# taz.de -- ZDF-Dreiteiler "Krupp - eine deutsche Familie": Alles Schweine, sogar Mutti
       
       > Das ZDF hat die Geschichte des Weltkonzerns als düsteres Familienepos
       > verfilmt. Doch der Dreiteiler bleibt Schablone - und zäh wie Kruppstahl.
       
 (IMG) Bild: Hoher Besuch auf Villa Hügel: Gustav (Heino Ferch, r.) empfängt Kaiser Wilhelm (Michael Schenk).
       
       Alles ist Berthas Schuld. Auf diese handliche Kurzformel lässt sich die
       ZDF-Annäherung an den "Mythos Krupp" bringen. Aber was heißt hier
       Annäherung: "Krupp - Eine deutsche Familie" springt mitten rein in den
       Montan-Clan, der unter seiner eigenen Wichtigkeit leidet und ächzt.
       Schließlich geht im düsteren Dämmerlicht der Villa Hügel (für die im Film
       ausgerechnet das eher verspielte Schloss Nordkirchen herhält) alles
       zugrunde.
       
       Keine Frage: Die Kruppsche Familiensaga hat das Zeug zu fulminantem
       Fernsehen. Waffenverkaufend in alle Weltgegenden verkehrten die Krupps mit
       Kaisern und Führern auf Augenhöhe, oft hart am Rande der Pleite, aber immer
       größer und strahlender als der Rest der deutschen Stahl- und Kanonenbarone.
       
       Doch das ZDF bleibt im großen Stoff seltsam stecken und macht kaltes
       Ausstattungs-TV draus, das in seiner schlichten Erwartbarkeit nicht über
       dreimal 90 Minuten trägt. "Stahl. Macht. Leidenschaft" heißt der
       Werbeslogan für den Film - bleiern träfe es besser.
       
       Den ersten Teil durchleidet Krupps Bertha still als höhere Tochter, nach
       dem Tod des wegen seiner homosexuellen Ausflüge gen Capri nicht ganz comme
       il faut geratenen Vaters übernimmt sie de facto die Firmenleitung. Umso
       eiserner wird ihr Erstgeborener zum Konzernerben erzogen. Alfried darf dann
       natürlich auch nicht die Frau lieben, die er sogar heimlich geheiratet hat.
       Doch da ist das Kind längst in den Brunnen gefallen. Benjamin Sadler gibt
       seinen Alfried folglich mit stets magenkrankem Hundeblick, und Iris Berben
       bemüht als Bertha ihr gesamtes aus den "Rosa Roth"-Folgen bekanntes
       Mienenspiel.
       
       Diesmal darf sie fast durchgehend streng sein: "Deine Haut ist Krupp. Dein
       Blut ist Krupp. Du bist Krupp!", herrscht sie Alfried an. Der schluckt,
       zaudert - und pariert. Auch noch, als er 1943 mit der Lex Krupp von Hitlers
       Gnaden zum Firmenboss gesalbt wird, obwohl ringsum alles in Scherben fällt,
       die an der Front kämpfenden Brüder zweifeln und der eigene Onkel im
       Widerstand ist. Auch dann noch, als nach 1945 alles zerbombt ist, aber der
       Mythos Krupp einfach gar nicht anders kann, als der eigenen
       Wiederauferstehung entgegenzuarbeiten.
       
       Was aber treibt diese Menschen zu solcher "Pflichterfüllung", will der Film
       nach eigenem Bekunden ausloten: "Von den Krupps wollten wir wissen, wie
       sich Menschen entscheiden, nicht wie ihre Funktionen waren", schreibt
       Koproduzent Georg Feil in der Funkkorrespondenz: "Es ging uns um die Motive
       und Gefühle der Akteure. Und die stehen nicht in den Akten."
       
       Aber auch nicht im Drehbuch von Christian Schnalke, die mechanische Regie
       von Carlo Rola tut ihr Übriges, und so kommt "Krupp" noch blutleerer als
       andere Produktionen der Schnalke-Rola-Kombo wie "Die Patriarchin" (2005),
       wo sich Iris Berben schon mal dreiteilig als
       pflichtbewusst-wertkonservative Unternehmerin versuchte.
       
       "Krupp" umschifft in viereinhalb Stunden die menschlichen Abgründe genauso
       wie die historischen: Alfrieds Verurteilung und Haft als Kriegsverbrecher
       wird nur milde gestreift, die ach so geliebten "Kruppianer", für die sich
       die prachtvollen Unternehmer aufopfern, sind ohnehin zur tumben Staffage
       degradiert. Am Schluss verzichtet der voyeuristisch als
       Sonnenkönig-Jüngelchen überzeichnete letzte Krupp-Spross Arndt auf sein
       Erbe und fährt zu Emerson, Lake & Palmers "Lucky Man" in sein eigenes
       unglückliches Restleben. Vater Alfried hats hingegen vollbracht, stirbt zu
       den Klängen von Richard Strauss "Befreit" - und bleibt, das will der Film
       dann doch noch mal ganz deutlich sagen, auf ewig ein Gefangener.
       
       "Krupp - eine deutsche Familie" ist am Sonntag, Dienst und Mittwoch um
       20.15 Uhr im ZDF zu sehen.
       
       21 Mar 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
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