# taz.de -- Talking-Heads-Sänger verklagt Politiker: Gouverneur auf der "Road to Nowhere"
       
       > Floridas Gouverneur hat unerlaubt den Talking Heads-Hit für politische
       > Werbung verwendet. Wegen Urheberrechtsverletzung fordert Ex-Frontmann
       > Byrne eine Million Dollar Schadensersatz.
       
 (IMG) Bild: Ex-Talking Head David Byrne während eines Konzerts in der mazedonischen Hauptstadt Skopje im Jahr 2009.
       
       BERLIN/MIAMI taz/apn | David Byrne, ehemaliger Mastermind der Talking
       Heads, hat den Gouverneur des US-Staates Florida, Charlie Crist, auf eine
       Million Dollar Schadensersatz verklagt. Der Grund: In einem Werbespot für
       Crists Wahlkampf um einen vakanten Senatorenposten in Washington, der auf
       seiner Webseite und auf YouTube zu sehen war, erklang "Road to Nowhere".
       Ein Hit aus der Spätphase der New Yorker Band um Sänger Byrne und
       Keyboarderin Tina Weymouth, die wohl zu den einflussreichsten Wave-Acts der
       80er Jahre gehörte.
       
       [1]["Road to Nowhere"] war schon Bestandteil des Soundtracks der Filme
       "Reality Bites" und "Religious". Und auch die französische Band Nouvelle
       Vague durfte das marschähnliche Stück mit ihrem Fahrstuhlsound weichspülen.
       Crist allerdings verwendete den Song ohne Erlaubnis Byrnes. Denn dieser hat
       es bisher stets abgelehnt, Stücke der Talking Heads für Werbezwecke zur
       Verfügung zu stellen.
       
       In einer Erklärung teilte Byrne mit, so etwas würde ihn sein Ansehen bei
       den Fans kosten. Er sei "in dieser Sache etwas rückständig", da er noch
       immer glaube, Songs würden den Menschen gelegentlich etwas bedeuten. "Die
       persönliche oder soziale Bedeutung wird aber abgeschwächt, würde das selbe
       Lied dazu benutzt werden, ein Produkt oder einen Politiker zu verkaufen!,
       so Byrne weiter.
       
       Crist soll "Road to Nowhere" im Januar zum ersten Mal für Wahlkampfzwecke
       benutzt haben. Damals sah er sich bei den republikanischen Vowahlen von
       Marco Rubio herausgefordert, einem Vertreter der konservativen "Tae
       Party"-Bewegung, dem er schließlich auch unterlag. Inzwischen ist Crist bei
       den Republikanern ausgetreten und als unabhängiger Kandidat ins Rennen
       gegangen.
       
       Laut Byrnes Anwalt hat das Kampagnenbüro von Crist weder eine Genehmigung
       zur Verwendung der Komposition des Songs noch eine zum Abspielen der
       originalen Aufnahme der Talking Heads erhalten. Zudem verstoße die Nutzung
       von "Road to Nowhere" gegen den so genannten Lanham Act, da sie
       fälschlicherweise impliziere, Byrne würde Crist politisch unterstützen.
       
       Byrne teilte mit, erst nachdem der Werbespot schon gelaufen war, habe er
       von Crists Verwendung des Talking-Heads-Hit erfahren. "Ich war ziemlich
       aufgebracht". Obwohl seine Plattenfirma Crists Wahlkampfleitung
       kontaktierte und der Werbespot danach aus dem Netz genommen wurde: "Der
       Schaden war schon angerichtet", so Byrne
       
       Byrne hat sich in dieser Sache nicht gerade zufällig an Lawrende Iser
       gewandt. Dem Anwalt war es gelungen, John McCain, den
       Ex-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner erfolgreich zu verklagen,
       den Song "Running On Empty" von Jackson Browne unrechtmäßig für
       Wahlkampfzwecke benutzt hatte. "Ich war ziemlich erstaunt, dass so kurz
       nach dem Urteil im Fall Browne gegen McCain ein weiterer Politiker einen
       derartigen Verstoß begeht", so Iser gegenüber der englischen Zeitung The
       Guardian. Als Konsequenz aus dem Urteil, hatten die Republikaner eigentlich
       versprochen, die Rechte von Künstlern zu respektieren und bei den Urhebern
       um Erlaubnis für die Weiterverwendung ihrer Werke zu bitten.
       
       Byrne kann eigentlich froh darüber sein, dass "Road to Nowhere" nur von
       einem Ex-Republikaner der gemäßigten Sorte unrechtmäßig angeeignet wurde.
       Crists Rivale Marco Rubio aus dem Lager der reaktionären Ikone Sarah Palin
       steht nicht nur unter Verdacht, eine Kreditkarte der Republikanischen
       Partei für private Zwecke missbraucht, sondern ebenfalls gegen das
       Urheberrecht verstoßen zu haben. Er wurde von Rockstar Steve Miller wegen
       der Nutzung seines 1976er Hits "Take the Money and Run" in einem Werbespot
       gegen Crist kritisiert. Miller dazu: "Ich verlange, dass sich Mr. Rubio
       besser über Veröffentlichungs- und geistiges Eigentumsrecht informiert.
       Außerdem fordere ich, dass er so höflich ist und mich um Erlaubnis fragt,
       bevor er meine Songs benutzt."
       
       26 May 2010
       
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