pik-potsdam.de/de https://www.pik-potsdam.de/de taz.de 70 i taz.de 70 i## AUTOREN taz.de 70 i taz.de 70 1Annette Jensen /!a254 taz.de 70 i taz.de 70 i## TAGS taz.de 70 i taz.de 70 1Ernährung /!t5008937 taz.de 70 1Podcast „Vorgelesen“ /!t5728399 taz.de 70 1Schwerpunkt Bio-Landwirtschaft /!t5022870 taz.de 70 1Schwerpunkt Klimawandel /!t5008262 taz.de 70 1Vegetarismus /!t5283658 taz.de 70 1Ernährung /!t5008937 taz.de 70 i taz.de 70 i## ARTIKEL ZUM THEMA taz.de 70 i taz.de 70 1Neue internationale Studie: Klima bedroht globale Gesundheit /!5890852 taz.de 70 i taz.de 70 iWissenschaftler:innen warnen vor weltweit mehr Kranken, Hitzetoten, taz.de 70 iHunger und Mangelernährung. 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