# taz.de -- KI im Widerstand?
       
       > Anthropics Scheinstreit mit dem Pentagon
       
       von Félix Tréguer
       
       Erst schien es so, als hätte die freie Welt einen neuen Helden gefunden:
       Dario Amodei. Der 43-jährige US-Amerikaner ist Mitbegründer und
       Geschäftsführer von Anthropic, dem Hauptkonkurrenten von OpenAI auf dem
       Markt für künstliche Intelligenz (KI). Den Schlagzeilen der internationalen
       Presse zufolge verkörpert er den Widerstand gegen die faschistoiden
       Irrungen der US-Regierung.
       
       Anthropic sei „das KI-Start-up, das Donald Trump zu widersprechen wagt“ (Le
       Monde, 11. Februar 2026), indem es sich den Anordnungen des Pentagons
       verweigert; ein Unternehmen, dessen „mutige Haltung“ die Regierung Trump
       „in Rage versetzt“ hat (Fortune, 21. Februar 2026).
       
       Seitdem Trump im Januar 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, sorgt das
       immer offener zur Schau gestellte Bündnis zwischen den Digitalkonzernen und
       dem US-Präsidenten in einem als liberal geltenden Milieu für Unbehagen.
       Heißt es nun „Ende gut, alles gut“, weil Anthropic Washington und dem
       US-Militär seine roten Linien aufgezeigt und das Ansehen der Branche
       wiederhergestellt hat?
       
       Rückblick: Im Juli 2025 unterzeichneten Anthropic und das
       US-Kriegsministerium einen 200 Millionen US-Dollar schweren Vertrag mit
       einer Laufzeit von zwei Jahren. Auf seiner Grundlage implementierte
       Anthropic als erstes Unternehmen ein großes Sprachmodell (Large Language
       Model, LLM) in den Topsecret-Netzwerken des Pentagons.
       
       Das Flagship-Produkt von Anthropic, Claude, wurde mit der
       Big-Data-Plattform von Palantir verknüpft und über eine von Amazon
       errichtete, streng geheime Hostinginfrastruktur bereitgestellt.[1]Nun
       brüstet sich Anthropic seit seiner Gründung 2021 allerdings mit seinen
       hohen moralischen Standards. Entsprechend definierte das Unternehmen zwei
       No-Gos, die das US-Militär offenbar zunächst auch akzeptierte: Seine
       KI-Systeme durften weder zur Massenüberwachung von US-Bürger:innen noch
       zur Steuerung vollständig autonomer, also ohne menschliche Aufsicht
       operierender Waffen eingesetzt werden.
       
       Doch Trump dachte nicht daran, sich an solche Einschränkungen zu halten,
       und erließ postwendend eine Executive Order zur „Verhinderung des Einsatzes
       von woker KI innerhalb der US-Regierung“. Der Text wurde am 11. Dezember
       2025 in einem Memorandum konkretisiert. Die Bundesbehörden erhielten die
       Anweisung, bestehende Verträge zwischen der US-Regierung und LLM-Anbietern
       zu überprüfen, deren Systeme eine „ideologische Voreingenommenheit“
       widerspiegelten.[2]
       
       Im Februar dieses Jahres forderte das Pentagon von Anthropic dann
       öffentlich, die vertraglich fixierten Beschränkungen aufzuheben, um jede
       vom Militär als rechtmäßig erachtete Verwendung zuzulassen – was das
       Unternehmen jedoch ablehnte.
       
       Am 27. Februar um 17.01 Uhr lief das Ultimatum des Pentagons ohne Einigung
       ab. Trump forderte daraufhin die Kündigung der Verträge zwischen den
       Bundesbehörden und Anthropic, und US-Kriegsminister Pete Hegseth stufte das
       Unternehmen als „Lieferkettenrisiko für die nationale Sicherheit“ ein.
       
       7 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Félix Tréguer
       
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