# taz.de -- Die Erdeim Kapitalozän
       
       von Christophe Bonneuil
       
       Anthropozän – der Begriff bezeichnet ein neues Erdzeitalter, geprägt durch
       eine menschliche Gattung, die zur weltbewegenden Kraft geworden ist.[1]Wann
       diese neue Epoche der Erdgeschichte begonnen hat, ist umstritten. Mit der
       Eroberung Amerikas und dem Ethnozid der Ureinwohner? Mit dem Aufstieg des
       Industriekapitalismus, der auf fossilen Energieträgern beruht? Oder mit der
       Atombombe und der „großen Beschleunigung“ seit 1945?
       
       Doch in einem sind sich die Wissenschaftler einig: Wir erleben nicht nur
       eine Umweltkrise, sondern eine Erschütterung des gesamten Planeten. Auf die
       Menschheit werden in den nächsten Jahrzehnten Veränderungen des Systems
       Erde zukommen, die für sie völlig neu sind.
       
       Der Begriff Anthropozän steht auch für das gescheiterte Versprechen der
       Moderne, dass sich die Menschen den Naturbedingungen entziehen könnten. In
       dieser Hinsicht sind die Wunden, die unserer Erde zugefügt wurden, zugleich
       ein tiefer Einschnitt in unser Leben. Sie verweisen uns zurück auf die
       Realität der tausend Abhängigkeiten und Rückkopplungen, die unsere
       Gesellschaften mit den komplexen Prozessen eines Planeten verbinden, der
       weder stabil noch unendlich noch von uns getrennt ist.
       
       Ein Beispiel nur: Unsere Eingriffe in das Klima machten Millionen Menschen
       zu Flüchtlingen (heute 22 Millionen, bis 2050 nach UN-Schätzungen 250
       Millionen), sie erzeugen Ungerechtigkeiten und geopolitische
       Spannungen.[2]Damit schmälern sie die Aussichten auf mehr Gerechtigkeit und
       Solidarität in der Welt, auf ein besseres Leben für die vielen. Und sie
       gefährden die fragilen Fortschritte an Demokratie wie bei Freiheits- und
       sozialen Rechten.
       
       Aber wer ist dieser Anthropos als Verursacher des Anthropozäns, das die
       Erde nachgerade aus ihrer geologischen Bahn geworfen hat? Eine einheitliche
       „Spezies“, die pauschal für die Krise verantwortlich ist? Wer das
       behauptet, verwischt die enormen Unterschiede in Bezug auf Einfluss, Macht
       und Verantwortung, die zwischen den Völkern, den Klassen und den
       Lebensweisen der Menschen bestehen. Im Übrigen hat die
       „Anthropozänisierung“ der Erde auch Opfer gefordert und Kritiker
       hervorgebracht, die uns ein Vermächtnis hinterlassen haben.
       
       ## Treibhausgase von 90 Konzernen
       
       In Wahrheit war das Anthropozän bis vor Kurzem ein Okzidentozän. Vier
       Fünftel der Treibhausgase, die von 1750 bis 1900 in die Atmosphäre
       gelangten, wurden in Nordamerika und Westeuropa produziert. In den letzten
       300 Jahren ist die Weltbevölkerung um das Zehnfache angewachsen. Dabei fiel
       die Einwirkung auf die Umwelt durch verschiedenen Gruppe ganz
       unterschiedlich aus. Die Gesellschaften der Jäger und Sammler, die heute
       vom Aussterben bedroht sind, kann man für die Klimaveränderungen schwerlich
       verantwortlich machen. Ein reicher Nordamerikaner verursacht in seinem
       Leben tausendmal mehr Treibhausgase als ein armer Afrikaner.[3]
       
       Zwischen 1700 und 2008 hat sich das Kapital – trotz vieler zerstörerischer
       Kriege – um den Faktor 134 vermehrt.[4]Im selben Zeitraum wuchs die
       Bevölkerung nur um den Faktor 10. Diese Zahlen zeigen, dass für die Dynamik
       der Erdtransformation vor allem der Prozess der Kapitalakkumulation
       verantwortlich ist. Das Anthropozän sollte also eher Kapitalozän heißen,
       argumentiert der Soziologe Jason Moore.[5]
       
       Seit zwei Jahrhunderten hat das Modell der industriellen Entwicklung, das
       auf der Ausbeutung fossiler Ressourcen beruht, die geologische Entwicklung
       unseres Planeten aus der Bahn geworfen und die Ungleichheiten noch weiter
       verschärft. 1820 verfügten die ärmsten 20 Prozent der Weltbevölkerung über
       4,7 Prozent des globalen Einkommens auf, 1992 waren es nur noch 2,2
       Prozent.[6]
       
       Gibt es eine Beziehung zwischen der Geschichte der Ungleichheit und der
       Geschichte der weltweiten Umweltzerstörung im Anthropozän? Nein, sagen die
       Fürsprecher des „grünen Kapitalismus“, die behaupten, dass Markt und
       Wachstum, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz voll miteinander vereinbar
       seien. Doch zahlreiche aktuelle Untersuchungen an der Schnittstelle von
       Geschichte und Geowissenschaft zeigen, dass ökonomische und soziale
       Herrschaftsverhältnisse, ökologische Verbrechen und Umweltzerstörung auf
       dieselben Triebkräfte zurückgehen.
       
       Zwar verändert jedes menschliche Handeln die Umwelt, aber die Auswirkungen
       sind höchst unterschiedlich. Zum Beispiel gehen mehr als 63 Prozent der
       seit 1850 verursachten Emissionen von Treibhausgasen auf das Konto von nur
       90 Konzernen.[7]Die Länder, die in dieser Hinsicht die Atmosphäre am
       stärksten belasten, sind und waren die historisch stets dominierenden
       Wirtschaftsmächte (siehe nebenstehende Karte). Das war zunächst
       Großbritannien, das in der viktorianischen Epoche des 19. Jahrhunderts
       nicht nur die halbe Welt kolonisierte, sondern auch die Hälfte des
       Kohlendioxids produzierte. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts waren es die USA,
       aber auch deren Konkurrenten, die Staaten des sowjetischen Machtbereichs,
       deren System nicht weniger zerstörerisch war.
       
       Heute emittiert China mehr Treibhausgase als die USA und Europa zusammen.
       Überdies hat Peking lange zu niedrige Zahlen über den Kohleverbrauch des
       Landes und damit seine CO2-Emissionen gemeldet. Die Konkurrenz des
       Riesenreichs mit den USA führte in der Vergangenheit zu einem Run auf
       fossile Brennstoffe, wird sich künftig aber auch in Bereichen wie
       Digitaltechnik und „grüne“ Technologien abspielen. Kann man angesichts
       dieser historischen Realität die weltweiten Eingriffe in das Klima
       begrenzen, ohne den Wettlauf um die wirtschaftliche und militärische
       Vorherrschaft infrage zu stellen?
       
       Die Eroberung der wirtschaftlichen Hegemonie durch die „Nationalstaaten des
       Zentrums“ (Immanuel Wallerstein) verhalf deren kapitalistischer Elite zur
       globalen Dominanz. Das machte es zugleich möglich, in diesen Ländern eine
       Art sozialen Frieden zu erkaufen, indem die beherrschten Klassen an der
       Konsumgesellschaft beteiligt wurden. Allerdings nur um den Preis einer
       ökologischen Verschuldung, sprich ungleicher ökologischer
       Tauschverhältnisse mit den übrigen Regionen der Welt.
       
       Der marxistische Begriff „ungleicher Tausch“ bezeichnet das Verhältnis von
       Peripherie und Zentrum, zwischen denen ungleiche Arbeitsmengen getauscht
       werden. „Ungleicher ökologischer Tausch“ ist demnach die Asymmetrie, die
       entsteht, wenn Regionen der Peripherie Produkte mit einem hohen
       ökologischen Gebrauchswert exportieren und dafür ökologisch minderwertige
       Produkte erhalten oder gar Produkte, die Umweltschäden verursachen (wie
       Abfälle oder Treibhausgase).
       
       ## Der ökologische Fußabdruck des „Wirtschaftswunders“
       
       Der ökologische Wert lässt sich auf unterschiedliche Weise messen: Anhand
       der Bodenfläche, die für die Erzeugung von Waren und Dienstleistungen nötig
       sind; anhand des „ökologischen Fußabdrucks“,[8]also der Menge an Energie
       oder Materie (wie Biomasse, Erze, Wasser); oder anhand der Abfälle, der
       Schäden und der Entropie, die erzeugt und ungleich verteilt werden.
       
       Diese Form der Analyse der weltweiten wirtschaftlichen Tauschverhältnisse
       ermöglicht einen neuen Blick auf den Stoffwechsel unserer Gesellschaften;
       und auf die historische Abfolge der „Welt-Ökologien“ (Jason Moore), für die
       jeweils eine bestimmte (asymmetrische) Verteilung von Materie, Energie und
       umweltschädlichen oder -schonenden Verfahren charakteristisch ist.
       
       Der Historiker Kenneth Pomeranz hat gezeigt, welche Rolle der ungleiche
       ökologische Tausch beim Eintritt Großbritanniens in das Industriezeitalter
       spielte.[9]Die Eroberung Amerikas und die Kontrolle des atlantischen
       Sklavenhandels ermöglichten den Europäern eine ursprüngliche Akkumulation,
       von der vornehmlich die Briten profitierten, weil sie im 18. Jahrhundert
       die überlegene Seemacht waren. Das eröffnete ihnen den Zugang zu den
       Ressourcen der übrigen Welt, die sie für ihre industrielle Entwicklung
       brauchten: Ohne Sklavenarbeit kein Zuckerrohr (Zucker machte um 1800 rund 4
       Prozent der Energieaufnahme der Bevölkerung aus), keine Baumwolle für die
       britischen Manufakturen, weder Wolle noch Holz noch Guano, Weizen oder
       Fleisch.
       
       Mitte des 19. Jahrhunderts war die landwirtschaftlich genutzte Fläche an
       der Peripherie des Imperiums deutlich größer als in seinem Zentrum.
       Entsprechend ungleich war der Tausch: Wenn britische Fabrikanten1850 etwa
       1000 Pfund in Manchester hergestellte Stoffe gegen 1000 Pfund
       amerikanischer Rohbaumwolle tauschten, machten sie einen Gewinn von 46
       Prozent durch ungleichen Tausch von Arbeitskraft, und von sagenhaften 6000
       Prozent im Hinblick auf die genutzte Anbaufläche durch ökologisch
       ungleichen Tausch.[10]Das britische Empire konnte sein heimisches
       Territorium auch ökologisch entlasten. Die Aneignung von Arbeitskraft und
       Ökosystemen der Peripherie waren Bedingungen seiner Industrialisierung.
       
       Auch das „Wirtschaftswunder“ nach dem Zweiten Weltkrieg ging mit wachsendem
       Energiehunger und einer negativen CO2-Bilanz einher. Während in der ersten
       Hälfte des 20. Jahrhunderts ein jährlicher Zuwachs des Konsums von fossilen
       Energien um 1,7 Prozent für ein weltweites Wachstum von 2,13 Prozent pro
       Jahr ausgereicht hatte, erforderte das durchschnittliche
       Wirtschaftswachstum von 4,18 Prozent im Zeitraum von 1945 bis 1973 einen um
       4,5 Prozent erhöhten Verbrauch fossiler Energien. Eine abnehmende
       Energieeffizienz zeigte sich auch bei anderen mineralischen Rohstoffen:
       Während im Zeitraum von 1950 bis 1970 das weltweite Bruttoinlandsprodukt
       (BIP) um 260 Prozent wuchs, stieg der Verbrauch von Erzen und
       Bergbauprodukten für die Industrie um 300 Prozent, dasselbe gilt für
       Baumaterial. Insgesamt ist der ökologische Fußabdruck des Menschen zwischen
       1961 und Ende der 1970er Jahre von 63 Prozent der globalen Biokapazität auf
       über 100 Prozent angestiegen. Anders gesagt: Seither verbrauchen wir mehr
       Ressourcen, als unser Planet zu bieten hat, und hinterlassen mehr Abfall,
       als er aufnehmen kann.
       
       Der Wettlauf der Systeme, den sich der Westen und der Ostblock im Kalten
       Krieg lieferten – bei Produktion und Konsum, mit Wettrüsten und Wettlauf um
       die Eroberung des Weltraums – erforderte eine gigantische Ausbeutung der
       natürlichen und menschlichen Ressourcen. Es gab jedoch einen wichtigen
       Unterschied. Das kommunistische Lager beutete hauptsächlich seine eigene
       Umwelt aus: Die Bilanz des Rohstoffhandels war fast ausgeglichen, und die
       zahlreichen ökologischen Katastrophen ereigneten sich auf dem eigenen
       Territorium. Die westlichen Industrieländer hingegen nutzten für ihr
       Wachstum in großem Umfang mineralische und erneuerbare Ressourcen aus
       anderen Ländern: Die Nettoimporte stiegen von 1950 bis 1970 von jährlich
       299 Milliarden Tonnen auf 1282 Milliarden Tonnen[11]. Sie kamen aus dem
       Rest der nichtkommunistischen Welt, die dadurch ihre Rohstoff- und
       Energieressourcen verlor.
       
       Diese Ausbeutung war ökonomisch ungleich. Die Terms of Trade für die
       Primärgüter (Rohstoffe und Nahrungsmittel) produzierenden
       „Entwicklungsländer“ fiel von 1950 bis 1972 um fast 20 Prozent. Aber das
       Tauschverhältnis war auch ökologisch ungleich: Während China und die UdSSR
       um 1973 einen ökologischen Fußabdruck hinterließen, der 100 Prozent ihrer
       heimischen Biokapazität entsprach, betrug dieser Wert für die USA bereits
       damals 176 Prozent, für die Bundesrepublik Deutschland sogar 292 Prozent.
       Bei vielen Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika lag diese Kennziffer
       unter 50 Prozent.[12]
       
       ## Ein Verbrechen wie früher der Sklavenhandel
       
       Motor des „Wirtschaftswunders“ war in dieser Zeit offenbar die
       atemberaubende ökologische Verschuldung der westlichen Industrieländer, die
       das kommunistische System überflügelten – das krasse Gegenteil einer
       nachhaltigen Entwicklung. Die gewaltigen Emissionen von Schadstoffen und
       Treibhausgasen schädigten auch die ökologischen Reparaturmechanismen in
       anderen Teilen der Welt. Damit entstand eine Kluft zwischen den
       Volkswirtschaften, die viel Reichtum produzieren, ohne schwere Schäden im
       eigenen Land zu riskieren, und den anderen, deren Wirtschaftstätigkeit das
       eigene Territorium stark belastet.
       
       Der ungleiche ökologische Tausch zwischen beiden Typen von Volkswirtschaft
       dauert bis heute an: Da gibt es die 5 Prozent der reichsten Staaten, die
       ihre Wirtschaftskraft und ihren sozialen Frieden mittels Emissionsgrenzen
       für Treibhausgase, die weit über dem weltweiten Durchschnitt liegen, zu
       bewahren suchen (siehe Karte unten). Und da gibt es die Regionen (vor allem
       Inseln, tropische Regionen und Küstenstaaten) sowie Bevölkerungsgruppen
       (hauptsächlich die ärmsten), die vom Klimawandel am stärksten betroffen
       sind. Die Wälder in diesen Regionen sollen überdies die Auswirkungen der
       massiven Emissionen in den reichen Regionen abfangen, und zwar entweder
       umsonst oder gegen eine geringe Entschädigung durch Mechanismen wie
       Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation (REDD) und
       andere Märkte für ökologische Waren und Dienstleistungen. Das ist zugleich
       eine neue Form des ungleichen Tauschs, wobei die ökologische Schuld der
       reichen Länder die Staatsverschuldung der armen bei weitem übersteigt.
       
       Es ist die Aufgabe unserer Generation und der politischen
       Entscheidungsträger, diese zerstörerische und ungerechte Entwicklung zu
       stoppen. Dafür müssen wir einen Teil der fossilen Ressourcen und alle
       Emissionen einfrieren, die die Temperatur auf der Erde um mehr als 2 Grad
       ansteigen lassen – nach Ansicht einiger Klimaforscher muss der Anstieg
       sogar auf 1,5 Grad begrenzt werden. Dies zu versäumen, wäre nichts anderes
       als ein Anschlag auf die Sicherheit unseres Planeten, der viele Menschen
       hart treffen wird.[13]Obwohl die Kausalbeziehungen und die Berechnungen
       kompliziert sind, wissen wir, dass jede Gigatonne Kohlendioxid jenseits des
       „2-Grad-Ziels“ mehrere Millionen weitere Klimaflüchtlinge bedeutet. Was
       Condorcet und der Abbé Raynal einst über die Sklaverei sagten, gilt heute
       für die unkontrollierten Emissionen von Treibhausgasen: Es handelt sich um
       ein „Verbrechen“.
       
       Die Idee der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens ist heute erneut
       bedroht. Desmond Tutu, der südafrikanische Erzbischof und Kämpfer gegen die
       Apartheid, formuliert es so: Die Reduzierung des Kohlenstoff-Fußabdrucks
       ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sie ist auch „das größte
       Projekt zur Verteidigung der Menschenrechte“.[14]Es kann nicht sein, dass
       Einzelne und Unternehmen sich durch Aktivitäten bereichern, die
       Klimaverbrechen darstellen. Erzbischof Tutu appellierte an alle, gegen die
       Ursachen und die Verursacher des Klimawandels so zu kämpfen, wie gegen die
       Apartheid gekämpft wurde: mit moralischer Verurteilung, Boykotten und
       zivilem Ungehorsam, mit dem Abzug von Investitionen und mit der ganzen
       Härte des Völkerrechts.
       
       Die Sklaverei wurde nicht überwunden, indem man die Kolonialherren
       aufforderte, Vorschläge für die Reduzierung der Zahl der importierten
       Sklaven zu präsentieren. Genauso wenig können wir heute Fortschritte
       erwarten, wenn wir auf freiwillige Konzessionen von Staaten setzen, die in
       einen gnadenlosen Wirtschaftskrieg verstrickt sind. Ebenso wenig können wir
       unser künftiges Klimas der unsichtbaren Hand eines Markts für
       Emmissionszertifikate überlassen, der Atmosphäre, Böden und Wälder zu
       spekulativen Geldanlagen macht.
       
       Die Kräfte der Veränderung werden wir eher unter den Opfern des
       Hydrokarbon-Kapitalismus finden: den Fischern in Ozeanien, die für ihre
       Fischbestände kämpfen, den Aktivisten, die sich gegen die Abholzung der
       Wälder engagieren, und den Klimaflüchtlingen. Und wir müssen auf die
       moralischen Empörung all jener Menschen in den reichen Ländern setzen, die
       bei der Zerstörung nicht länger mitmachen wollen. Sie demonstrieren ihre
       Weigerung auf unterschiedlichen Weise: mit dem Bemühen, mit weniger besser
       zu leben; mit Druck auf die Banken, keine Unternehmen mehr zu
       finanzieren[15], die das Klima schädigen; mit Kampagnen gegen Regierungen,
       die von Emissionsreduktion nur reden, statt endlich zu handeln, mit dem
       Widerstand gegen unsinnige Großprojekte.
       
       Würden Jean Jaurès, Mahatma Gandhi und Rosa Parks heute leben, würden sie
       gewiss dafür kämpfen, den Klimaverbrechen ein Ende zu setzen und den 90
       Kohlenstoff-Sklavenhändlern das Handwerk zu legen, damit das Kapitalozän
       endlich überwunden wird.
       
       1↑ Siehe Elmar Altvater, „Das Erdzeitalter des Kapitals“, Le Monde
       diplomatique(Hg.), „Atlas der Globalisierung. Weniger wird mehr“, Berlin
       (TAZ Verlag) 2015.
       
       2↑ Vgl. Agnès Sinaï, „Verwüstung. Wie der Klimawandel Konflikte anheizt“,
       Le Monde diplomatique, September 2015.
       
       3↑ David Satterthwaite, „The implications of population growth and
       urbanization for climate change“, Environment & Urbanization, Bd. 21, Nr.
       2, Thousand Oaks, Kalifornien, Oktober 2009.
       
       4↑ Berechnung in Dollar von 1990 auf der Grundlage von Daten, in: Thomas
       Piketty, „Das Kapital im 21. Jahrhundert“, München (Beck) 2014.
       
       5↑ Jason Moore, „Capitalism in the Web of Life“, Verso (London) 2015;
       Andreas Malm, „Fossil Capital. The Rise of Steam Power and the Roots of
       Global Warming“, Verso (New York), Januar 2016.
       
       6↑ François Bourguignon, Christian Morrisson, „Inequality among world
       citizens: 1820–1992“, The American Economic Review, Bd. 92, Nr. 4,
       Nashville, September 2002.
       
       7↑ Richard Heede, „Tracing anthropogenic carbon dioxide and methane
       emissions to fossil fuel and cement producers, 1854–2010“, Climatic Change,
       Bd. 122, Nr. 1, Berlin, Januar 2014.
       
       8↑ Siehe www.footprintnetwork.org.
       
       9↑ Kenneth Pomeranz, „The Great Divergence. China, Europe and the Making of
       the Modern World Economy“,Princeton (Princeton University Press) 2002.
       
       10↑ Alf Hornborg, „Global Ecology and Unequal Exchange. Fetishism in a
       Zero-Sum World“, London (Routledge) 2011.
       
       11↑ Anke Schaffartzik und andere, „The global metabolic transition:
       Regional patterns and trends of global material flows, 1950–2010“, Global
       Environmental Change, Bd. 26, Mai 2014.
       
       12↑ „National Footprint Accounts 1961–2010, 2012 Edition“, Global Footprint
       Network, 2014, www.footprintnetwork.org.
       
       13↑ Valérie Cabanes, „Crime climatique et écocide: réformer le droit pénal
       international“, in: „Crime climatique. Stop! L’appel de la société civile“,
       Paris (Seuil) 2015.
       
       14↑ Desmond Tutu, „Nous avons combattu l’apartheid. Aujourd’hui, le
       changement climatique est notre ennemi à tous“, in: „Crime climatique.
       Stop!“, siehe Anmerkung 13.
       
       15↑ Siehe Rebecca Solnit, „In Zeiten des Ernstfalls. Warum wir Ölkonzernen
       und anderen Klimakillern den Geldhahn zudrehen müssen“, in: „Atlas der
       Globalisierung“, siehe Anmerkung 1.
       
       16↑ Siehe den Aufruf von Susan George, Naomi Klein, Desmond Tutu und
       anderen: „Laissons les fossiles dans le sol pour en finir avec les crimes
       climatiques“, crimesclimatiquesstop.org.
       
       Aus dem Französischen von Ursel Schäfer
       
       Christophe Bonneuil ist Historiker und der Koautor von „Crime climatique.
       Stop! L’appel de la société civile“, Paris (Seuil) 2015.
       
       12 Nov 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christophe Bonneuil
       
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