i# taz.de -- Kommunalwahl auf Martinique: „Wir sind Französ:innen, aber …“ taz.de 70 i taz.de 70 i> Auch auf einer 7.000 Kilometer von Paris entfernten Karibikinsel finden taz.de 70 i> die französischen Kommunalwahlen statt. Was halten die Menschen von taz.de 70 i> Europa? taz.de 70 i taz.de 70 IBild: Vor 80 Jahren, am 19. März 1946, wurde Martinique von einer Kolonie zum französischen Übersee-Departement /picture/8331402/948/40725322.jpeg taz.de 70 i taz.de 70 iBei vollem Tank verspricht das digitale Armaturenbrett des Peugeot „520 taz.de 70 iKilometer Autonomie“. Von diesem Lebensgefühl kann aber keine Rede sein, taz.de 70 iwenn man im Stau auf der dreispurigen Autobahn zwischen Fort-de-France und taz.de 70 iLe Lamentin in der Sonne brütet. taz.de 70 i taz.de 70 iMehr Autonomie ist für viele auf Martinique generell ein wichtiges Thema – taz.de 70 igerade jetzt im Wahlkampf. Die Antilleninsel gehört zu Frankreich. Ein taz.de 70 iÜbersee-Departement, 7.000 Kilometer von Paris entfernt. Wenn in taz.de 70 i[1][tausenden französischen Dörfern Bürgermeister:innen gewählt] taz.de 70 iwerden, dann hier ebenfalls. Wie stehen die Bewohner:innen zu taz.de 70 iFrankreich, und welche Rolle spielt Europa für sie? taz.de 70 i taz.de 70 i„Wir wissen, dass wir Französ:innen sind, aber…“, sagt Jiovanny William, taz.de 70 ieiner der vier auf Martinique gewählten Abgeordneten der französischen taz.de 70 iNationalversammlung, „…die Insel braucht mehr Autonomie“. Darunter versteht taz.de 70 ider 40-jährige Rechtsanwalt, dass die örtlichen Verwaltungen und taz.de 70 iGemeinderäte mehr Befugnisse erhalten sollten, um regionale Lösungen für taz.de 70 iregionale Probleme zu finden. Als Beispiel nennt er, dass Fahrzeuge auf der taz.de 70 iInsel bisher keine getönten Fenster haben dürfen. Die Vorschriften taz.de 70 iorientierten sich an der schwächeren Sonneneinstrahlung in Frankreich. taz.de 70 i taz.de 70 iAußerdem solle der Zentralstaat es dem Departement einfacher machen, taz.de 70 idirekten Handel mit den süd- und zentralamerikanischen Nachbarn zu treiben, taz.de 70 isagt William. „Heute wird Holz aus Französisch-Guyana erst nach Le Havre in taz.de 70 iFrankreich verschifft, bevor man es von dort zurück nach Martinique liefert taz.de 70 i– ein teurer Umweg.“ Das könnte einer von vielen Gründen dafür sein, dass taz.de 70 iImportprodukte auf der Insel unnötig teuer sind. taz.de 70 i taz.de 70 i## Keine Gewinne für den Rassemblement National taz.de 70 i taz.de 70 iIn einem einstöckigen weißen Gebäude unweit der Strandpromenade der taz.de 70 iKleinstadt Le Robert betreibt William sein Heimatbüro. Er stammt von der taz.de 70 iInsel, hat in Frankreich studiert, 2022 wurde er in die Nationalversammlung taz.de 70 igewählt. Mindestens zwei Arbeitswochen monatlich verbringt er in Paris. taz.de 70 iDort gehört er der Demokratischen Linken an, einer Parlamentsgruppe, die taz.de 70 imit den Sozialisten kooperiert. taz.de 70 i taz.de 70 iJetzt im Kommunalwahlkampf steht William nicht selbst zur Wahl, unterstützt taz.de 70 iaber einen Kandidaten. 2020 eroberten linksgerichtete Parteien zwei Drittel taz.de 70 ider Rathäuser auf Martinique. In der ersten Runde der aktuellen taz.de 70 iKommunalwahl am 15. März bekamen linke Listen in 16 von 34 Wahlbezirken die taz.de 70 imeisten Stimmen. Kandidat:innen des Zentrums lagen in 5 Gemeinden vorn. taz.de 70 iRechte Wahllisten gewannen vorläufig in nur 3 Bezirken, darunter keine taz.de 70 ieigene des rechtsextremen Rassemblement National. In den übrigen Gemeinden taz.de 70 istanden unabhängige Politiker:innen auf Platz eins. taz.de 70 i taz.de 70 i[2][Die zweite Kommunalwahlrunde ist am 22. März]. Bei den Wahlen spielen taz.de 70 ilokale Fragen wie Plätze in Altersheimen, Absenkungen von Bordsteigkanten taz.de 70 ifür Rollstuhlfahrer:innen, Sportplätze, Sicherheit an Schulen oder die taz.de 70 iAlgenplage im Meer eine Rolle. Ein besonderer Aufreger ist „la vie chère“, taz.de 70 idas teure Leben. Viele Produkte, die aus Frankreich importiert werden, taz.de 70 ihaben hier deutlich höhere Preise als dort. taz.de 70 i taz.de 70 iDas Thema Autonomie ist damit verwoben. Rechte und Rechtsextreme können taz.de 70 ihier allerdings weniger punkten – sie werden als Vertreter eines starken taz.de 70 iPariser Zentralstaats betrachtet und dafür kritisiert. Dabei ist auf taz.de 70 iMartinique interessant, dass es selten um komplette Unabhängigkeit geht, taz.de 70 isondern viel mehr um Entscheidungsspielraum im Rahmen der französischen taz.de 70 iPolitik. taz.de 70 i taz.de 70 i## Das Departement ist relativ wohlhabend taz.de 70 i taz.de 70 iDafür sprach sich schon Aimé Césaire aus, der wichtigste Politiker der taz.de 70 iInsel im 20. Jahrhundert – und einer der schärfsten Kritiker von taz.de 70 iKolonialismus und Sklaverei, deren Folgen Martinique bis heute prägen. taz.de 70 iWährend Frankreich in Westafrika mittlerweile deutlich an Einfluss einbüßt taz.de 70 iund im pazifischen Übersee-Territorium Neukaledonien eine starke taz.de 70 iUnabhängigkeitsbewegung der Regierung keine Ruhe lässt, scheint die taz.de 70 iBevölkerung Martiniques mit der Zugehörigkeit zu Frankreich mehrheitlich taz.de 70 ieinverstanden zu sein. Warum? taz.de 70 i taz.de 70 iMartinique, c’est très francaise. Vieles funktioniert wie in Paris: die taz.de 70 iAutokennzeichen, das Sortiment in Leclerc-Supermärkten, das Schulsystem, taz.de 70 idie Verwaltung und Justiz. Alle sprechen die Amtssprache Französisch. Das taz.de 70 ikaribische Departement ist im Durchschnitt relativ wohlhabend. Die taz.de 70 iWirtschaftsleistung pro Kopf erreicht knapp zwei Drittel der französischen, taz.de 70 iein Niveau, von dem Millionen Menschen in Mittel- und Südamerika nur taz.de 70 iträumen. Das funktioniert auch wegen der Milliarden Euro, die Paris Jahr taz.de 70 ifür Jahr auf die Insel überweist, auch um das Handelsdefizit auszugleichen. taz.de 70 iDenn Martinique importiert viel mehr Waren, als es exportiert. Die Insel taz.de 70 istellt zu wenige Produkte her, um ihre 350.000 Einwohner:innen selbst taz.de 70 izu versorgen. taz.de 70 i taz.de 70 iWie in Frankreich weht an jedem Rathaus die französische Flagge, neben der taz.de 70 ieuropäischen. Trotzdem interessierten sich 85 Prozent der Einheimischen taz.de 70 inicht für Europa, vermutet William, der Abgeordnete. Farell taz.de 70 iFrançois-Haugrin dagegen, der mit Williams Unterstützung als Bürgermeister taz.de 70 ifür Le Robert kandidiert, betrachtet die Sache differenzierter: „Ohne Geld taz.de 70 iaus Frankreich und anderen EU-Ländern könnten wir hier manches nicht taz.de 70 ibezahlen.“ Er sieht müder aus als auf den Plakaten, die überall hängen. taz.de 70 i taz.de 70 iGerade kommt er im grünen T-Shirt mit dem Logo seiner Kampagne zurück ins taz.de 70 iBüro – nachdem er einen Autokorso durch die Dörfer seines Wahlbezirks taz.de 70 iabsolviert hat. Bei solchen Fahrten sieht man oft Hinweistafeln mit der taz.de 70 iInfo, dieses oder jenes Projekt wurde aus europäischen Mitteln taz.de 70 imitfinanziert: Straßenbeleuchtung, die Renovierung einer Kirche, taz.de 70 iGlasfaserleitungen. Der Preis: Wirtschaftliche führt zu politischer taz.de 70 iAbhängigkeit. Der Kampf für mehr Autonomie ist kein Selbstläufer. taz.de 70 i taz.de 70 i21 Mar 2026 taz.de 70 i taz.de 70 i## LINKS taz.de 70 i taz.de 70 1[1] /Kommunalwahlen-in-Frankreich/!6161184 /Kommunalwahlen-in-Frankreich/!6161184 taz.de 70 1[2] /Erste-Runde-Kommunalwahlen-in-Frankreich/!6163053 /Erste-Runde-Kommunalwahlen-in-Frankreich/!6163053 taz.de 70 i taz.de 70 i## AUTOREN taz.de 70 i taz.de 70 1Hannes Koch /!a217 taz.de 70 i taz.de 70 i## TAGS taz.de 70 i taz.de 70 1Schwerpunkt Frankreich /!t5008088 taz.de 70 1Karibik /!t5015437 taz.de 70 1Kolonialismus /!t5014183 taz.de 70 1GNS /!t5755982 taz.de 70 1Podcast „Fernverbindung“ /!t6104219 taz.de 70 1Schwerpunkt Frankreich /!t5008088 taz.de 70 i taz.de 70 i## ARTIKEL ZUM THEMA taz.de 70 i taz.de 70 1Kommunalwahlen in Frankreich: Raufen sich Frankreichs Linke doch zusammen? /!6163664 taz.de 70 i taz.de 70 iZuerst wollte keiner mit der Linkspartei LFI zusammenarbeiten. Nun zeichnen taz.de 70 isich doch Bündnisse ab. Wie kommt das? 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