# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn Kinderschreien ein echtes Lockmittel ist
       
       In Anklam steigt ein Mann in den Regionalzug nach Berlin zu und fragt, ob
       er sich zu uns setzen dürfe. Wir sind mit zwei Kindern unterwegs, eins
       davon ist ein Baby, das gerade quengelt, ohne dass der Grund ersichtlich
       wäre, und nicken erstaunt. In der Regel meiden kinderlos Reisende,
       insbesondere Männer, in Zügen die Bereiche mit Kinderlärm.
       
       Auch wir wünschten nach einem langen Tag am Strand gerade, wir könnten
       zumindest für einen Moment still den Ausblick genießen. Der Mann aber zückt
       ein Buch und beginnt in aller Ruhe zu lesen. Als wir merken, dass das Baby
       einfach nur krabbeln will, legen wir es auf eine Decke auf den Boden. Das
       ältere Kind sitzt daneben und passt auf.
       
       Der Mann beobachtet die beiden über den Rand seiner Brille. Bald kommt ein
       weiteres Kind aus dem Abteil, es ist zwei Jahre alt und liebt Babys, wie
       sein dazu eilender Vater erklärt, als der Junge das Baby küsst. Die
       vorbeikommende Schaffnerin lächelt beim Anblick der drei Kinder nur und
       springt elegant über sie rüber. Der Mann neben uns meint: „Das ist das
       schönste Alter. Die Zeit vergeht so schnell. Ich wünschte, sie ließe sich
       zurückdrehen. Meine Kinder sind bereits groß.“ Eva-Lena Lörzer
       
       6 Jul 2024
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eva-Lena Lörzer
       
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