i# taz.de -- Skulpturenpark Schlossgut Schwante: Landpartie in Brandenburg taz.de 70 i taz.de 70 i> Obstbäume, Ponys, ein altes Backsteingebäude mit Restaurant und Hofladen taz.de 70 i> – und ein Skulpturenpark mit Kunst, die einen diskursiven Raum eröffnet. taz.de 70 i taz.de 70 IBild: Installationsansicht: Bettina Allamoda, „Outdoor Wrap“, 2018/2021 /picture/5025026/948/B.Allamoda-OW2-1.jpeg taz.de 70 i taz.de 70 iAuf dem Weg hinaus aus Berlin, zum 25 Kilometer nordöstlich gelegenen taz.de 70 iSkulpturenpark des Schlossguts Schwante, kann man sich mit Grenzen taz.de 70 ibeschäftigen: den Grenzen zwischen Stadt und Land, Zivilisation und Natur, taz.de 70 iÖffentlichem und Privatem. Fuhr man gerade noch vorbei an Lagerhallen und taz.de 70 iWindrädern, eröffnet sich nach dem Abbiegen in Schwante eine unerwartete taz.de 70 iIdylle. taz.de 70 i taz.de 70 iEine Allee führt auf das Gutshaus zu, dessen Entwurf Knobelsdorff taz.de 70 izugeschrieben wird, dem großen Baumeister des Friderizianischen Rokoko. Da taz.de 70 isind Obstbäume, Ponys, ein altes Backsteingebäude mit Restaurant und taz.de 70 iHofladen. In Pandemie- und Krisenzeiten, in denen die AFD mit dem Slogan taz.de 70 i„Deutschland. Aber normal“ wirbt, triggert dieser pastorale Anblick taz.de 70 iSehnsucht nach einer heileren Welt. taz.de 70 i taz.de 70 iFür Städter sowieso ist die Fahrt hinaus aufs Land oft so etwas wie eine taz.de 70 iRückkehr, nicht nur zur Natur, sondern auch zu einer idealisierten taz.de 70 iVergangenheit, in der alles noch seinen Platz hatte, wusste, wo es taz.de 70 ihingehört, Mensch, Pflanze, Tier. Natürlich soll dieser „Gutshof taz.de 70 i1900“-Traum nur ein paar Stunden dauern. Er soll auch nicht wilhelminisch taz.de 70 ispröde und nüchtern aussehen, sondern freundlicher, inklusiver – aufgepimpt taz.de 70 imit Molkeschwein, Marmelade, Kunst und Natur. taz.de 70 i taz.de 70 i## Eine Landlust-Geschichte wäre schnell erzählt taz.de 70 i taz.de 70 i[1][Auch Schloss Schwante mit seinem Park] könnte die Folie für solche taz.de 70 iVerklärungen bieten. Die Landlust-Geschichte wäre schnell erzählt: Ein taz.de 70 iBerliner Kunstunternehmerpaar, die ehemalige Richterin Loretta Würtenberger taz.de 70 iund Daniel Tümpel, ehemaliger Investmentbanker und Enkel eines renommierten taz.de 70 iBauhaus-Künstlers, kaufen 2019 das Gut. Sie richten es her, ziehen mit taz.de 70 iihrer Familie in das Herrenhaus. taz.de 70 i taz.de 70 iSie nutzen ihre internationalen Verbindungen, um im Park einen taz.de 70 iHigh-End-Skulpturengarten zu etablieren. Sie bringen Werke berühmter taz.de 70 iKünstler nach Schwante und eröffnen 2020 die heutige Version eines taz.de 70 ienglischen Gartens, in dem statt künstlichen Ruinen und Grotten Skulpturen taz.de 70 ivon Hans Arp oder Tony Cragg stehen. Ein Ort, an dem Professionals und taz.de 70 isonst gestresste Großstädter zu kontemplativer Ruhe und Schönheit finden. taz.de 70 i taz.de 70 iDoch diese Story wäre zu einfach. Das zeigt sich jetzt, im zweiten Jahr, in taz.de 70 idem die Ausstellung nochmals um sieben neue Werke erweitert wurde. Damit taz.de 70 iist fast die Hälfte der Positionen im Park weiblich – eine Revolution im taz.de 70 ihiesigen Kunstbetrieb. Zugleich wissen die Macher, dass der ländliche Raum taz.de 70 iin radikalem Umbruch begriffen ist. Durch Verdrängung aus der Stadt taz.de 70 ientstehen hier neue Formen des Zusammenlebens und der Gentrifizierung, ein taz.de 70 ineuer diskursiver Raum. Es geht um Grenzen. Das reflektiert die Ausstellung taz.de 70 i– aber auch schon der Park selbst. taz.de 70 i taz.de 70 i## Die Idee des Landschaftsgartens austesten taz.de 70 i taz.de 70 i„Als der Mensch sesshaft wurde“, schreibt Jakob Augstein in seinem Buch taz.de 70 i„Die Tage des Gärtners“, „hat er als erstes einen Garten angelegt. Und als taz.de 70 ier das tat, hat er eine Grenze gezogen.“ Jeder eingehegte Garten grenzt taz.de 70 iimmer etwas ein und, ähnlich wie beim Rahmen eines Kunstwerks, zugleich taz.de 70 ietwas aus. Das drinnen ist Kunst, das draußen das profane Leben. Jeder taz.de 70 i„englische Garten“, ganz gleich wie natürlich er erscheint, ist das taz.de 70 iErgebnis des Kampfes gegen die chaotische Natur, gegen das Unberechenbare, taz.de 70 ides Ringens um Herrschaft, Kontrolle und Ordnung. taz.de 70 i taz.de 70 iWürtenberger und Tümpel hätten es sich gemütlich machen können und nur taz.de 70 iBlue-Chip-Skulpturen wie Angela Bullochs etwas langweilige Rauten-Stehle taz.de 70 ioder die wunderschön archaischen „Sitting Figures“ (1989) des britischen taz.de 70 iNachkriegsmodernen Lynn Chadwick aufstellen können. taz.de 70 i taz.de 70 iDoch das eigentlich Fantastische an diesem präzise kuratierten Park ist, taz.de 70 idass die Macher wirklich etwas geschehen lassen, die Idee des taz.de 70 iLandschaftsgartens an die Grenze treiben. Kiki Smith’ feministische taz.de 70 iScheiterhaufen-Skulptur „Moon on Crutches Figure 3“ (2002) wäre im White taz.de 70 iCube nicht der Knaller. In Korrespondenz mit dem Unterholz und dem taz.de 70 ischnöden, aber harten Wildzaun, wird sie magisch, die brutale Unterwerfung taz.de 70 ider Natur und des Weiblichen spürbar. taz.de 70 i taz.de 70 i## Positionen, die vom Kontrollverlust sprechen taz.de 70 i taz.de 70 iDa sind Positionen, die von Kontrollverlust, vom Ende künden. Etwa Toby taz.de 70 iZieglers Skulptur „Slave“, für die Elemente einer Skulptur von Henri taz.de 70 iMatisse und Michelangelos Sterbendem Sklaven (1516) digital zusammen taz.de 70 igeklont wurden, wie von Aliens in einem Sci-Fi-Horrorfilm. Maria Lobodas taz.de 70 imit künstlichem Moos versehene Version einer Hans-Arp-Skulptur, die sie als taz.de 70 iAuftragsarbeit im Tümpel versenkt hat, steht vergessen und schief in der taz.de 70 iGrütze, als wäre der moderne Mensch ausgestorben, mit ihm sein Bewusstsein taz.de 70 iund die Ideen von Besitz und Repräsentation. taz.de 70 i taz.de 70 iZu Recht an einer zentralen Stelle, auf dem Rasen eines ehemaligen taz.de 70 iBolzplatzes, steht Bettina Allamodas Skulptur „Outdoor Wrap“ (2018/2021), taz.de 70 ifür die 25 Meter mit spiegelnd-irisierendem Metallic-Pailletten besetzter taz.de 70 iStretch-Stoff um ein blaues Gerüst verspannt wurden. Diese Baugerüstteile taz.de 70 iwerden auch in der römischen Filmstadt Cinecittà eingesetzt, um Kulissen taz.de 70 ifür Western und Monumentalfilme zu stützen. taz.de 70 i taz.de 70 iDer Paillettenstoff nimmt Farben und Lichtreflexe der Umgebung auf, taz.de 70 ispiegelt Bewegungen und Wetterstimmungen wider. Die minimalistische taz.de 70 iKonstruktion lässt an Spielplatz-Klettergestänge, Zirkuszelte, die taz.de 70 igrandiosen Stoffe in Sixties-Kostümfilmen denken – an den Glamour und die taz.de 70 ieinfachen Freuden der Massenkultur. Zugleich hat die Kombination von Stoff taz.de 70 iund Stahl etwas Brutales, die Assoziation von Barrieren und Bondage, der taz.de 70 iDisziplinierung von Körpern. taz.de 70 i taz.de 70 iHier nimmt Allamodas Skulptur Kontakt mit Dan Grahams Glaspavillon auf, der taz.de 70 iauf englische Gärten, aber auch auf Kontrolle und Überwachung anspielt, die taz.de 70 iFrage, wer hier wen beobachtet, was drinnen und draußen ist. Allamodas taz.de 70 iSkulptur ist antimonumental. Sie wirkt industriell und kulissenhaft und taz.de 70 imacht auch die Kulissenhaftigkeit des Schlossgartens deutlich, das taz.de 70 iromantisierende Bild, das wir uns von feudalen Zuständen machen. Allein taz.de 70 ischon, dass man hier solche komplexen Interventionen riskiert, macht den taz.de 70 iSkulpturenpark zum Erlebnis. taz.de 70 i taz.de 70 i10 Aug 2021 taz.de 70 i taz.de 70 i## LINKS taz.de 70 i taz.de 70 1[1] /Neuer-Skulpturenpark-in-Brandenburg/!5692695 /Neuer-Skulpturenpark-in-Brandenburg/!5692695 taz.de 70 i taz.de 70 i## AUTOREN taz.de 70 i taz.de 70 1Oliver Koerner von Gustorf /!a40053 taz.de 70 i taz.de 70 i## TAGS taz.de 70 i taz.de 70 1Kunst /!t5008134 taz.de 70 1Skulptur /!t5035623 taz.de 70 1Bildhauerei /!t5302159 taz.de 70 1Park /!t5036355 taz.de 70 1Brandenburg /!t5011819 taz.de 70 1Garten /!t5012924 taz.de 70 1Bildende Kunst /!t5639413 taz.de 70 1Bildende Kunst /!t5639413 taz.de 70 1Grüne Berlin /!t5341609 taz.de 70 1Basel /!t5025816 taz.de 70 1Park /!t5036355 taz.de 70 i taz.de 70 i## ARTIKEL ZUM THEMA taz.de 70 i taz.de 70 1Psychiaterin Stuart-Smith über Gärten: „In Kontakt mit Lebendigem kommen“ /!5983331 taz.de 70 i taz.de 70 iGärtnern ist Raum-Zeit-Medizin, ist Unlearning kolonialer Gefüge und eine taz.de 70 iForm von Kunst, meint die britische Psychiaterin Sue Stuart-Smith. taz.de 70 i taz.de 70 1Berliner Bildhauerin Susanne Specht: Spiel von Logik und Freiheit /!5813315 taz.de 70 i taz.de 70 iLange hat sie Steine bearbeitet, dann entdeckte Susanne Specht neue taz.de 70 iTechniken: Eine Ausstellung der Berliner Bildhauerin in der Zitadelle taz.de 70 iSpandau. taz.de 70 i taz.de 70 1Kunst spielt mit Geschichte: Dann wieder auf Null stellen /!5789712 taz.de 70 i taz.de 70 iDie Künstlerinnengruppe Endmoräne feiert ihr 30jähriges Bestehen. 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