i# taz.de -- Comedian über Nahostkonflikt-Witze: „Auch Satire hat ihre Grenzen“ taz.de 70 i taz.de 70 i> Der Comedian Bassem Youssef wurde durch seine Witze über die westliche taz.de 70 i> Haltung gegenüber Israel weltbekannt. Am Donnerstag tritt er in Berlin taz.de 70 i> auf. taz.de 70 i taz.de 70 IBild: Kann auch über sich selbst lachen: Bassem Youssef bei einem Auftritt /picture/8489577/948/41344979.jpeg taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Herr Youssef, Ihr [1][hitziges Gespräch mit dem konservativen taz.de 70 ibritischen Moderator Piers Morgan], in dem Sie sich über seine Sicht auf taz.de 70 iIsraels Krieg in Gaza lustig gemacht haben, wurde seit Oktober 2023 mehr taz.de 70 ials 23 Millionen Mal angeschaut. Warum, glauben Sie, hat es so [2][einen taz.de 70 iNerv getroffen]? taz.de 70 i taz.de 70 iBassem Youssef: Weil wir uns über die offizielle Darstellung und die taz.de 70 iPropaganda lustig machen. Ich glaube, viele Leute haben da erst richtig taz.de 70 ierkannt, wie sehr die westlichen Medien tatsächlich von Propaganda taz.de 70 idurchdrungen sind. Die westlichen Medien unterscheiden sich nicht von der taz.de 70 iPropaganda in den staatlich kontrollierten Medien in der arabischen Welt. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Finden Sie? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Ich glaube, die Medien in Europa und Amerika sind sogar noch taz.de 70 ischlimmer. Und sie haben die Verbrechen eines bestimmten Landes vertuscht, taz.de 70 ibei dessen bloßer Erwähnung man offensichtlich Ärger bekommen kann. Es ist taz.de 70 isehr interessant zu sehen, wie die Leute, die sich mit ihrer taz.de 70 iMeinungsfreiheit brüsten, bei bestimmten Themen in Wirklichkeit überhaupt taz.de 70 i[3][keine Meinungsfreiheit zulassen]. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Ist das nicht zu pauschal? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Ich glaube, es ist sogar noch untertrieben. Ich meine, sehen Sie taz.de 70 isich Ihren Bundeskanzler an, sehen Sie sich ihre Regierung an – sie können taz.de 70 inicht darüber sprechen, was gerade in Gaza passiert. Sie können es nicht taz.de 70 ials Völkermord bezeichnen, und sie können ein bestimmtes Land nicht taz.de 70 ikritisieren. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Sie verdanken Ihren weltweiten Erfolg auch Ihrer [4][scharfen Kritik taz.de 70 ian Israel]. Ist das nicht eine Masche? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Was meinen Sie mit „Masche“? taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Nun, Sie reiten schon ganz schön darauf herum, nicht? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Finden Sie? Fänden Sie es besser, wenn ich mich über Deutschland taz.de 70 ilustig mache? Oder meinen Sie, ich würde das übertreiben oder nur taz.de 70 ivortäuschen? Die Tatsache ist: Wenn man ein Land nicht kritisieren darf, taz.de 70 idann werden die Leute es trotzdem tun. Und wenn man die Leute unter Druck taz.de 70 isetzt und ihnen Angst macht, damit sie es nicht tun, werden sie es taz.de 70 iebenfalls weiter tun. Der Witz ist also eigentlich die Tatsache, dass es taz.de 70 iandere nicht tun. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Sie treten auf ihrer aktuellen Tour in großen Hallen wie der Royal taz.de 70 iAlbert Hall in London auf. Pro-Israel-Gruppen dort haben die britische taz.de 70 iAußenministerin nun aufgefordert, Ihnen die Einreise zu verweigern. Wurden taz.de 70 iSie schon mal gecancelt? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Nicht vom Publikum, aber von Organisationen, die offensichtlich taz.de 70 iAngst haben. Und ich finde es schon komisch, dass [5][Comedy-Shows in taz.de 70 imanchen Ländern abgesetzt werden können], nur weil man bestimmte Themen taz.de 70 ianspricht. Das zeigt einem, wie viel Meinungsfreiheit es in diesen Ländern taz.de 70 igibt. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Wurden schon Veranstaltungen mit Ihnen verhindert? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Ja. Aus rechtlichen Gründen kann ich weder die Länder noch die taz.de 70 iVeranstaltungsorte nennen. Aber wir mussten entweder den Veranstaltungsort taz.de 70 iwechseln oder die Show ganz absagen. taz.de 70 i taz.de 70 i[6][taz: Israels Minister für Diaspora-Angelegenheiten, Amichai Chikli,] taz.de 70 ihat Sie auf eine Liste der gefährlichsten Antizionisten gesetzt, zusammen taz.de 70 imit Greta Thunberg. Sie haben gewitzelt, das sei eine Abschussliste und man taz.de 70 isolle ihre Show besuchen, solange sie noch da sind. Sind solche taz.de 70 iAnfeindungen letztlich Werbung für Sie? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Ich weiß nicht. Vielleicht ist es Werbung für Greta Thunberg und taz.de 70 idie anderen auf dieser Liste. Aber es ist traurig, das so zu betrachten, taz.de 70 iund dass eine so schwerwiegende Anschuldigung wie Antisemitismus [7][von taz.de 70 ider israelischen Regierung dazu benutzt wird, um sie als Waffe gegen taz.de 70 iMenschen einzusetzen]. Ich betrachte es also nicht als Werbung. Ich finde taz.de 70 idas sehr traurig. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Das heißt, der Vorwurf des Antisemitismus macht Ihnen etwas aus? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Nein, nicht mehr. Ich glaube, dass der Vorwurf missbraucht und taz.de 70 idadurch entwertet wurde. Und ich glaube, dass das den Menschen, die taz.de 70 itatsächlich von Antisemitismus betroffen sind, schadet – und auch die taz.de 70 iTatsache, dass die israelische Regierung das als Mittel einsetzt, um Druck taz.de 70 iauszuüben und die Meinungsfreiheit einzuschränken. Das ist es, was wirklich taz.de 70 iwehtut. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Wo verläuft für Sie die [8][Grenze zwischen Kritik an Israel und taz.de 70 iAntisemitismus]? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Das ist doch ganz offensichtlich. Ich meine, es gibt doch einen taz.de 70 igroßen Unterschied zwischen Kritik an einer Regierung und an Leuten, die taz.de 70 ibehaupten, im Namen des Judentums zu sprechen – und auf der anderen Seite taz.de 70 ian jüdischen Menschen, die selbst darunter leiden. Das Problem ist, dass taz.de 70 imanche Leute sehr viel Zeit und Energie aufwenden, um zu versuchen, beides taz.de 70 imiteinander zu vermischen. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Gibt es Dinge, über die Sie keine Witze machen würden? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Man kann über alles Witze machen, aber es kommt darauf an, wie man taz.de 70 idarüber scherzt. Es geht darum, ein Gespür für die Stimmung zu haben und taz.de 70 iden Raum zu lesen, in dem man auftritt. Jeder hat seine eigenen Grenzen und taz.de 70 ijeder hat seine eigene Art. Und letztlich wollen wir ja, dass die Leute taz.de 70 iSpaß haben, und sie nicht vor den Kopf stoßen. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Also hat auch Satire ihre Grenzen? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Ja. Ganz klar. Hundert Prozent. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Sie haben Ägypten 2014 in Richtung USA verlassen, weil Sie [9][durch taz.de 70 iÄgyptens Militärregime verfolgt] wurden. Nun sind Sie nach über einem taz.de 70 iJahrzehnt ins ägyptische Fernsehen zurückgekehrt. Was hat sich geändert? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Es scheint, als hätte sich die Lage etwas entspannt. Und ich taz.de 70 iglaube, wir haben im Moment einen gemeinsamen Feind, der sich in der Region taz.de 70 iwie ein Tyrann verhält. Deshalb denke ich, dass es vielleicht an der Zeit taz.de 70 iist, dass sich die Menschen gegen diesen gemeinsamen Feind taz.de 70 izusammenschließen. Ich meine, [10][welche Probleme ich auch immer mit der taz.de 70 iägyptischen Regierung hatte] – das ist jetzt zwölf Jahre her. Ich habe taz.de 70 iheute ein anderes Leben. Also nehme ich das nicht mehr so schwer wie taz.de 70 ifrüher. Die Dinge ändern sich eben. taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Ist es schwer, in diesen Zeiten seinen Humor zu bewahren? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Ja, leider. Aber was sollen wir anderes tun? taz.de 70 i taz.de 70 itaz: Denken Sie manchmal daran, aufzugeben? taz.de 70 i taz.de 70 iYoussef: Ja. Oft. Aber wir müssen weitermachen. taz.de 70 i taz.de 70 i9 Jun 2026 taz.de 70 i taz.de 70 i## LINKS taz.de 70 i taz.de 70 1[1] https://www.youtube.com/watch?v=4idQbwsvtUo https://www.youtube.com/watch?v=4idQbwsvtUo taz.de 70 1[2] /Aegyptischer-Comedian-Bassem-Youssef/!6001804 /Aegyptischer-Comedian-Bassem-Youssef/!6001804 taz.de 70 1[3] /Meinungsfreiheit-in-Deutschland/!6177455 /Meinungsfreiheit-in-Deutschland/!6177455 taz.de 70 1[4] /Aegyptischer-Comedian-Bassem-Youssef/!6001804 /Aegyptischer-Comedian-Bassem-Youssef/!6001804 taz.de 70 1[5] /Abgesetzter-US-Talker-Jimmy-Kimmel/!6110533 /Abgesetzter-US-Talker-Jimmy-Kimmel/!6110533 taz.de 70 1[6] /Deutsch-israelische-Konferenz/!5989743 /Deutsch-israelische-Konferenz/!5989743 taz.de 70 1[7] /Konferenz-in-Jerusalem/!6074544 /Konferenz-in-Jerusalem/!6074544 taz.de 70 1[8] /Antisemitismus-in-Deutschland/!6016479 /Antisemitismus-in-Deutschland/!6016479 taz.de 70 1[9] /Aegyptischer-Satiriker-hoert-auf/!5038292 /Aegyptischer-Satiriker-hoert-auf/!5038292 taz.de 70 1[10] /TV-Show-aus-dem-Programm-genommen/!5055760 /TV-Show-aus-dem-Programm-genommen/!5055760 taz.de 70 i taz.de 70 i## AUTOREN taz.de 70 i taz.de 70 1Daniel Bax /!a35 taz.de 70 i taz.de 70 i## TAGS taz.de 70 i taz.de 70 1Schwerpunkt Nahost-Konflikt /!t5007999 taz.de 70 1Nahost-Debatten /!t6092070 taz.de 70 1Gaza-Krieg /!t5015096 taz.de 70 1Ägypten /!t5007476 taz.de 70 1USA /!t5007479 taz.de 70 1Humor /!t5019682 taz.de 70 1Comedy /!t5033706 taz.de 70 1Satire /!t5009869 taz.de 70 1Justizministerium /!t5014104 taz.de 70 1Schwerpunkt Nahost-Konflikt /!t5007999 taz.de 70 1Reden wir darüber /!t6101305 taz.de 70 1Comedy /!t5033706 taz.de 70 i taz.de 70 i## ARTIKEL ZUM THEMA taz.de 70 i taz.de 70 1Sächsische Ministerin zu Beleidigungen: „Wir brauchen kein Sonderrecht für Politiker“ /!6186173 taz.de 70 i taz.de 70 iSachsens Justizministerin Constanze Geiert (CDU) will den Paragrafen zur taz.de 70 iPolitikerbeleidigung abschaffen. 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