# taz.de -- Wahlen im Kosovo: Machtwechsel mit Folgen
       
       > Nach Jahren des Stillstands steht Kosovo vor einer historischen Zäsur:
       > Der Wahlgewinner Albin Kurti will endlich die Korruption bekämpfen.
       
 (IMG) Bild: Hoffnungsträger und Wahlgewinner: Albin Kurti feiert am Sonntag in Prishtina das Wahlergebnis
       
       Nach all den Jahren der lähmenden Herrschaft der aus der
       Kosovo-Befreiungsarmee UÇK hervorgegangen Parteien [1][hat Kosovo jetzt den
       Neustart gewählt]. Zwar bleibt Hashim Thaçi immer noch Präsident des Landes
       (der Posten stand nicht zur Wahl), doch im Parlament gab es dramatische
       Veränderungen. Dass nach Jahren der Opposition jetzt Albin Kurti die Chance
       bekommt, als Premierminister die Politik für das ganze Land zu gestalten,
       ist eine historische Wende.
       
       Welche Schmutzkübel wurden über diesen Mann seitens seiner Gegner und
       vieler Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft ausgegossen.
       Anarchist, Bolschewik, Nationalist, alles in einer Person, quasi der Teufel
       selbst. In der Tat hat er seine Gegner herausgefordert. Seine beißende und
       unerbittliche Kritik galt denen, die als angebliche Widerstandskämpfer
       gegen die serbische Herrschaft sich das Recht genommen hatten, das Land und
       seine Menschen zu betrügen und auszubeuten. Und den Repräsentanten der
       internationalen Gemeinschaft, die unfähig waren, das Land anständig zu
       verwalten.
       
       Er geißelte die UN-Mission und die Rechtsstaatsmission Eulex, weil sie die
       Korruption im Lande eher bestärkten, statt sie zu bekämpfen. Auf den Wurf
       von Farbbeuteln reagierten internationale Polizisten mit scharfen Schüssen
       und töteten einige Mitstreiter Kurtis.
       
       Als Premierminister wird Kurti von den Vereinten Nationen darüber
       Aufklärung fordern, wie er auch gegen die Kriminellen im eigenen Land
       vorgehen wird. Ob er es kann, entscheiden er und seine Partei
       „Selbstbestimmung“ aber nicht allein. Auch seine Koalitionspartnerin, Vjosa
       Osmani von der Demokratischen Liga LDK, verfolgt das Ziel, die Korruption
       zu bekämpfen.
       
       Die Frage ist nur, ob die mit der deutschen CDU verwobene
       Mitte-rechts-Partei einen Premierminister Albin Kurti akzeptiert. Einige
       Mitglieder der LDK müssen fürchten, wegen Korruption angeklagt zu werden.
       Die LDK steht vor einer Zerreißprobe. Von ihr hängt es ab, ob die Wahl
       [2][eine historische Wende in der Geschichte Kosovos] und der Region
       darstellt oder nicht.
       
       7 Oct 2019
       
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