# taz.de -- taz NRW I: J'accuse!
> Der Vorstand der taz begründet seine Entscheidung für die Schließung mit
> dem Satz "Es fehlt der lange Atem." Stimmt nicht!
(IMG) Bild: Die Redaktion der NRW taz
DÜSSELDORF taz Zeitungen zu schließen ist ein Akt der Barbarei, es
verschwindet ein öffentlicher Raum. Das kann man sich nicht schönreden.
Erst recht nicht schönschreiben. Als Redaktionsleiter der taz nrw muss ich
das gerade erleben und damit das Ende eines Traums. Der drehte sich seit
zehn Jahren um eine taz für Nordrhein-Westfalen. Um den Aufbau einer
anderen Redaktion, anderer Seiten im Bundesland der Großverleger und
Großkonzerne. Als die taz nrw im Dezember 2003 endlich täglich loslegen
konnte, da lebte dieser Traum in Köln und Bochum stark wie nie. Wir fühlten
uns wie Pioniere.
Dabei galt für die taz nrw immer ein besonders strenges ökonomisches
Bedingungsgefüge: Die extra dafür gegründete Entwicklungsgesellschaft der
taz steckt die eingeworbenen Millionen in die Entwicklung im Westen, dafür
wächst dort die Aboauflage Jahr für Jahr um 1.000 Abos. Beides klappte
nicht. Erst fehlte Kapital, dann fehlten Abos, nun fehlen neues Kapital und
neue Abos, und am Ende des Weges fehlt vor allem die Hoffnung in die
Entwicklung der taz.
Es klingt merkwürdig, aber gerade Nordrhein-Westfalen bietet eigentlich
Anlass zur Hoffnung. In etwas mehr als drei Jahren gelang es, eine
taz-Regionalausgabe auf die Beine zu stellen, wie sie sein soll: eine
relevante Zeitung für die wichtigsten Themen im Bundesland, so
unterhaltsam, interessant und meinungsfreudig, dass alle politischen Lager
gerne mit ihr sprachen, dass die taz nrw viel zitiert wurde, die
Regionalseiten ernst genommen wurden - aber nicht zu ernst. In den drei
Jahren hat die taz in NRW dennoch nur 1.000 neue LeserInnen hinzugewonnen.
Wie schreibt der taz-Vorstand in seiner Presseerklärung zur Schließung: "Es
fehlte der lange Atem." Nicht nur. Aus der Distanz in Düsseldorf
betrachtet, fehlte es im taz-Verlag in Berlin in den vergangenen Jahren
auch an Geschäftsideen und verlegerischem Mut im Westen. Das Aus für die
taz in NRW hätte verhindert werden können.
Bereits 2005 wurden Medienfonds wie die taz-Entwicklungsgesellschaft von
der großen Koalition gestoppt. Die Kapitalquelle für die Regionalisierung
war damit versiegt, und die Kosten brauchten die Rücklagen auf. Dass der
Vorstand der taz dennoch keine neuen Investitionsmodelle nicht nur für die
taz nrw entwickelte, zeugt vom Mangel an Weitblick. Dass die taz nrw dann
in den vergangenen drei Monaten eine Rettungskampagne startete, während die
Bundes-taz eine ganz andere Abokampagne laufen ließ mit dem Motto "Die taz
ist wahrer Luxus", war denkbar ungeschickt und ließ den Rettungskampf in
NRW nicht gerade glaubwürdiger erscheinen. Dass es schließlich sogar noch
reichlich Irritationen gab bei der Abrechnung der NRW-Kampagne, auch das
geht sicherlich geplanter. Es ist nicht sehr wirtschaftlich, wenn am Ende
einer Kampagne nicht alle neuen Abos in NRW gezählt werden, sondern das
Ergebnis mit der Bundesauflage verglichen wird. Demnach wäre die taz nrw
gerettet worden, wenn die Bundesauflage eingebrochen wäre. Aber ist das gut
für die taz?
So bleiben am Ende große Gefühle: Enttäuschung über das absehbare Ende
statt eines neuen Aufbruchs an Rhein und Ruhr. Sorge weniger um das
fabelhafte Team in Düsseldorf als um die Zukunft der taz, die vier Seiten
verliert, ein kompetentes Redaktionsbüro in NRW, ein Marketinginstrument.
Aber es bleiben auch Stolz und Freude über die Anteilnahme der FreundInnen,
LeserInnen, GenossInnen, KollegInnen am Ende dieses publizistischen Traums
im Westen.
CRISTOPH SCHURIAN ist seit 2002 Redaktionsleiter der taz nrw mit Sitz in
Düsseldorf.
7 Jul 2007
## AUTOREN
(DIR) Christoph Schurian
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