# taz.de -- Serbischer Fußball: So homophob, so schwul
       
       > Ich bin schwul und Fußball-Fan. Keine leichte Verbindung in einem
       > homophoben Land mit extrem homophoben Fans - und mit so sexy Fußballern.
       
 (IMG) Bild: Echte Männer, echte Fans. Ein Anhänger der serbischen Mannschaft.
       
       Die Liebe zum Fußball hat mir mein Vater eingeprägt, so wie bei den meisten
       Jungen auch. Dank ihm habe ich auch "frei" entscheiden können, ein Fan von
       Roter Stern Belgrad zu werden. Noch als Kind hatte ich die Gewohnheit, vor
       jeder Weltmeisterschaft Aufkleber mit Fußballerfotos zu sammeln. Heute
       glaubt mir niemand, dass ich sie noch immer leidenschaftlich sammle. Man
       hält mich wohl zu alt dafür.
       
       Ich gebe zu, es hat so einige Zeit gedauert, bis ich den Mut dazu fasste,
       zum Markt Terazije im Zentrum Belgrads zu gehen, wo Sammler die Aufkleber
       untereinander austauschen. Trotz der Angst, dass mich ein hitziger
       homophober Fußballfan erkennen könnte - als mir an die fünfzig Aufkleber
       fehlten, ging ich dorthin und amüsierte mich gut in diesem sozialen Netz.
       Ich hatte eine bessere Zeit als bei Facebook.
       
       Doch kommen wir auf mein Lieblingsthema zurück. Es ist schwer, in Serbien
       ein Fan von Roter Stern Belgrad, dem ehemaligen Europapokalsieger, zu sein.
       Der große Lokalrivale Partizan Belgrad hat in den letzten Jahren alle Titel
       geholt. Sie feiern zu sehen, tut mir weh, doch finde ich Trost - und zwar
       in den Partizan-Spielern.
       
       Was mich, bei aller Liebe zu Roter Stern, über die Meisterschaft von
       Partizan hinwegtröstet, hat nichts mit Fußball zu tun, sondern hat andere,
       wenn man so will, "schwule Gründe": Denn Siege und Titel für Partizan geben
       mir die Gelegenheit, die entblößten Spieler von Partizan zu genießen. Keine
       andere serbische Mannschaft, die so oft und so gern nur in Shorts über das
       Spielfeld läuft, manchmal sogar ganz ohne. Welch ein Genuss, wenn ein
       bekannter Fußballer in Armani-Höschen vor Fotoreportern posiert, während
       ein Polizeikordon und tausende Partizan-Fans seinen gemeißelten Körper
       bewundern.
       
       Es ist unwahrscheinlich, dass einer dieser Fans eine Ahnung davon hat, dass
       Giorgio Armani fast das Modegeschäft aufgab, als sein Lebenspartner Sergio
       Galeotti im Jahr 1985 starb. Welch ein Verlust wäre das für Partizan, seine
       Fans und Spieler gewesen! Wer könnte besser das Design für dieses kleine
       Stück Textil für die "Pakete" der Spieler machen, das gerade so viel
       bedeckt, dass ein Mann zelebriert und begehrt werden kann? Zelebriert und
       begehrt auch von Männern.
       
       Es war für mich schon immer faszinierend, dass die homophoben Fans die
       homoerotischen Gesten der Sportler nicht erkennen. Wenn wir die Spieler
       sehen, wie sie sich küssen, umarmen, streicheln, orgienartig auf dem Rasen
       wälzen, am Po tätscheln, aufeinanderspringen, erkennt kaum jemand daran
       etwas Sexuelles. (Okay, dieses Greifen der Hoden beim Freistoß kann nicht
       übersehen werden.)
       
       Ich muss gestehen, mir ist es ein wenig peinlich, wenn ich all diese Fans,
       Spieler, Trainer, Manager, diese Macho-Männer sehe, wenn sie, einfach
       gesagt, in so schwuler Weise Tore und Siege feiern. Jedes Gay-Paar würde
       heftige Prügel riskieren, wenn es irgendetwas aus diesem Repertoire während
       eines Fußballspiels vor den Fans nachahmen würde.
       
       Im WM-Gastgeberland Südafrika wurde im April 2008 die
       Fußballnationalspielerin Eudy Simelane tot in einem Fluss in ihrem
       Heimatort gefunden. Sie war lesbisch. Sie wurde 25-mal mit dem Messer
       gestochen, ins Gesicht, in die Brust, in die Beine. Die Obduktion zeigte,
       dass sie zuvor Tod mehrere Männer verprügelt und vergewaltigt haben, in der
       Hoffnung, sie zu "küren".
       
       Wenn man sich das Schicksal von Sportlern anschaut, die sich als
       Homosexuelle bekannten, wundert es nicht, dass es unter 120.000 Kickern in
       Serbien keinen einzigen gibt, von dem bekannt wäre, öffentlich zuzugeben,
       schwul zu sein. Bei den serbischen Fußballfans, von denen die vorlauten
       Mitgliedern der Gayparade mit dem Tod drohen, worauf Fußballfunktionäre
       stumm bleiben, kann man auch in absehbarer Zeit nicht erwarten, dass sie
       den Mut aufbringen würden, sich zu bekennen. In Südafrika, wo Homosexuelle
       mit Vergewaltigung gekürt werden, kann man das erst recht nicht erwarten.
       
       18 Jun 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Boris Milicevic
       
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