# taz.de -- die wahrheit: Wer dreht als Nächste durch?
> Erst will Susan Stahnke Görings Frau spielen, dann lobt Eva Herman die
> Familienpolitik der Nazis. Offenbar sind die Sprecherinnen der
> "Tagesschau" besonders gefährdet.
(IMG) Bild: Teile des Gehirns haben sich bei Eva Herman (links) und Susan Stahnke (rechts) längst ausgeschaltet
Große Sorgen macht sich der NDR derzeit um seine
"Tagesschau"-Sprecherinnen. Offenbar breitet sich unter den Sprecherinnen
der meistgesehenen Nachrichtensendung des deutschen Fernsehens immer wieder
ein Virus aus, das intern nur GröNaZ genannt wird: Plötzlich halten sich
ganz gewöhnliche Fernsehsprecherinnen für die "Größte Nachrichtensprecherin
aller Zeiten".
Die Krankheit nimmt immer den gleichen Verlauf: Eine Sprecherin beginnt als
zurückhaltende und hinter dem Nachrichtentext verschwindende Ableserin.
Doch urplötzlich brechen aus ihr größenwahnsinnige Ideen hervor, und es
verlangt sie nach mehr Scheinwerferlicht. Der NDR versucht seit langem,
seine Nachrichtendamen gegen dieses Virus zu impfen, indem er sie
zusätzlich zu ihrer Haupttätigkeit völlig unerhebliche Shows und Magazine
in dritten Programmen moderieren lässt. Hauptsache, die Damen dürfen einmal
ihren Unterleib ins Rotlicht der Kameras halten. Bei den meisten scheint
die Immunisierung auch zu fruchten. In den vergangenen Jahren allerdings
erkrankten gleich zwei der populärsten Gesichter der "Tagesschau" an dem
GröNaZ-Virus.
Alles fing an, als es Susan Stahnke nicht mehr genügte, am
Nachrichtenschreibtisch zu arbeiten. Konsequent stieg sie den Karriereast
hinab und geriet in die Fänge der Kommerzsender. So musste sie
beispielsweise in einem Dschungelcamp als Beleidigte vom Dienst anschaffen
gehen. Und als hätten die Zuschauer nicht schon genug gesehen von ihren
Innereien, ließ sie auch noch eine öffentliche Darmspiegelung an sich
vornehmen. Spätestens jetzt war Susan Stahnke endgültig ganz unten
angelangt. Dabei hatte alles begonnen mit einer Vision: Sie wollte nach
Hollywood, wo sie angeblich in einem Spielfilm die Ehefrau von Hermann
Göring darstellen sollte. Ein Plan, der sich zum Glück zerschlug.
Eva Herman war der zweite Fall, bei dem der tückische Erreger auf die
ARD-aktuell-Redaktion übergriff. Schon im vergangenen Jahr wurde sie vom
Norddeutschen Rundfunk aus dem Nachrichtenteam entfernt, weil sie in ihrem
Buch "Das Eva-Prinzip" aberwitzig reaktionäre Thesen aufkochte. Mit ihrem
soeben erschienenen Buch "Das Arche-Noah-Prinzip" trat sie endgültig ins
braune Näpfchen, als sie bei der Buchpräsentation die Familienpolitik der
Nationalsozialisten lobte. Es fehlte nicht viel, und Eva Herman hätte
verlangt, ihre NDR-Talkshow umzubenennen in "Göring & Tietjen". Der NDR
entließ sie prompt. Alles ein Missverständnis, schrie die Ertappte gleich
auf und folgte dem neuerdings überall üblichen Werbekonzept: erst ein Tabu
verletzen, dann zurückrudern, um sich in einer Opferrolle einzurichten. Sie
habe überhaupt keine extremen Ansichten und distanziere sich von der
Nazipolitik et cetera pp.
In den nächsten Tagen wird sie dann durch die Medien ziehen und behaupten,
die bösen 68er und die von ihnen in Deutschland eingeführte "Politische
Korrektheit" würden die von ihr angesprochenen Wahrheiten verhindern
wollen. Unterstützt wird sie dann vom üblichem unappetitlichen Mix aus
Bild, junger Freiheit und artverwandten Randpolitikern, die eine
Scheindebatte führen unter der Schlagzeile "Ganz Deutschland diskutiert:
Sagt Eva Herman doch die Wahrheit?". Und die Damen und Herren des
widerlichen Pendo-Verlags, in dem das Herman-Buch erschienen ist, reiben
sich die Hände vor lauter Vorfreude auf die Gelder, die durch das
Schmierentheater in ihre Kassen fließen werden.
Beim NDR fragt man sich inzwischen besorgt: Wer ist die nächste
"Tagesschau"-Sprecherin, die durchdreht? Welche der vier Sprecherinnen der
Hauptausgabe wird dem Virus als Nächste erliegen? Die robuste Ellen
Arnhold, die kühle Susanne Daubner, die feingeistige Laura Dünnwald oder
die bodenständige Caroline Hamann? Angeblich stehen die vier schon unter
verschärfter Beobachtung, damit bereits beim ersten Anflug eines
Virusbefalls sofort eingegriffen werden kann.
Als erstes Symptom gilt, wenn die Befallene sich zu Themen äußert, zu denen
sie besser die Klappe halten sollte. Was zunächst als kleiner Ausrutscher
gewertet wird, zieht meist einen rasend schnellen Krankheitsverlauf nach
sich: Das Denkvermögen wird stark eingeschränkt, aber auch der emotionale
Teil des Gehirns schaltet sich ab. Nur so lässt sich zum Beispiel der
wahnwitzige Umgang einer Eva Herman mit dem Thema "Mütter während der
Nazizeit" erklären. Die neue nationale Mütterexpertin blendet jüdische
Mütter einfach aus, die als Folge der nationalsozialistischen Mütterpolitik
zwischen 1933 und 1945 ihre Söhne und Töchter auf grausame Weise verloren
haben. An solchen Punkten des Krankheitsverlaufs merkt man, dass das
GröNaZ-Virus zu völliger geistiger Verwahrlosung führt.
Die einzige Aufgabe einer Nachrichtensprecherin ist es, Nachrichten korrekt
vom Blatt oder vom Teleprompter abzulesen. Dass vom Größenwahn ergriffene
Fernsehfrauen neuerdings politisch-historische Debatten bestimmen, muss man
als Form eines gesamtgesellschaftlichen Wahnsinns verstehen. Diesen Wahn zu
ignorieren oder die Damen zu Parias zu erklären hilft leider überhaupt
nicht. Das Einzige, was wohl hilft, ist, dass ein zuständiger
NDR-Verantwortlicher beim nächsten Fall hingeht und die betreffende Person
kurzerhand links und rechts ohrfeigt. Vielleicht wacht sie ja dann auf.
MICHAEL RINGEL
11 Sep 2007
## AUTOREN
(DIR) Michael Ringel
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