# taz.de -- Senat erleichtert Wohnungsbau
> Baugebote, stärkeres Vorkaufsrecht der Stadt und baurechtliche
> Befreiungen sollen mehr Wohnraum schaffen
Von Gernot Knödler
Der rot-grüne Senat will dem Wohnungsbau einen Schub geben. Als erste
Landesregierung hat er das seit drei Wochen geltende
Baulandmobilisierungsgesetz in eine Rechtsverordnung gegossen, die das
Bauen erleichtern soll. Dafür hat er die ganze Stadt zu einem „angespannten
Wohnungsmarkt“ erklärt.
„Die neuen Instrumente geben uns zum einen mehr Schlagkraft im Vorgehen
gegen Spekulation und brachliegende Wohnbauflächen“, sagte Kay Gätgens,
Leiter des Bezirksamts Eimsbüttel, der die Verordnung zusammen mit
Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeld (beide SPD) vorstellte. „Zum
anderen schaffen sie mehr Flexibilität bei Baugenehmigungen.“
Künftig können die Behörden leichter Baugebote aussprechen und
Grundstückseigentümer zum Bauen zwingen. Das soll Spekulation beschränken,
wofür auch die Hürden abgebaut werden, städtisches Vorkaufsrecht auszuüben.
„Auf einem ansonsten leeren Grundstück einen Zaun oder einen Schuppen zu
errichten, reicht also nicht länger, um das gemeindliche Vorkaufsrecht zu
umgehen“, erläuterte der Senat.
Ebenfalls einfacher soll es werden, Bauten durch Befreiung vom
Bebauungsplan zu genehmigen. Das gilt etwa für Aufstockungen und Anbauten.
Zudem sollen Grundstücke generell dichter bebaut werden können: Die
bisherigen Obergrenzen sollen durch Orientierungswerte ersetzt werden.
Voraussetzung sei aber, dass „gesunde Wohnverhältnisse gewahrt bleiben und
genügend Freiflächen vorgesehen werden“.
Anke Frieling von der CDU-Fraktion warnte, die neuen Spielräume würden
„nicht in allen Teilen der Stadt auf Begeisterung stoßen“. Überdies seien
die Bezirke mangels ausreichender Planungskapazitäten gar nicht in der
Lage, sie zu nutzen. Andreas Breitner vom Verband Norddeutscher
Wohnungsunternehmen lobte den Senat als Vorbild.
Der Senat begründete die Verordnung damit, dass die Angebotsmieten in
Hamburg zwischen 2007 und 2020 um 58 Prozent auf 12,44 Euro gestiegen seien
– bundesweit nur um 49 Prozent auf 8,97 Euro. 2018 mussten Hamburger
durchschnittlich 30,4 Prozent ihres Einkommens für die Miete aufwenden, der
Bundesdurchschnitt lag bei 27,2 Prozent.
15 Jul 2021
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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