# taz.de -- Vorwurf Mitglied in Terrororganisation: Deutscher in Türkei verurteilt
       
       > Patrick K. sei zum Wandern in der Türkei gewesen, sagt seine Familie. Ein
       > Gericht verurteilte ihn wegen Mitgliedschaft in der YPG-Miliz.
       
 (IMG) Bild: Provinz Şırnak im türkisch-syrischen Grenzgebiet: Hier wurde Patrick K. aufgegriffen
       
       Athen taz | Der 29-jährige Deutsche Patrick K. aus Gießen ist am Freitag in
       der Türkei zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das
       Gericht hielt es für erwiesen, dass er Mitglied der syrisch-kurdischen
       YPG-Miliz ist, die in der Türkei als Terrororganisation gilt. Außerdem
       wurde eine Strafe von einem Jahr und acht Monaten wegen Betreten eines
       militärischen Sperrgebietes zur Bewährung ausgesetzt.
       
       Sein Anwalt Hüseyin Bilgi sagte gegenüber der Deutschen Presseagentur, er
       werde das Urteil anfechten. Die angeblichen Beweise gegen Patrick K. seien
       nicht stichhaltig.
       
       Der Verurteilte war im März im türkisch-syrischen Grenzgebiet in einem
       militärischen Sperrgebiet aufgegriffen und in U-Haft genommen worden. Laut
       Staatsanwaltschaft hat ein Zeuge Patrick K. im Januar dieses Jahres in
       einer YPG-Uniform als Arzt in einem syrischen Krankenhaus gesehen.
       
       Außerdem habe sich auf seinem Handy eine Email befunden, mit der sich K.
       der YPG als Kämpfer angeboten habe. Laut Anklage hat er zugegeben, in
       Deutschland von zwei Personen für die YPG angeworben worden zu sein.
       
       Die Familie des Verurteilten sagte dagegen der dpa, Patrick K. habe mit der
       YPG nichts zu tun. Er sei zum Wandern in der Türkei gewesen. Im Januar, als
       ihn ein Zeuge in YPG-Uniform in Syrien gesehen haben will, sei K. in
       Deutschland gewesen. Er sei auch nicht Arzt, sondern Schreiner. „Vielleicht
       hat er eine Aussage in Türkisch unterschrieben die er gar nicht verstanden
       hat“, sagte seine Mutter.
       
       ## Altmaier in der Türkei
       
       Das Urteil gegen Patrick K. fiel just am zweiten Besuchstag von Peter
       Altmaier in Ankara. Der Bundeswirtschaftsminister hatte zwar vor seiner
       Reise zugesagt, sich für Gefangene in der Türkei einsetzen zu wollen,
       allerdings nur im persönlichen Gespräch hinter verschlossenen Türen.
       
       Im Fall Patrick K. gibt es bislang auch kaum öffentlichen Druck in
       Deutschland. Der Fall ist wenig bekannt und ist in der deutschen
       Öffentlichkeit nicht von politischen oder persönlichen Freunden zum Thema
       gemacht worden.
       
       Nach Auskunft des Auswärtigen Amtes ist Patrick K. einer von fünf
       Deutschen, die in der Türkei aus politischen Gründen in Haft sitzen. Soweit
       bekannt, handelt es sich bei den anderen vier Gefangenen um Deutsche mit
       einem türkischen Migrationshintergrund oder um Deutsche, die zusätzlich
       einen türkischen Pass haben.
       
       Bis auf einen Fall, in dem die Staatsanwaltschaft dem Betroffenen
       Mitgliedschaft in der Gülen-Sekte vorwirft, geht es um die angebliche
       Unterstützung der PKK oder einer türkischen kommunistischen Partei.
       
       Noch im vergangenen Jahr hatte der damalige Außenminister Sigmar Gabriel
       wegen der Inhaftierung verschiedener Deutscher [1][mit einem
       Tourismus-Boykott und der Einschränkung von Hermes-Bürgschaften reagiert].
       Nach der Freilassung der bekanntesten Gefangenen Deniz Yücel, Peter
       Steudtner und Meşale Tolu strebt die Bundesregierung jetzt jedoch wieder
       eine Normalisierung der Beziehungen mit der Türkei an.
       
       26 Oct 2018
       
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