i# taz.de -- Über Faschismus reden: Jenseits der frenetischen Verteidigung von Phantombesitz taz.de 70 i taz.de 70 i> Faschismus oder Autoritarismus? Philosophin Eva von Redecker zu lesen taz.de 70 i> hilft, wenn es um das Schärfen von Begriffen und Gedanken geht. taz.de 70 i taz.de 70 IBild: Ein Ausnahmezustand wird ausgerufen: AfD-Veranstaltung in Brandenburg /picture/8347578/948/40745936.jpeg taz.de 70 i taz.de 70 iDie Philosophin Eva von Redecker weiß selbst auch nicht, „ob wir den taz.de 70 iFaschismus-Begriff wirklich brauchen“. Ob es also hilft, von Faschismus taz.de 70 istatt zum Beispiel von Autoritarismus zu reden, oder besser: wem es hilft. taz.de 70 i taz.de 70 iGegen den Faschismus selbst hilft es aktuell jedenfalls nicht. [1][Fast 20 taz.de 70 iProzent AfD-WählerInnen] in einem insgesamt doch noch recht wohlbestellten taz.de 70 iBundesland tief im Westen sind erschütternd. Wie schnell sich im taz.de 70 iPolit-Analyse-Sprech zur Wahl in Rheinland-Pfalz die Kurzschlussdeutung taz.de 70 idurchgesetzt hat, dass die SPD halt die Arbeiter an die AfD abgegeben habe, taz.de 70 iweil sie sich [2][mit dem Bürgergeld „zu sehr um Transferempfänger taz.de 70 igekümmert“ habe], ist übrigens fast ebenso bestürzend. Der SPD auf diese taz.de 70 iWeise einfach mal die Verantwortung überzuhelfen („hättet ihr euch um die taz.de 70 iArbeiter gekümmert!“), dient aber offenbar auch dazu, nicht noch mehr über taz.de 70 idas Erfolgsrezept der AfD zu sprechen. Denn dann müsste man ja vielleicht taz.de 70 itiefer Luft holen. taz.de 70 i taz.de 70 iDas hat die oben erwähnte Eva von Redecker getan und dazu das Buch „Dieser taz.de 70 iDrang nach Härte. Über den neuen Faschismus“ geschrieben, das ich taz.de 70 ivergangene Woche auf der Leipziger Buchmesse [3][mit ihr vorstellen taz.de 70 idurfte]. taz.de 70 i taz.de 70 iWenn man sich schon über den Faschismus unterhalten muss, „dann möchte ich taz.de 70 iwenigstens die Begriffe klären“, sagte sie. Natürlich aber dürfe man das taz.de 70 iHeraufziehen des Faschismus auch nicht verpassen, „nur weil er nicht genau taz.de 70 iso aussieht wie vor 100 Jahren“. taz.de 70 i taz.de 70 i## Herabsetzung, Erniedrigung, Härte taz.de 70 i taz.de 70 iDenn es gibt wichtige Faktoren, die den Faschismus neu machen. Als taz.de 70 ivielleicht wichtigsten nennt von Redecker die Individualisierung: weg von taz.de 70 ider Bewegung in der Masse, hin zum vereinzelten Starren auf den Bildschirm, taz.de 70 iin dem sich der Einzelne mit seiner Lust an der Herabsetzung und taz.de 70 iErniedrigung, seinem Vernichtungsdrang spiegelt. Dazu: das weitere taz.de 70 iVordringen der Prinzipien von Markt und Konkurrenz. taz.de 70 i taz.de 70 iEs macht das Herz enger, wenn bisher privateste Bereiche – etwa die eigene taz.de 70 iAufmerksamkeit – rücksichtslos als Güter bewirtschaftet werden. Theodor W. taz.de 70 iAdorno und Max Horkheimer, in deren kritisch-theoretischen Fußstapfen Eva taz.de 70 ivon Redecker unterwegs ist, haben das auch schon beklagt. Aber selbst sie taz.de 70 iwären wohl verblüfft, was die Internetplattformen in den Seelen der taz.de 70 iMenschen anrichten. taz.de 70 i taz.de 70 iFaschismus, sagt von Redecker, ist die besondere Härte, mit der Menschen taz.de 70 ietwas als Besitz verteidigen, was ihnen gar nicht oder längst nicht mehr taz.de 70 igehört. Phantombesitz nennt sie das, analog zum Phantomschmerz. Viele taz.de 70 iMänner meinen, dass die Frauen ihnen (noch) gehören, und schlagen um sich. taz.de 70 iViele meinen, dass das Land ihres sei, und bekämpfen alle, die von außen taz.de 70 ikommen. Ein Ausnahmezustand wird ausgerufen, um im Eigentumsrausch alles taz.de 70 izerschlagen zu können, gerade auch das, was einem vermeintlich gehört, denn taz.de 70 iim Vernichtenkönnen beweist sich der Besitzanspruch. taz.de 70 i taz.de 70 iNun steht in Rheinland-Pfalz alles noch an seinem Platz, jedenfalls soweit taz.de 70 iman hört. Manches an solchen Definitionen mag etwas theoretisch anmuten, taz.de 70 iwenn es doch ab sofort relativ praktisch darum geht zu vermeiden, dass im taz.de 70 iSeptember die nächsten AfD-Wahlrekorde in Sachsen-Anhalt und taz.de 70 iMecklenburg-Vorpommern aufgestellt werden. taz.de 70 i taz.de 70 iAber wenn man so über die Begriffe nachdenkt, und ob sie zur eigenen taz.de 70 iWahrnehmung passen, gerät die Vorstellungskraft in Bewegung. Ist taz.de 70 iirgendetwas an den derzeit verhandelten Politikvorschlägen geeignet, die taz.de 70 iLeute aus ihrem „frenetischen Selbstverteidigungsmodus“ (von Redecker) taz.de 70 iherauszuholen? Es hilft, über den Faschismus zu reden, will ich damit taz.de 70 isagen. Schon allein, weil man sich beim Reden überlegt, wie ein Land taz.de 70 ijenseits dieses Drangs nach Härte aussehen sollte. taz.de 70 i taz.de 70 i29 Mar 2026 taz.de 70 i taz.de 70 i## LINKS taz.de 70 i taz.de 70 1[1] /AfD-Ergebnis-in-Rheinland-Pfalz/!6165094 /AfD-Ergebnis-in-Rheinland-Pfalz/!6165094 taz.de 70 1[2] /Verzwergung-der-SPD/!6165481 /Verzwergung-der-SPD/!6165481 taz.de 70 1[3] https://www.youtube.com/watch?v=WiPIygZ8-FI https://www.youtube.com/watch?v=WiPIygZ8-FI taz.de 70 i taz.de 70 i## AUTOREN taz.de 70 i taz.de 70 1Ulrike Winkelmann /!a41 taz.de 70 i taz.de 70 i## TAGS taz.de 70 i taz.de 70 1Kolumne Ernsthaft? /!t5764025 taz.de 70 1wochentaz /!t5894535 taz.de 70 1Faschismus /!t5007582 taz.de 70 1Autoritarismus /!t5360859 taz.de 70 1Kritische Theorie /!t5022044 taz.de 70 1Gegenwart /!t5670259 taz.de 70 1Diagnose /!t5048233 taz.de 70 1Schwerpunkt AfD /!t5495296 taz.de 70 1Reden wir darüber /!t6101305 taz.de 70 1Politisches Buch /!t5019425 taz.de 70 1Reden wir darüber /!t6101305 taz.de 70 1Reden wir darüber /!t6101305 taz.de 70 i taz.de 70 i## ARTIKEL ZUM THEMA taz.de 70 i taz.de 70 1Nachdenken über Faschismus: Wer staunt, begeht den ersten Fehler /!6156910 taz.de 70 i taz.de 70 i„Dieser Drang nach Härte“ von Eva von Redecker verwebt Beobachtungen, taz.de 70 iGespräche und philosophische Konzepte zu einer eindringlichen taz.de 70 iGegenwartsanalyse. taz.de 70 i taz.de 70 1Faschismus als Kampfbegriff: Goggelmoggels Sprachlektionen /!6155325 taz.de 70 i taz.de 70 iSprache ist nicht nur ein Mittel zur gegenseitigen Verständigung. Sie wird taz.de 70 imehr denn je zum Machtinstrument und damit auch zur Waffe. taz.de 70 i taz.de 70 1Abschaffung der Demokratie: Was ist Faschismus? /!6153139 taz.de 70 i taz.de 70 iFaschistische Bewegungen leben von einem Nebel unterschwelliger taz.de 70 iEinstellungen, einem Kult der Härte und einer Freude an der Gemeinheit. taz.de 70 .