# taz.de -- FUSSBALL UND ANDERE LEIDENSCHAFTEN: Viele Füße für den Frieden
> SEIT 1930 gibt es die Fußball-Weltmeisterschaft, doch anfangs dominierten
> die Länder aus Europa und Lateinamerika. In jüngster Zeit ist der
> Massensport weltweit zur Attraktion geworden: Bei der diesjährigen
> WM-Endausscheidung sind erstmals 32 Mannschaften aus allen Kontinenten
> vertreten. Der Fußball ist ein bevorzugter Ort politischer Projektionen,
> ein Seismograph nationaler wie internationaler Friedens- oder
> Spannungslagen. Welcher Art ist das Wechselspiel zwischen geopolitischer
> Diplomatie und Fuballpolitik? ■ Von PASCAL BONIFACE *
Der Fußball ist ein wesentlicher Bestandteil der internationalen
Beziehungen unserer Zeit, die schon lange nicht mehr nur auf
zwischenstaatlicher Diplomatie beruhen. Jeder einzelne Aspekt, der die
internationalen Beziehungen kennzeichnet, läßt sich auch auf den Fußball
anwenden.
So könnte man von einer „Geopolitik des Fußballs“ sprechen und untersuchen,
auf welche Weise der Fußball die Welt erobert hat. Seinen Ausgang nahm er
in England, von wo aus er sich peu à peu – über die Hafenstädte – zu einem
weltumspannenden Imperium entwickelte. Damals vertrieben sich englische
Kaufleute die Liegezeiten in den jeweiligen Häfen mit Fußballspielen, was
die Einwohner von Le Havre, Barcelona, Marseille, Bilbao, Hamburg und Genua
dazu animiert haben muß, es den Fremden gleichzutun. Den Siegeszug des
runden Leders im Landesinnern Europas und Lateinamerikas besorgte die
Eisenbahn; für den Rest der Welt bedurfte es des Fernsehens. Läßt sich an
der Art, wie dieses Imperium zustande kam (friedlich und mit begeisterter
Unterstützung der eroberten Völker), nicht eine Parallele zu den
militärischen Eroberungen erkennen?
„Geopolitisch“ betrachtet, wäre der Fußball in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts so gesehen eine Welt, in der eine einzige Supermacht –
Brasilien – herrscht, gefolgt von einem weit abgeschlagenen Trüppchen
kleinerer Mächte (Deutschland, Italien, England, Argentinien, Frankreich
usw.), die es mit der führenden Weltmacht zwar nicht aufnehmen können, sich
von den übrigen Fußballnationen aber deutlich abheben. Man sieht, welche
Parallelen sich zu der derzeitigen weltpolitischen Lage ziehen lassen,
wenngleich die jeweiligen Akteure andere sind und der kleine Unterschied
darin besteht, daß keine (andere) Weltmacht je eine derartige Sympathie und
Bewunderung hervorgerufen hat.
Die Supermacht Brasilien exportiert ihre Fußballer in alle Welt. In den
letzten zehn Jahren haben 2000 Profi-Spieler das Land verlassen, um sowohl
in Spanien, Frankreich und England als auch in Malta, Japan oder China zu
spielen. Allein 1997 haben 500 brasilianische Fußballer an Meisterschaften
im Ausland teilgenommen. Im Reich des brasilianischen Fußballs also geht
die Sonne niemals unter!
Aus dieser geopolitischen Betrachtungsweise des Fußballs heraus könnte man
auf Brasilien ebensogut die berühmte Formel anwenden, die Georges
Clémenceau auf diplomatischer Ebene auf die Vereinigten Staaten gemünzt
hatte: „Diesem Land ist dereinst eine große Zukunft beschieden.“ Fußball
ist sicherlich die universalste Sache der Welt, viel universaler als die
Demokratie oder die Marktwirtschaft (die doch angeblich grenzenlos sind);
doch mit der Verbreitung des Fußballs können sie nicht konkurrieren.
Seit Marshall McLuhan wissen wir, daß die Welt ein globales Dorf ist, aber
seine bekanntesten Bewohner sind zweifellos Ronaldo, Platini, Gascoigne und
wie sie alle heißen. Hat die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) 186
Mitglieder, so zählt der Internationale Fußballverband (Fifa) 198, darunter
auch Nordirland, Schottland, England und Wales. Doch in der UNO hat nur das
Vereinigte Königreich Großbritannien Sitz und Stimme. In einer Zeit, da man
sich allgemein Gedanken über die Zukunft Großbritanniens macht, fragt man
sich, ob die eigenständige Vertretung der vier Länder in der Fifa ein
Zeichen für den Einfallsreichtum der Erfinder des Fußballs ist oder ob hier
bereits die dereinstige politische Vertretung vorweggenommen wird.
Die übrigen nicht in der UNO vertretenen Fifa-Mitglieder sind Anguilla, die
Niederländischen Antillen, Aruba, die Bermuda-Inseln, die Kaimaninseln, die
Jungferninseln, die Färöer, die Cookinseln, Tahiti, Montserrat, Puerto
Rico, Makedonien, die Schweiz, Palästina, Taipeh, Hongkong und Guam –
kleine Staaten zumeist, deren Anerkennung strittig ist, bzw. politische
Gebilde mit einer lockeren Beziehung zum Mutterland. Die UNO-Mitglieder,
die der Fifa nicht angehören, sind die Komoren, Eritrea, die
Marshallinseln, Mikronesien, Monaco, die Mongolei, Palau und Samoa. Sollte
Fifa- Präsident João Havelange etwa eine ebenso bedeutende Persönlichkeit
sein wie UN-Generalsekretär Kofi Annan?
Die Fußballweltmeisterschaft gibt es seit 1930, aber erst in jüngster Zeit
ist der Massensport zu einem globalen Phänomen geworden. Dieses Jahr werden
37 Milliarden Fernsehzuschauer die WM verfolgen. Zum Vergleich: Die letzten
Olympischen Winterspiele in Nagano (Japan) sahen schätzungsweise 12
Milliarden Menschen und die Sommerspiele 1996 in Atlanta (USA) 20
Milliarden. Die Teilnehmer der diesjährigen WM-Endausscheidung machen
deutlich, wie weit vorangeschritten die Globalisierung des Fußballs ist: In
den 32 Mannschaften aus allen Kontinenten wird die Welt zum ersten Mal
wirklich repräsentativ vertreten sein. Die WM ist nicht mehr eine nahezu
rein europäische und lateinamerikanische Angelegenheit; auch Nordamerika,
vor allem aber Afrika und Asien nehmen einen immer größeren Raum ein.
Natürlich haben die jüngsten geopolitischen Ereignisse Auswirkungen auf die
Weltorganisation des Fußballs gehabt, der seinerseits allerdings kaum auf
die Politik eingewirkt hat, und wenn, dann eher passiv. Aufgrund der
Implosion zahlreicher multinationaler Länder Europas und deren Zerfall in
mehrere Staaten vermehrten sich die Nationalmannschaften in Europa. Es gibt
nicht mehr „die“ sowjetische, jugoslawische oder tschechoslowakische
Mannschaft, sondern fünfzehn, fünf bzw. zwei neue Nationalmannschaften.
Bezeichnenderweise gehörte das Beitrittsgesuch zur Fifa vielfach zu den
ersten Amtshandlungen der gerade unabhängig gewordenen Staaten: Als sei
dies ebenso natürlich und notwendig wie der Beitritt zur UNO, als
beschränke sich die Definition des Staatsbegriffs nicht auf die drei
traditionellen Bestandteile Staatsgebiet, Staatsvolk und Regierung, sondern
als müsse noch ein viertes, ebenso wesentliches Element, eine
Fußball-Nationalmannschaft, hinzukommen; als sei nationale Unabhängigkeit
durch die Macht definiert, die eigenen Grenzen zu verteidigen, eine Währung
auszugeben und internationale Fußballspiele zu bestreiten.
Gerade neue Staaten, deren Nationalgefühl noch schwach war oder sich
bedroht fühlte, fanden im Fußball eine feste Stütze – denn er erwies sich
als einigende Kraft für die bisweilen traumatisierten Gemeinschaften. Der
kroatische Präsident Franjo Tudjman höchstpersönlich veranlaßte die
Namensänderung von „Dynamo Zagreb“; der neue Name, „Croatia“, fördert die
Selbstbehauptung Kroatien, während die Beibehaltung des Namens „Dynamo“ in
den Augen der westlichen Welt bedeutet hätte, daß die Zagreber sich noch
nicht „vom bolschewistischen und balkanischen Erbe befreit“ hätten. Die
Nationalmannschaft ist also oft nicht nur die Folge einer Staatsgründung,
sondern ein wesentliche Hilfsmittel, um die Nation zusammenzuschweißen.
## Die Möglichkeit, ein Land zu sein
AUCH hinsichtlich der Selbstbehauptung gerade unabhängig gewordener Staaten
spielt der Fußball eine zentrale Rolle. Manchmal ist er der Diplomatie
voraus. 1958 etwa startete die Mannschaft der Nationalen Befreiungsfront
(FLN), die aus algerischen Spielern bestand, welche in Frankreich berühmt
geworden waren, eine erste Welttournee. Die diplomatische Anerkennung
erfolgte erst später.
1995 erklärte der Generalsekretär des armenischen Fußballverbands, Pavel
Katchatrian, der International Herald Tribune: „Nach allem, was geschehen
ist, nach dem Verlust so vieler Häuser und so vieler Menschenleben, haben
die Männer in den Umkleideräumen die Möglichkeit, ein Land zu sein.“ Und
ein Journalist kommentierte die beiden unentschieden ausgegangenen Spiele
der armenischen Mannschaft gegen Nordirland und Portugal mit den Worten:
„Die Punkte sind für die neugegründeten Länder pures Gold. Sie stehen für
die Nation, sie sorgen für Anerkennung. Sie machen einen stolz.“
Als sich im Dezember 1995 eine palästinensische Auswahl und die Mannschaft
des französischen Variété Football-Club (in der auch Michel Platini
mitspielte) gegenüberstanden, erschien diese Begegnung den Palästinensern
als ein weiterer Schritt auf dem langen Weg in die Unabhängigkeit. Doch das
alles trifft weiß Gott nicht nur auf junge oder noch im Entstehen
begriffene Staaten zu. Den Journalisten des Londoner Economist hätte es
fast die Sprache verschlagen, als sie herausfanden, daß junge Briten,
danach gefragt, worauf sie stolz seien in ihrem Lande, die britische
Geschicklichkeit im Fußball anführten, anstatt eine Erinnerung an das
British Empire oder andere dem traditionellen Verständnis staatlicher Macht
entsprechende Gründe zu nennen.[1]
Die Kriege finden heute zumeist nicht zwischen Staaten statt. Die etwa
dreißig Konflikte, die die Welt zerreißen, sind innerterritoriale
Konflikte. Man ist von zwischenstaatlichen zu innerstaatlichen Kriegen
übergegangen. Sollte der Fußball somit zum letzten Ort der unmittelbaren
Konfrontation rivalisierender Länder geworden sein?[2]Die Londoner Times
paraphrasierte vor dem Europameisterschaftshalbfinale 1996 zwischen England
und Deutschland den Ausspruch von Clausewitz, der Krieg sei die Fortsetzung
der Politik mit anderen Mitteln: „Fußball – Fortsetzung des Kriegs mit
anderen Mitteln“. Steht dahinter nur der Gedanke an die Revanche für das
Weltmeisterschaftsfinale von 1966 oder auch die Erinnerung an den Zweiten
Weltkrieg?
Ist Sport zum Substitut für den um sich greifenden Nationalismus geworden?
Schürt er die Glut der nationalen Leidenschaften? Ist er infolgedessen
kriegstreiberisch, oder bietet er die Möglichkeit, einen Konflikt durch
Sublimierung der Gegensätze auf dem Rasen auszutragen? Ist nicht das
Aufeinanderprallen von Mannschaften und/oder Fans, wenn es sie denn schon
geben muß, militärischen Auseinandersetzungen vorzuziehen? Lieber
Weltmeisterschaft als Weltkrieg!
„Die internationale Expansion des Sports beruht auf der zunehmenden
internationalen Verflechtung und einem anfälligen, instabilen Weltfrieden,
der trotz der bekannten Ausnahmen mühsam gewahrt bleibt. Sportliche
Wettkämpfe wie die Olympischen Spiele gestatten es den Vertretern der
verschiedenen Nationen, sich miteinander zu messen, ohne sich gegenseitig
umzubringen, obwohl die Umwandlung solcher Scheingefechte in ,echte' Kämpfe
unter anderem vom Ausmaß der Spannungen abhängt, die bereits zwischen den
Staaten bestehen.“[3]
Es ist unmöglich, über das Thema zu reden, ohne den berühmten
„Fußballkrieg“ zwischen El Salvador und Honduras von 1969 zu erwähnen. Er
fand statt im Gefolge eines WM-Qualifikationsspiels innerhalb der
Concacaf-Zone (Nordamerika, Mittelamerika und karibischer Raum), und er
dauerte ganze vier Tage, bevor die Organisation Amerikanischer Staaten
(OAS) einen Waffenstillstand und den Abzug der salvadorianischen Truppen
erreichte. Natürlich: es ging um die WM-Qualifikation, aber zu meinen, daß
dieses Fußballspiel für den Krieg „verantwortlich“ war, ist ebenso
zutreffend wie die Behauptung, die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand
in Sarajevo 1914 sei die Ursache für den Ersten Weltkrieg gewesen. In
beiden Fällen wird das auslösende Moment mit den tatsächlichen Ursachen
verwechselt, die historischer, sozialer und politischer Natur sind.
Hintergrund des Konflikts war in diesem Fall, daß das dünnbesiedelte
Honduras (18 Einwohner pro Quadratkilometer) ständig die Rolle eines
Auffangbeckens für das überbevölkerte El Salvador gespielt hatte. 300000
Salvadorianer hatten sich – zumeist illegal – auf honduranischem Boden an
der Grenze zu El Salvador angesiedelt. Diese Situation führte zu starken
Spannungen. Überdies kam die Konfrontation mit El Salvador der
honduranischen Regierung zupaß: sie stiftete neue nationale Einheitsgefühle
und brachte die vorhandene innenpolitische Kritik – sprich: die eine
Landreform fordernden Stimmen – zum Schweigen.
In Jugoslawien wurden die ersten Risse in der Föderation bei einem Spiel
zwischen Dynamo Zagreb und Roter Stern Belgrad (am 13. März 1990) sichtbar.
Die Fans beider Vereine – die ersteren Kroaten, die letzteren Serben –
lieferten sich heftige Auseinandersetzungen; mehr als 61 Schwerverletzte
waren die Folge. Bereits 1989 schrien die kroatischen Fans in den Stadien
bei Spielen kroatischer gegen serbische Clubs: „Slobo [i. e. Slobodan
Milosevic], du entgehst dem Messer nicht!“ Vielleicht ging der gemeinsame
Staat symbolisch am 26. September 1990 beim Spiel Hajduk Split gegen
Partisan Belgrad zugrunde, als die heimischen Hajduk-Fans auf das Spielfeld
stürmten und die jugoslawische Fahne verbrannten. „Das erste Ereignis hat
gezeigt, daß serbische und kroatische Fans nicht mehr in der Lage waren,
sich gemeinsam in einem Stadion aufzuhalten; das zweite zeigte, daß der
Staat Jugoslawien auf einem Gutteil seines Staatsgebiets keine Autorität
mehr besaß.“[4]Der Fußball diente auch als Mittel, Jugoslawien zu
bestrafen. 1992 wurde die jugoslawische Mannschaft von der EM 1992 kurz vor
deren Beginn ausgeschlossen, da Belgrad für den Krieg verantwortlich
gemacht wurde. Für die internationale Gemeinschaft war die von ihr
verhängte Sanktion ein starkes symbolisches Mittel, um gegen Belgrad
Stellung zu beziehen, ohne militärische Risiken einzugehen. Der Beschluß
löste bei den Serben große Betroffenheit aus, denn er belegte spürbarer und
deutlicher als alles andere den eigenen Ausschluß aus der internationalen
Gemeinschaft.[5]
Der Fußball verfügt aber auch über ein symbolisches Potential, das der
Aussöhnung förderlich sein kann. Der Liberianer George Weah, Star bei Paris
Saint-Germain und später beim AC Mailand, hat viel dafür getan, daß seine
Nationalmannschaft zu einem verbindenden Element in einem vom Bürgerkrieg
zerrissenen Land wurde. Die persönliche Ausstrahlung trug viel dazu bei,
seiner Friedensbotschaft Gehör zu verschaffen. Ähnlich könnten auch der
Serbe Savicevic und der Kroate Boban, die eng miteinander befreundeten
Stars der einstigen jugoslawischen Mannschaft, die beide heute als Kollegen
beim AC Mailand spielen, als Symbole für die Aussöhnung dieser beiden
Länder fungieren – sofern denn die Führungen in Zagreb respektive Belgrad
an einer solchen Aussöhnung interessiert wären.
Fußball ist also ein Spiegel bestehender Verhältnisse. Niemals wird ein
Fußballspiel zwischen zwei Staaten, die eigentlich im Frieden leben, einen
Konflikt auslösen, und niemals wird es Staaten Frieden bringen, die Streit
suchen. Man sollte sich trotz der enormen Verbreitung keine falschen
Vorstellungen machen. Fußball war gewiß nicht die Ursache für den Krieg
zwischen El Salvador und Honduras oder für den Jugoslawienkonflikt. Und
Fußball allein wird auch Liberia keinen Frieden bringen. Er kann aber ein
Vorzeichen sein für den Wandel zum Besseren oder Schlechteren. Und er kann
für die Akteure auf internationaler Ebene eine Möglichkeit bieten, um
Konfrontation oder Annäherungen zu erwirken.
Aus diesem Grund sind die Äußerungen von João Havelange[6]mit Vorsicht zu
genießen, der erklärte, er wolle ein Fußballspiel zwischen einer
palästinensischen und einer israelischen Auswahl organisieren, um dem
Frieden zum Durchbruch zu verhelfen. „Wo die Politik, die Diplomatie und
die Finanzwelt gescheitert sind“, sagt er, „kann der Fußball, glaube ich,
zum Erfolg führen.“ Dem nordkoreanischen Präsidenten wollte Havelange 1998
vorschlagen, für die WM 2002 eine vereinigte koreanische Mannschaft zu
bilden. Vielleicht ist bei einem Mann, der seit 1974 an der Spitze der Fifa
steht, ein gewisses Quantum an Größenwahn unvermeidlich, doch mal im Ernst:
Wenn die beiden koreanischen Staaten den politischen Willen haben, sich
einander anzunähern, kann der Fußball ein probates Mittel sein, diese
Annäherung voranzutreiben; doch mag die Liebe zum runden Leder auch noch so
groß sein, sie wird nicht ausreichen, die Wiedervereinigung Koreas oder die
Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts herbeizuführen. Es wird
der Fifa allein nicht gelingen, dort Erfolg zu haben, wo die UNO, die
Vereinigten Staaten, Rußland, Europa, der Papst und die arabische Welt
gescheitert sind.
Die Faktoren internationaler Machtpolitik sind in einem tiefgreifenden
Wandel begriffen. Die traditionellen Faktoren (Staatsgebiet, militärische
Stärke, Demographie, technologisches Potential) werden durch neue – wie
etwa die Möglichkeiten medialer Beeinflussung – in den Hintergrund
gedrängt. Zur traditionellen hard power muß heute die soft power
hinzutreten. Als symbolische Verkörperung eines Staates oder einer Nation,
als nahezu weltweit geschätzte Sportart trägt der Fußball viel zum
Erscheinungsbild und Ansehen eines Landes bei – mittlerweile ebensoviel wie
kulturelle Faktoren.
dt. Sabine Scheidemann
12 Jun 1998
## AUTOREN
(DIR) PASCAL BONIFACE
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