# taz.de -- Tennisturnier Laver Cup: Champagner-Spuren in den Haaren
       
       > Europas Tennis-Elite gewinnt beim Laver Cup gegen das Team „Welt“.
       > Alexander Zverev siegt im entscheidenden Einzel mit Hilfe von Federer und
       > Nadal.
       
 (IMG) Bild: Alexander Zverev nach dem Gewinn des Laver Cups
       
       Genf taz | Selbst Mister Perfect trägt gelegentlich Ringe unter den Augen
       und sieht so aus, als fehle ihm mehr als nur eine Mütze Schlaf. Roger
       Federer wirkte erschöpft nach dem emotionalen Heimspiel beim Laver Cup in
       Genf, aber diese Erschöpfung tat ihm offensichtlich sehr, sehr gut. Nicht
       nur, weil er mit seinen Europäern zum dritten Mal den Mannschaftsvergleich
       mit dem Rest der Welt gewonnen hatte, sondern vor allem wegen der
       unvergesslichen Momente, die ihm die Landsleute beschert hatten.
       Erinnerungen für die Zeit nach der Karriere.
       
       Obwohl [1][Federer] als Weltbürger überall ein Heimspiel hat, feierten sie
       ihn wie einen Rockstar. Aber kaum weniger feierten sie [2][Rafael Nadal],
       der zwar am letzten der drei Tage wegen einer Entzündung in der Hand nicht
       mehr spielte, der aber auch diesmal am Rande des Platzes als Coach und
       Antreiber alles gab, bisweilen mit Federer im kongenialen Paar.
       
       Es war einfach großartig, wie die beiden mit [3][Alexander Zverev] vor dem
       Match-Tiebreak des letzten Spiels, als es um alles ging, durch die Gänge
       zur Umkleidekabine und zurück liefen, wie sie ihn unter Einsatz diverser
       Kraftausdrücke aufmöbelten und wie sie ihm klarmachten, dass es nur einen
       Weg zum Erfolg gebe – kompromisslos und furchtlos geradeaus.
       
       Zverev tat, was die beiden verlangten, spielte mutige letzte Bälle gegen
       Milos Raonic und gewann, sank zu Boden, und danach wurde es wie vor einem
       Jahr in Chicago gefährlich; damals wie diesmal lag innerhalb von ein paar
       Sekunden das ganze Team über ihm. Federer und Nadal hätten genau das
       Richtige zu ihm gesagt, schwärmte er eine Stunde nach dem Sieg mit Spuren
       von Champagner in den Haaren und auf der Mannschaftsjacke, „ich bin super
       happy und dankbar. Ohne die beiden und die Jungs auf der Bank hätte ich das
       heute nicht geschafft.“
       
       ## Der Frust des knapp besiegten Teams „Welt“
       
       Natürlich hofft er, von dieser Euphorie in den restlichen Wochen dieses
       Jahres zehren zu können. Es geht ja für ihn noch darum, sich für die
       ATP-Finals im November zu qualifizieren, die er im vergangenen Jahr gegen
       Novak Đjoković gewonnen hatte. Zunächst wird er sich allerdings erst mal um
       seine Bänderverletzung im rechten Sprunggelenk kümmern müssen, die er sich
       beim Training zugezogen hatte.
       
       Zu den Bildern des Wochenendes gehört auch der Frust des knapp besiegten
       Teams „Welt“, das vor der entscheidenden Partie zwischen Zverev und dem
       Kanadier Raonic nach zwei Siegen am dritten Tag in Führung gelegen hatte.
       „Es ist unglaublich, dass wir das Ding hier nicht gewonnen haben“, klagte
       Käpt’n John McEnroe hinterher, „wir waren nur einen Tiebreak vom Sieg
       entfernt. Wenn wir nächstes Jahr wieder nicht gewinnen, dann bin ich
       erledigt.“
       
       Der Laver Cup 2020 wird in Boston stattfinden, die Mannschaftskapitäne
       McEnroe und Björn Borg verlängerten ihre Verträge um ein Jahr und werden
       wieder dabei sein, und es gibt keinen Zweifel, dass im großartigen TD
       Garden mit seinen fast 20.000 Plätzen wieder ein spektakuläres Wochenende
       zu erwarten ist.
       
       Es gibt zwar nach wie vor Kritiker, die finden, auf den Laver Cup mit
       seinem Show-Charakter könne man gut verzichten, aber dazu gehörten die Fans
       in Genf sicher ebenso wenig wie Fernsehzuschauer überall auf dem Globus.
       Federer sagt, die Idee des Ganzen sei, Tennis zu den Leuten zu bringen und
       ein Fest daraus zu machen, und dieses Konzept funktioniert.
       
       ## „Tennis braucht diese Wettbewerbe“
       
       Auf die Frage, ob in Zukunft mit dem Laver Cup, dem reformierten Davis Cup
       und dem neuen ATP Cup Platz für diverse Mannschaftswettbewerbe sei,
       antwortete der Vize-Kapitän des Weltteams, Patrick McEnroe, so: „Ich finde
       sie alle toll, lasst uns so viele wie möglich haben. Ich hoffe, dass sie
       alle Erfolg haben werden, denn Tennis braucht diese Wettbewerbe.“
       
       Und muss man sich Gedanken machen, ob das Interesse nachlassen wird, wenn
       Federer und Nadal, die unbestrittenen Helden des Publikums, nicht mehr als
       Spieler dabei sein werden? Für diesen Fall bietet sich eine Lösung an. Da
       ja beide Weltbürger sind, könnten sie als Kapitäne weitermachen, wo sie als
       Spieler begonnen hatten; der eine für Team Europa, der andere für Team
       „Welt“. Als Nachfolger von McEnroe und Borg.
       
       23 Sep 2019
       
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