# taz.de -- Strippenzieherim Jemen-Krieg
> Die Fronten im Süden der Arabischen Halbinsel sind festgefahren. Die
> sunnitische Allianz unter Führung Saudi-Arabiens konnte die schiitischen
> Huthi-Rebellen nicht besiegen. Auch der IS mischt neuerdings mit in einem
> Krieg, der den Jemen zum nächsten „gescheiterten Staat“ zu machen droht.
von Laurent Bonnefoy
Am 25. März 2015 begann Saudi-Arabien eine Militäroperation gegen die
Huthi-Rebellen im Jemen. Unterstützt wurden die saudischen Luftangriffe von
einer Koalition aus zehn muslimischen Staaten, die alle mehrheitlich
sunnitisch sind. Zuvor hatten die Huthi-Rebellen, die der schiitischen
Minderheit der Zaiditen angehören, über Monate die jemenitische Regierung
bedrängt, ohne jedoch das Königreich der Saudis direkt zu bedrohen.
Die Anhänger von Abdul Malik al-Huthi, nach dem die Rebellion benannt wird,
hatten den Übergangspräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi zum Rücktritt
gezwungen und damit geholfen, den „jemenitischen Frühling“ im Keim zu
ersticken. Dabei hatten sie sich mit ihrem einstigen Feind, Ali Abdullah
Saleh, verbündet, der seit 1978 mehr als dreißig Jahre lang jemenitischer
Staatspräsident gewesen war. Saleh war im Februar 2012 – durch über ein
ganzes Jahr anhaltende Proteste – zum Machtverzicht gezwungen worden, blieb
aber im Schutz seiner Immunität politisch aktiv. Und er benutzte die
Huthi-Bewegung, um sich für seinen Sturz zu rächen.
Als die saudische Operation „Sturm der Entschlossenheit“ begann, hatten die
Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa bereits sechs Monate lang besetzt und
kurz zuvor Aden, die größte Stadt des Südens, erobert. Das erklärte Ziel
der Saudis und ihrer Verbündeten war die Wiedereinsetzung Hadis. Dieser war
nach Riad geflohen, wo er seinen Rücktritt widerrief und die Saudis
offiziell um Unterstützung bat.
Die Huthi-Milizen sollten aus den Städten vertrieben und in ihre
Stammregion Sa’da im Nordwesten zurückgedrängt werden. Für diesen Plan
hatte der UN-Sicherheitsrat mit der Resolution 2216 eine Blankovollmacht
erteilt. Großbritannien, Frankreich und die USA versorgten die Koalition
mit Waffen und unterstützten sie durch Luftaufklärung.
## US-Söldner im Jemen, bezahlt von den Saudis
Indirekt war die Offensive gegen den Iran gerichtet, dem die Saudis
unterstellten, mithilfe der Huthi-Rebellen seinen Einfluss in der Region
ausdehnen zu wollen. Tatsächlich wurde die Intervention Saudi-Arabiens und
seiner Verbündeten von Teilen der jemenitischen Bevölkerung begrüßt. Das
gilt vor allem für den Süden und generell für alle Gegner al-Huthis, die
deshalb aber nicht unbedingt Hadi unterstützten wollten.[1]
Ein Jahr nach Beginn der Kämpfe hat die Anti-Huthi-Koalition ihre Ziele,
trotz aller regionalen und internationalen Unterstützung, erst teilweise
erreicht. Hadi ist zwar nach neunmonatigem Exil in Riad offiziell nach
Jemen zurückgekehrt. Aber der legale Präsident sitzt in der Hafenstadt Aden
fest, die im Juli 2015 von Anti-Huthi-Kräften mit Unterstützung der
Koalition befreit wurde.
Die Sicherheitslage in Aden ist jedoch prekär. Dschihadistische Gruppen,
darunter der jemenitische Arm des IS, halten die Stadt mit ihren Drohungen
und Attentaten in Atem. Am 6. Dezember 2015 wurde der Gouverneur von Aden
durch eine Autobombe getötet, zu dem Mord bekannte sich der IS. Ein
weiteres Attentat wurde Ende Januar 2016 gegen den neuen Gouverneur
unternommen. Und trotz militärischen Beistands durch die Vereinigten
Arabischen Emirate (VAE) ist es bisher nicht gelungen, die Sicherheitslage
in Aden deutlich zu verbessern; der Wiederaufbau bleibt vorerst ein
Wunschtraum, desgleichen die Rückeroberung der Hauptstadt Sanaa.
Die Koalition, die seit Juli 2015 auch mit Bodentruppen kämpft, hat
erhebliche Verluste erlitten. Im September wurden 83 Soldaten, darunter 45
aus den Emiraten, von einer Rakete getötet; Mitte Dezember starben bei
einem Angriff 152 Menschen.
Die VAE und Saudi-Arabien können sich auf lokale Kämpfer stützen, sie
bezahlen aber auch Söldner, die vor allem von dem US-amerikanischen
Sicherheits- und Militärunternehmen Academi (bis 2009 Blackwater Worldwide)
gestellt werden.
Trotz der Bombardierungen und des Exils der von der „internationalen
Gemeinschaft“ anerkannten Regierung halten die Huthi-Milizen so etwas wie
10 Mar 2016
## AUTOREN
(DIR) Laurent Bonnefoy
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